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You Are Wanted

Berlin. Matthias Schweighöfer ist wieder sechs Folgen lang der geplagte Hotelmanager Lukas Franke, der all seine Identität an digitale Großräuber verloren hat. Amazon Prime hat die zweite Staffel der Serie „You are Wanted“ aufgelegt und hofft wieder auf Resonanz.

You Are Wanted

Matthias Schweighöfer (Hotelmanager Lukas Franke) in einer Szene der Amazon-Serie „You Are Wanted“. Foto: Stephan Rabold/Amazon

Er ist der Showrunner, und die Rolle liebt er. Matthias Schweighöfer besetzt in und hinter der Serie „You are Wanted“ die Schlüsselpositionen. Die machen ihn unverzichtbar.

Der 37-Jährige ist Mitgeschäftsführer der Herstellungsfirma Pantaleon. Er ist auch in der Rolle des Hotelmanagers Lukas Franke Hauptdarsteller und gemeinsam mit Bernhard Jasper für die Regie verantwortlich - mehr geht nicht.

Im deutschen Privat-TV oder im öffentlich-rechtlichen Fernsehen, wo sorgfältiger auf Gewaltenteilung geachtet wird, wäre diese fulminante Super-Dominanz eines Einzelnen wohl kaum möglich gewesen, bei Amazon Prime Video schon. Der aus den USA stammende Streamingdienstleister hat auf Matthias Schweighöfer gesetzt, um Serienfans unter seiner Kundschaft auch vom Prädikat „Made in Germany“ zu überzeugen. Und dafür war wohl Schweighöfer genau der Richtige.

Der Tausendsassa, 1981 hoch oben im Norden der DDR im Städtchen Anklam geboren, schaffte es immerhin, mit dem ersten Durchgang der Thrillerserie „You are Wanted“ deutliche Zeichen zu setzen. Die Serie verbuchte im deutschsprachigen Verbreitungsraum die höchsten Klickraten aller Amazon-Serien überhaupt. Genaue Zahlen werden wie üblich nicht rausgelassen. Auch Schweighöfer kennt sie nach eigenen Angaben nicht. Grund genug, für den Abruf-Anbieter Staffel zwei nachzuschieben. Und die ist von diesem Freitag an zu sehen.

Schweighöfer reduziert auch zu Beginn der zweiten Staffel alle anderen Figuren zu zweit- bis drittrangigen Gestalten: Sei es, die wohlmeinende und nachsichtige Ehefrau Hanna (Alexandra Maria Lara), die er nur zögernd in seine Geheimnisse einweiht, sei es sein Bruder Thomas (Jörg Pintsch), der wie kaum ein zweiter auf der Welt für seinen Bruder einsteht, sei es die Fahnderin Sandra Jensen (Catrin Striebeck), die trotz ihrer Kaltschnäuzigkeit und Bärbeißigkeit am Ende dem Tempo der Hauptfigur Tribut zollen muss.

Doch hier hebt der Protagonist erst einmal abwehrend die Hände: „In der neuen Staffel habe ich die Handlung stark auf die Frauen ausgerichtet“, widerspricht Schweighöfer. „Da muss ich mich anschnallen, dass ich nicht zu kurz komme. Der zweite Durchgang ist gespickt mit neuen Charakteren und Farben und allem Drumherum.“ Vor allem die Rolle der Filmfrau gewinne an Komplexität: „Was Alexandra abzieht in Staffel zwei, finde ich die krasseste Arbeit überhaupt, die ich bisher von ihr gesehen habe.“

Wer Staffel eins bis zum Schluss gesehen hat, weiß: Der arme Lukas, dessen Identität völlig von Hackern okkupiert wurde, war nach sechs mal 50 Minuten kurz davor, der Welt auf WikiLeaks das Passwort mitzuteilen, das den Zugang zum natürlich streng geheimen Programm „Burning Man“ ermöglicht, das jeden Menschen in den Griff bekommt. Klare Sache: Ob er es schafft, war nicht mehr zu sehen. Also typischer Fall von Cliffhanger. Hätte es keine Serienverlängerung von Amazon Prime gegeben, wäre der Fortgang wohl ungeklärt geblieben.

Aber so beginnt die spannungsgeladene Hetze von vorn: Lukas, erneut in der Hand seiner Häscher, hängt an einem Seil in einem Kastenwagen, er löst aber die Fesseln, fällt nach hinten raus, flüchtet durch den Wald, seine Verfolger schießen auf ihn. Er entkommt verletzt und landet in der Psychiatrie, wo ihn die verzweifelte Ehefrau umhegt. Gemeinsam beschließen sie ihre Flucht nach Südfrankreich. Der Bruder gibt ihnen ein Auto - das sich jedoch als manipuliert herausstellt. Beim Unfall wird der kleine Sohn verletzt.

Im Krankenhaus nimmt der BND die Verfolgung von Lukas auf. Statt Südfrankreich und vielleicht mal wohlverdienter Ruhe mit Frau und Familie heißt es wieder einmal für Lukas: Kapuze hoch und allein flüchten. Getreu der Devise, die Schweighöfer vor Streamingstart seiner Serie ausgab: „Noch schneller, noch spannender und noch atemberaubender“ als die erste. Wer denkt, dass „You are Wanted“ nach ausreichend langer Auswertungszeit in dem Streamingportal dann doch eines Tages im Free-TV landet, sollte sich nicht zu früh freuen. Laut Amazon ist derzeit keine Ausstrahlung im linearen Fernsehen geplant.

Und was sagt Schweighöfer zu einer möglichen Fortsetzung mit einer dritten Staffel? „Wir müssen gefasst drauf sein. Vielleicht kommt sie - vielleicht nicht. Ich versuche gespannt und gelassen zu bleiben.“

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