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«Yiddish Summer Festival» - Tanz der Kulturen

Weimar (dpa) Das Parkett knarrt unter den beschwingten Schritten der Tänzer, ihre Absätze klacken im Rhythmus der Musik, die Röcke der Frauen fliegen. Jiddische Melodien erfüllen den Raum.

«Yiddish Summer Festival» - Tanz der Kulturen

Musik und Kultur der Juden und Roma Südosteuropas sind Thema das Festivals in Weimar.

Die Männer und Frauen des Tanzworkshops halten sich an den Händen und wirbeln durch den Saal des Weimarer Volkshauses. Beim achten «Yiddish Summer Festival» dreht sich noch bis Mitte August unter dem Motto «The other Europeans» («Die anderen Europäer») alles um Musik und Kultur der Juden und Roma Südosteuropas. In Seminaren lernen die Teilnehmer aus aller Welt Gemeinsamkeiten und Unterschiede der beiden Minderheiten-Kulturen kennen. Ein Schwerpunkt liegt dabei auf der jahrhundertealten Tanztradition.

«Die Tänze tragen die kulturelle DNA des Judentums in sich», sagt Michael Alpert. Der amerikanische Jude mit osteuropäischen Wurzeln ist einer der Tanz- und Gesangslehrer beim Festival in der Klassikerstadt. Seine Schüler sind Amerikaner, Niederländer, Deutsche, Japaner, Russen, Letten, Franzosen und Italiener. Auf der Suche nach dem gemeinsamen kulturellen Hintergrund von Juden und Roma ist er mit anderen Forschern jahrelang durch Osteuropa gereist. «Roma und Juden haben lange mitten unter uns gelebt und wurden irgendwann zu den "anderen Europäern" gemacht», sagt Festivalleiterin Stephanie Erben.

Die Diskriminierung von Juden und Roma hat eine lange Tradition in Europa. Im 20. Jahrhundert gipfelte sie schließlich in der Verfolgung durch das NS-Regime. «Diese traumatische Ausgrenzung durch die Nationalsozialisten ist eine wichtige Gemeinsamkeit der beiden Kulturen», sagt Erben. Das «Yiddish Summer Festival» wolle auch Fragen nach kultureller Identität nachgehen. «Wie definiert man sich selbst in Reflexion zum anderen? Beim Zusammenwachsen Europas wird es immer wichtiger, sich darüber Gedanken zu machen», sagt Erben. Deshalb hat sich Weimar mit ähnlichen Festivals aus Wien und Krakau verbündet. Die Europäische Union fördert das grenzüberschreitende Projekt 2008 und 2009 mit 200 000 Euro.

Die Forscher filmten bei zahlreichen Volksfesten traditionelle Tänze, deren Elemente sie untersucht haben. Demnach haben die Roma viele Motive jiddischer Tanzkultur und Musik weitergeführt. Über den Zweiten Weltkrieg hinaus sind außerdem mehr Stücke mündlich überliefert worden, als die Kulturwissenschaftler bis dato angenommen hatten. Diese Volksweisen bilden die Grundlage von Klezmer und Lautari, den modernen Musikrichtungen von Juden und Roma. «Es ist wie mit den Zweigen eines Baumes, die man zum Stamm zurückverfolgen möchte», sagt Programmdirektor Alan Bern. Das sei schwierig, weil es von der gemeinsamen Musik von Juden und Roma so gut wie keine Aufnahmen gebe.

Die Spurensuche hat die Forscher bis nach Moldawien, Rumänien, Bulgarien und Polen geführt. Dabei sei die Erkundung der jiddischen Musik leichter gefallen. «Die Roma haben keine so ausgeprägte Schriftkultur wie die Juden», sagt Stephanie Erben. Das sei auch mit ein Grund dafür, dass es keine wissenschaftlichen Auseinandersetzungen zwischen Juden und Roma gebe. «Während Gelehrtheit im Judentum eine Tugend ist, muss Schulbildung bei den Roma erst noch an Stellenwert gewinnen.»

Mit den jiddischen Melodien der Vorkriegsjahre arbeiten die Musiker und Tänzer beim «Yiddish Summer Festival» weiter. «Wir wollen in den Workshops diese Wurzeln erforschen und die Musik dann voranbringen», sagt Alan Bern. Nach Film-, Instrumental- und Tanzworkshops hat das Festival bis zum 15. August noch Liederseminare, Sprachübungen und einen Klezmer-Kurs im Programm. «Es melden sich täglich neue Teilnehmer an», sagt Stephanie Erben. 2009 soll es eine Fortsetzung von «The other Europeans» geben.

www.yiddish-summer-weimar.de

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