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Willkommen in der freien Wildbahn

BOCHUM Ingolf Lück (Foto) polarisiert: Die Einen finden ihn genial, andere wiederum nervig. Nach seinem Solo-Gastspiel am Freitag Abend im Bahnhof Langendreer aber lässt er zumindest an einer Sache keinen Zweifel. Er ist ein begnadeter Schauspieler und hebt so das ihm von Thomas Lienenlüke auf den Leib geschneiderte Stück "One Way Man" von der Comedy-Massenware rund um das Thema "Mann-Frau" meilenweit ab.

28.10.2007

Lück ist Frank. Ein 43-jähriger Möchtegern-Yuppie, der Dichtungsringe für Entsaftermaschinen vertreibt, und sich kurzerhand mit seinem Chef, seiner Freundin Marion ("nach neun Jahren Schluss per Telefon"), seinem "Rivalen" Dieter ("der Mensch gewordene November") und auch sonst so manchen Konventionen der Gesellschaft überwirft. So finden ihn die kaum mehr als 100 Zuschauer zu Programmbeginn morgens verkatert und jämmerlich auf einer Parkbank: "Willkommen in der freien Wildbahn." Neben ihm als einzige zusätzliche Accessoires ein Mülleimer und drei Handys.

So spartanisch unterstützt, läuft der gebürtige Bielefelder zu Hochform auf: Das Publikum erfreut sich großer Gesten, perfekter Mimik und Körpersprache sowie erstaunlichen Stimmwechseln. Lück poltert über die Bühne, reflektiert sein Männerleben und schlüpft dabei blitzschnell in die unterschiedlichsten Rollen und Gemütslagen. Der Schlaks kann sich so richtig austoben, bündelt seine Talente und kommt so zu geistreichen Abstechern in das Innerste der Männerseele und den Kampf der Geschlechter. Dem Zuschauer drängt sich dabei der Eindruck auf, dass das Theater fernab der Mattscheibe wohl die wahre Leidenschaft des Entertainers sein muss.

Die Story dabei ist erfrischend zotig und trotzdem intelligent, wenn auch zunächst wenig überraschend. Doch es gibt durchaus neue Ansichten im etwas abgenudelten Bereich der Parodie kinderloser Beziehungen. Insbesondere dann, wenn Lück ins Detail geht und mit seinem Schicksal hadert. Dann aber die Wende. Frank wird wieder zu Lück. Und was als vorhersehbare Beziehungsanalyse begann, endet mit mehreren liebevoll-ironischen Überraschungen und dem Abgang eines von tosendem Applaus verabschiedeten Charmeurs.