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Wittener macht Spielplätze zum Erlebnis

"Ein abnormaler Beruf"

Der Wittener Moritz Vockel ist in einem – so die eigene Aussage – "abnormalen Beruf" tätig: Der 35-Jährige ist offizieller Spielplatzanbieter, beliefert Schulen, Vereine, Kindergärten sowie weitere öffentliche und private Einrichtungen mit Schiffen, Tieren und Türmen aus sibirischer Lärche. Und das sehr erfolgreich.

INNENSTADT

von Von Florian Groeger

, 01.06.2012
Wittener macht Spielplätze zum Erlebnis

An einem Holzschiff mit rund zehn Metern Länge werkelt Moritz Vockel rund eine Woche.

„Wenn mich jemand fragt, was ich beruflich mache, dann bekommen die meisten große Augen“, erzählt der Wittener. Daran schließt sich meist eine ganz bestimmte Frage an: „Kann man damit Geld verdienen?“ Nach über fünf Jahren in dieser Berufsnische sagt Vockel mit breiter Brust. „Ja, kann man.“

Unter normalen Umständen wäre Vockel heute Bestatter – in bester Familientradition. „Ich habe mich dagegen entschieden, weil ich kaum Perspektive gesehen habe“, stellt er rückblickend fest. Denn zunächst galt seine Leidenschaft der Höhenluft. Auf dem Flugplatz in Stadtlohn erwarb er die Pilotenlizenz: „Ich habe ungezählte Stunden an den Maschinen ´rumgeschraubt.“ Doch es fehlte am nötigen Kleingeld. „Da ist mir ein ziemlich herunter gekommener Spielplatz in der Nähe aufgefallen.“ Der Wink mit dem Zaunpfahl. Vockel fand Gefallen und beschäftigte sich ab 2007 näher mit der Materie. „Der Spaß war sofort da, aber ich musste zunächst abwägen, ob sich solch eine Tätigkeit rechnet.“ Denn der heute zweifache Familienvater ging finanziell auf dem Zahnfleisch. „Ich habe alles auf eine Karte gesetzt.“

Die Bank gewährte ihm einen letzten Kredit – und die ungewöhnliche Maschinerie kam ins Rollen. „Das erste Jahr war hart. Insbesondere in den Wintermonaten. Sobald es friert, können wir die Elemente nicht mehr einbetonieren.“ Doch die Nachfrage stieg stetig an, was Vockel seiner individuellen Arbeitsweise zu verdanken hat. „Fast alle Anbieter arbeiten nach einem bestimmten Baukastenprinzip – ich nicht.“ Moritz Vockels Terminkalender ist voll, rappelvoll. „Bis September bin ich komplett ausgebucht“, sagt er. Die Auftragsbücher sind so gut gefüllt, dass der Wittener sich im kommenden Jahr mit einem Standortwechsel beschäftigen muss. „Zudem überlege ich, einen Mitarbeiter fest einzustellen.“

Sein Ruf schafft es mittlerweile über die Grenze: „Aktuell läuft ein Projekt in Fröndenberg, danach in Österreich.“ In welche Richtung es zukünftig geht? „Das weiß ich nicht“, sagt Vockel, „aber das Individuelle darf nie auf der Strecke bleiben.“