Cookies erleichtern die Bereitstellung unserer Dienste. Mit der Nutzung unserer Dienste erklären Sie sich damit einverstanden, dass wir Cookies verwenden.
Anzeige
Anzeige

KV-Chef Gassen im Interview

Wunschtermine beim Wunscharzt gibt es nicht

DÜSSELDORF Kassenpatienten sollen für eine dringende Behandlung künftig innerhalb von vier Wochen einen Termin bei einem Facharzt bekommen. Dazu hat die Bundesregierung die Kassenärztlichen Vereinigungen (KVen) per Gesetz verpflichtet. Anders als Privatpatienten müssen Kassenpatienten oft lange auf einen Facharzttermin warten.

Wunschtermine beim Wunscharzt gibt es nicht

Über eine Terminservicestelle können zukünftig Arzttermine vermittelt werden.

Bei den Kassenärzten im Rheinland und in Westfalen starten die neuen Termin-Servicestellen am 25. Januar. „Wir glauben, dass es zu Beginn viele Anfragen gibt und dass es dann abebben wird“, sagte Peter Potthoff, Vorsitzender der KV Nordrhein, am Donnerstag in Düsseldorf. Bislang hätten Ärzte im Rheinland 1800 offene Termine gemeldet. 

Im Interview mit Rasmus Buchsteiner erklärt Andreas Gassen, Vorsitzender der Kassenärztlichen Bundesvereinigung, was er von der Neuregelung hält.

Herr Gassen, ab dem 25. Januar soll jeder Krankenversicherte in Deutschland innerhalb von höchsten vier Wochen einen Facharzttermin erhalten. Sind die Mediziner auf einen Patienten-Ansturm vorbereitet?

Ob es wirklich ein Ansturm wird, muss sich erst noch zeigen. Die Kassenärztlichen Vereinigungen (KVen) haben auf jeden Fall ihre Hausaufgaben gemacht und Terminservicestellen eingerichtet, die spätestens am 25. Januar ihre Arbeit aufnehmen werden. Die niedergelassenen Ärzte haben den KVen dazu freie Termine gemeldet.

Gibt es bei den Servicestellen den Wunschtermin beim Wunscharzt in der Nähe?

Nein, über die Terminservicestelle werden keinesfalls Wunschtermine beim Wunscharzt vermittelt. Aufgabe der Terminservicestelle ist es, einen Termin bei einem Arzt der jeweiligen Fachrichtung zu vermitteln, der in den nächsten vier Wochen einen freien Termin hat. Dazu müssen bestimmte Bedingungen erfüllt sein wie das Vorliegen einer Überweisung. Häufig werden es für den Patienten unbekannte Ärzte sein, die vermittelt werden. Wer einen Termin beim Arzt seines Vertrauens möchte, sollte sich auch weiterhin am besten direkt an die Praxis wenden. 

Was müssen Patienten noch beachten, wenn sie sich an die neuen Servicestellen wenden?

Der Terminservice richtet sich an gesetzlich krankenversicherte Patienten, die eine mit der entsprechenden Dringlichkeit gekennzeichnete Überweisung bekommen haben. Für die Vermittlung eines Augenarzt- oder Frauenarzttermins ist keine Überweisung notwendig. Die Terminservicestelle vermittelt innerhalb einer Woche einen Termin bei einem Arzt der entsprechenden Fachrichtung, der mit maximal vier Wochen Wartezeit verbunden ist. Davon ausgenommen sind Bagatellerkrankungen und Routineuntersuchungen, zum Beispiel Früherkennungsuntersuchungen. 

Wie häufig wird es vorkommen, dass Patienten in Kliniken statt zum Facharzt verwiesen werden, weil es in den Praxen keine Termine gibt?

Das wird sich zeigen, wenn die Terminservicestellen ihre Arbeit aufgenommen haben. Wir gehen aber davon aus, dass die Terminvermittlung bei einem niedergelassenen Kollegen klappen wird. In Sachsen besteht der Terminservice der KV schon seit November 2014. Dort hat es bislang noch keinen einzigen Fall gegeben, im dem ein Patient ins Krankenhaus vermittelt werden musste.

Die Krankenkassen kritisieren, einige Kassenärztliche Vereinigungen würden die Servicestellen für Versicherte so unattraktiv wie möglich gestalten. Ist da etwas dran?

Die Kassenärztlichen Vereinigungen erfüllen ihren gesetzlichen Auftrag und setzen die Terminservicestellen passend zu ihren regionalen Gegebenheiten um. Dass wir die Einrichtung der Terminservicestellen kritisch sehen, ist kein Geheimnis. Wir können die Notwendigkeit dieser Einrichtung nicht wirklich erkennen. Im internationalen Vergleich zeigt sich immer wieder, dass wir in Deutschland mit die geringsten Wartezeiten auf einen Arzttermin haben.

Untersuchungen zeigen, dass Privatversicherte in Deutschland immer noch schneller Termine bekommen als gesetzlich Versicherte. Bringen die Servicestellen jetzt das Ende der Zwei-Klassen-Medizin?

In Deutschland werden alle Versicherten – egal ob gesetzlich oder privat krankenversichert – sehr gut medizinisch

versorgt, der Vorwurf einer Zwei-Klassen-Medizin ist in meinen Augen nicht gerechtfertigt. Nicht ohne Grund haben 92 Prozent der Teilnehmer unserer jüngste Versichertenbefragung angegeben, dass sie ein gutes oder sehr gutes Vertrauensverhältnis zu ihrem Arzt haben. Mehr als 60 Prozent der Befragten erhalten sofort oder innerhalb von maximal drei Tagen ein Termin bei ihrem Wunscharzt. Nur wenige halten die Wartezeit für zu lang.

Anzeige
Anzeige
Das könnte Sie auch interessieren

Politik

Helfer prangern Lage in libyschen Flüchtlingslagern an

Rom/Brüssel (dpa) Der Vorwurf von Ärzte ohne Grenzen wiegt schwer: Wissentlich nehme Europa unmenschliche Zustände in libyschen Lagern in Kauf, um Migranten fernzuhalten. Die jüngst erst als erfolgreich gepriesene Flüchtlingspolitik bringe den Betroffenen fürchterliches Leid.mehr...

Politik

Private Retter setzen Einsätze im Mittelmeer aus

Rom (dpa) Die Stimmung gegen die privaten Seenotretter im Mittelmeer hat sich in den vergangenen Monaten zunehmend verschlechtert. Nun sehen sich einige Hilfsorganisationen gezwungen, ihre Rettungseinsätze auszusetzen. Nicht nur aus Sicherheitsgründen.mehr...

Friedensnobelpreisträger gestorben

Trauer um Bürgerrechtler Liu Xiaobo

PEKING Der 61 Jahre alte Bürgerrechtler litt an Leberkrebs im Endstadium. Nur deshalb wurde er in China vom Gefängnis in ein Krankenhaus verlegt. Der Forderung, Liu Xiaobo zur Behandlung ins Ausland reisen zu lassen, kam Peking jedoch bis zum Schluss nicht nach.mehr...

Politik

Chinesischer Friedensnobelpreisträger Liu Xiaobo ist tot

Peking (dpa) Der 61 Jahre alte Bürgerrechtler litt an Leberkrebs im Endstadium. Nur deshalb wurde er in China vom Gefängnis in ein Krankenhaus verlegt. Der Forderung, Liu Xiaobo zur Behandlung ins Ausland reisen zu lassen, kam Peking jedoch bis zum Schluss nicht nach.mehr...

Chinesischer Aktivist

Nobelpreisträger Liu Xiaobo liegt im Sterben

Peking Der chinesische Friedensnobelpreisträger Liu Xiaobo befindet sich nach Angaben seiner Ärzte in einem lebensbedrohlichen Zustand. „Er stirbt“, hieß es in einer am Mittwoch veröffentlichten Mitteilung des Krankenhauses. Deutschland bietet derweil erneut an, Liu aufzunehmen.mehr...

Politik

Fall Liu Xiabo: Deutscher Arzt während Untersuchung gefilmt

Peking (dpa) Der deutsche Arzt, der den schwerkranken Friedensnobelpreisträger Liu Xiaobo in einem chinesischen Krankenhaus besucht hat, ist nach Angaben der Deutschen Botschaft in Peking ohne Zustimmung gefilmt worden.mehr...