Diese Website verwendet Cookies. Cookies gewährleisten den vollen Funktionsumfang unseres Angebots, ermöglichen die Personalisierung von Inhalten und können für die Ausspielung von Werbung oder zu Analysezwecken gesetzt werden. Lesen Sie auch unsere Datenschutz-Erklärung

Wittener Sanitäter geraten immer häufiger in brenzlige Situationen

Gewalt gegen Helfer

Sie kommen, um zu helfen. Aber Rettungskräfte werden immer häufiger Opfer verbaler und manchmal sogar tätlicher Attacken. Ein trauriger Trend, der auch in Witten langsam angekommen ist.

INNENSTADT

von Von Barbara Zabka

, 16.04.2011
Wittener Sanitäter geraten immer häufiger in brenzlige Situationen

Helfer geraten oft selbst in die Opferrolle.

„Körperliche Angriffe sind glücklicherweise selten“, sagt Mario Rosenkranz Sachgebietsleiter Rettungsdienst bei der Berufsfeuerwehr. Aber die Tendenz zu Beleidigungen nehme drastisch zu: „Besonders in sozialen Brennpunkten werden die Kollegen oftmals angepöbelt.“ Vorwürfe über lange Anfahrtszeiten hören die Rettungskräfte oft. „Meistens sind das besorgte Angehörige, denen drei Minuten wie eine Ewigkeit vorkommen. Da ist keine Aggression, sondern Angst im Spiel.“ Ganz anders ist die Situation, wenn Alkohol oder andere Drogen eine Rolle spielen. Da wird die Hemmschwelle zur Aggressivität drastisch herabgesetzt.

Besonders Wochenenden und nächtliche Einsätze werden zunehmend kritischer. „Da nimmt die Gewalt tatsächlich zu“, sagt Hendrik Dördelmann, Leiter des Rettungsdienstes vom Arbeiter-Samariter-Bund (ASB). Nach seiner Erfahrung stehen verbale Beleidigungen schon lange auf der Tagesordnung. „Aber gewalttätige Übergriffe können wir in jüngster Zeit immer mehr verzeichnen“, so Dördelmann. Beinahe auf jeder zweiten Schicht an einem Wochenende gibt es irgendwelche Vorfälle. „Leider oftmals mit betrunkenen, jungen Leuten“, sagt Dördelmann. Dann werde gerempelt und geschubst – obszöne Drohungen kämen außerdem hinzu. Dördelmann selbst hat vor gar nicht langer Zeit solch ein Erlebnis in einem Wittener Krankenhaus gehabt. „Wir wollten einen Betrunkenen in der Ambulanz auf die Liege legen, als er mir ins Gesicht schlagen wollte. Glücklicherweise habe ich schnell genug reagiert.“

Verbale Beleidigungen nehmen die Rettungskräfte in der Regel gelassen hin. „Wir haben ein dickes Fell“, sagt Mario Rosenkranz. „In der Regel fährt auch ein erfahrener Kollege mit einem jüngeren auf dem Wagen – quasi als Korrektiv.“ Punktuelle Gewalt und Vulgärsprache erleben auch die Sanitäter des Deutschen Roten Kreuzes (DRK) bei ihren Einsätzen. Carsten Brandt, Leiter des Rettungsdienstes: „Wir schicken oftmals schon Dreier-Teams zum Einsatz. Ich setze auch nie zwei weibliche Kräfte auf einen Wagen. Das ist reine Prävention. Manchmal wird so schon eine Eskalation verhindert.“ Alle Rettungskräfte in Witten sind allerdings wachsam, damit solche Übergriffe die Ausnahme bleiben.