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Wie wird das Zeckenjahr 2018?

Stuttgart. Zecken sind die Hauptüberträger der tückischen FSME. Die Krankheit tritt möglicherweise auch vermehrt im Norden der Republik auf. Warum? Experten sind ratlos.

Wie wird das Zeckenjahr 2018?

Vor Zecken wird mit einem Schild in einem Waldgebiet südlich von Hannover gewarnt. Foto: Holger Hollemann/Illustration

Einige Zeckenforscher sehen Hinweise auf eine Ausbreitung der tückischen Krankheit FSME in den Norden Deutschlands.

Zwar traten die weitaus meisten Erkrankungsfälle (85 Prozent) im Jahr 2017 in Süddeutschland auf, wie Experten um Gerhard Dobler, Leiter des Deutschen Konsiliarlabors für Frühsommer-Meningoenzephalitis (FSME), in Stuttgart sagten.

Doch zuletzt haben sich demnach auch vermehrt Menschen an der niedersächsisch-niederländischen Grenze, in privaten Gärten in Berlin oder auch in Stadtparks in Mecklenburg-Vorpommern angesteckt. Dabei handelt es sich jeweils um wenige Einzelfälle.

Das Robert Koch-Institut (RKI) in Berlin ist mit den Schlussfolgerungen vorsichtiger. Zwar habe es tatsächlich in letzter Zeit in einigen Regionen Deutschlands Einzelfälle von FSME gegeben, in denen die Krankheit vorher nicht bekannt war, sagte RKI-Zeckenexpertin Wiebke Hellenbrand. Allerdings könne man jetzt noch nicht vorhersagen, ob sich die Krankheit in all diesen Regionen nachhaltig etablieren wird.

„Wir haben eine Dynamik, die wir nicht verstehen“, sagte Dobler. An der Stuttgarter Uni Hohenheim treffen sich Experten zum 4. Süddeutschen Zeckenkongress. FSME kann zu Hirnhautentzündung führen. In der Regel wird FSME durch Zeckenstiche auf den Menschen übertragen. Bei 100 Menschen, die von einer infizierten Zecke gebissen werden, bricht die Krankheit Experten zufolge bei 30 aus.

Das RKI registrierte im vergangenen Jahr bundesweit fast 500 Erkrankungsfälle - und damit die zweithöchste je registrierte Zahl. Einen Trend zu immer mehr Erkrankungen gebe es aber nicht, hieß es vom RKI. „Der Trend ist die Schwankung“, sagte eine Sprecherin. Experte Dobler nannte eine Schwankungsbreite der letzten Jahre von bundesweit 250 bis 500 Erkrankungsfälle.

Ungewöhnlich sei 2017, dass es nach Zählungen insgesamt weniger Zecken gab, jedoch mehr Erkrankungen. Tückisch sei, dass Verbreitungsgebiete von FSME infizierten Zecken oft nicht größer als ein Fußballfeld seien und über Jahre stabil bleiben könnten. Genauso könnten Zecken, die das Virus in sich tragen, von einem auf das nächste Jahr verschwinden. „Wir haben noch keine Erklärung für so eine Entwicklung“, sagte Dobler. Wie ein solcher Erkrankungsherd in der Natur entstehe oder verschwinde, sei noch lange nicht geklärt, ergänzte Ute Mackenstedt, Leiterin des Fachgebiets Parasitologie an der Uni Hohenheim.

Die Entwicklung bleibe regional sehr unterschiedlich, berichteten die Experten: So sei die Zahl der FSME-Infektionen 2017 etwa in Unterfranken stark zurückgegangen, in der Alpenregion in einigen Tälern hingegen deutlich nach oben gegangen. Ein Grund könne das Wetter sein: So habe es im Sommer eine Kältewelle gegeben, zwei Wochen später wurde es warm und wieder zwei Wochen später wurde ein großer Krankheitsausbruch registriert. Offenbar habe es die Menschen nach der Kälte ins Freie gezogen - und das genau in der jahreszeitlichen Hochphase des Gemeinen Holzbocks, eine der FSME-übertragenden Zeckenarten.

Der relativ neue Übertragungsweg bei FSME über Rohmilch von infizierten Weidetieren habe auch im vergangenen Jahr eine Rolle gespielt. Erst 2016 hatte ein Fall Schlagzeilen gemacht, bei dem sich zwei Menschen an Rohmilch-Käse aus Ziegenmilch angesteckt hatten. 2017 seien acht solcher Fälle registriert worden, berichtete Mackenstedt.

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