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Wilsberg: MünsterLeaks

Münster. Wie Reiche bei der Steuer tricksen, haben die Paradise Papers gerade gezeigt. Im neuen „Wilsberg“-Krimi im ZDF geht es um Offshore-Konten der Münsteraner Hautevolee. Der Finanzbeamte Ekki Talkötter ist ihnen auf der Spur.

Wilsberg: MünsterLeaks

Die Whistleblowerin Laura (Teresa Weißbach) will dem Finanzamt eine Steuer-CD zuspielen. Foto: Thomas Kost/ZDF

Eben noch hat der Finanzbeamte Ekki Talkötter (Oliver Korittke) entspannt Frühstückspause am Schreibtisch gemacht – da wird er auf einmal mit schwierigen Fragen konfrontiert.

In der neuen Folge des ZDF-Krimis „Wilsberg“ am Samstag (2. Dezember, 20.15 Uhr) bietet ein Unbekannter dem Finanzamt in Münster eine CD mit Daten von Steuersündern an. Angeblich soll auf dem Datenträger die Crème de la Crème der Münsteraner Society zu finden sein. Ekki soll die Echtheit der Daten überprüfen. Der Unbekannte will zwei Millionen Euro dafür. Und schnell sieht Ekki sich mit grundsätzlichen Problemen konfrontiert: Darf die Stadt solche Informationen überhaupt kaufen oder unterstützt sie damit Kriminelle?

In der neuen „Wilsberg“-Folge – der 56. inzwischen – mit dem Titel „MünsterLeaks“ dreht sich alles ums Thema Steuergerechtigkeit. So sieht es zunächst zumindest aus. Als das Gerücht von der Steuersünder-CD in der Stadt die Runde macht, zeigt sich unmittelbar darauf ein Unternehmer bei Ekki selbst an. Doch ehe Ekki ihn vernehmen kann, ist der Mann tot.

Währenddessen hat Privatdetektiv Wilsberg (Leonard Lansink) ganz andere Sorgen: Kommissarin Springer (Rita Russek) braucht einen Praktikumsplatz für ihre Patentochter Merle (Janina Fautz). Und ehe Wilsberg sich versieht, ist die aufmüpfige Teenagerin bei ihm im Antiquariat als Hospitantin einquartiert. Wie gut, dass er durch einen neuen Fall schnell Ablenkung hat: In einer Packung Hackfleisch wurde ein menschlicher Finger gefunden.

Nur wenige Wochen nach der Veröffentlichung der Paradise Papers kommt der neue „Wilsberg“-Krimi mit einem brisanten Thema daher. Anfang November hatten deutsche und internationale Medien mit den von ihnen Paradise Papers getauften Dokumenten Personendaten zu Briefkastenfirmen in Steuerparadiesen veröffentlicht. Dem vorausgegangen waren etwa die Panama Papers im Frühjahr 2016. Bei den Unterlagen geht es um Millionen von Daten zu Steuertricksereien.

Die zeitliche Nähe des Krimis zu den Paradise Papers mag Zufall sein - und natürlich ist die Geschichte im Krimi etwas anders: Während die Paradise Papers vor allem legale Steuerschlupflöcher anprangern, geht es im „Wilsberg“-Krimi um eindeutig illegale Machenschaften.

Die Voraussetzungen wären also da gewesen, aus dem neuen „Wilsberg“ ein Highlight der beliebten Krimiserie zu machen. Aber so ist es am Ende nicht: Die Geschichte, die sich die Drehbuchautoren Markus B. Altmeyer und Britta Burneleit ausgedacht haben, ist so komplex, dass der Zuschauer zwischendurch Probleme hat, zu folgen. Fast scheint es so, als sollten die komplizierten Steuervermeidungsstrategien der Superreichen sich erzählerisch in einem überkomplexen Plot widerspiegeln.

Und als wäre das Thema Steuertricks nicht schon groß genug, kommem noch die menschenverachtenden Praktiken eines münsterländischen Schlachterei-Geschäftsführers hinzu. Um die losen Enden miteinander zu verknüpfen, gerät dann vieles holzschnittartig und klischeehaft. Fast komisch wirkt etwa der Monolog einer betrogenen Ehefrau, so wenig glaubwürdig sind ihre Sätze. An der schauspielerischen Leistung liegt es dabei nicht.

Trotz der an manchen Stellen holprigen Geschichte wird der Film an vielen Stellen für eingefleischte Wilsberg-Fans trotzdem zum Genuss - und das liegt an den Charakteren. Es macht wie immer Spaß, Wilsberg, Ekki und Polizist Overbeck (Roland Jankowsky) bei der Arbeit zuzusehen. Und mit der aufgeweckten Patentochter Merle hat die Serie durchaus ein neues Highlight. Wenn sie Wilsberg vorlaut Vorwürfe macht und von ihm forsch Bezahlung fordert, hat der Film Witz - und das Zuschauen macht richtig Spaß.

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