Cookies erleichtern die Bereitstellung unserer Dienste. Mit der Nutzung unserer Dienste erklären Sie sich damit einverstanden, dass wir Cookies verwenden.
Anzeige
Anzeige

Neue Aussage im NSU-Prozess

Zschäpe benennt Helfer aus der Neonazi-Szene

MÜNCHEN Beate Zschäpes Anwälte haben eine neue Erklärung der Angeklagten verlesen. Neben den Namen weiterer Unterstützer berichtet Zschäpe auch von ihrer Beziehung zu ihren beiden Komplizen Mundlos und Böhnhardt. Sie sei von den beiden Männern abhängig gewesen.

Zschäpe benennt Helfer aus der Neonazi-Szene

Beate Zschäpe hat die Namen von weiteren Unterstützern aus der Neonazi-Szene benannt.

Die mutmaßliche Rechtsterroristin Beate Zschäpe hat in ihrer von einem ihrer Anwälte verlesenen neuen Erklärung mehrere Neonazis als Helfer genannt. So habe der Anführer der Chemnitzer "Blood & Honour"-Gruppe, Jan W., eine Waffe beschafft, hieß es am Donnerstag im NSU-Prozess in der Erklärung. Das habe ihr Uwe Böhnhardt erzählt. Dabei sei auch von einem Schalldämpfer die Rede gewesen. Darüber hinaus nannte sie die Namen weiterer Helfer, die das Trio bei sich versteckten, Wohnungen mieteten oder Papiere oder Krankenkassenkarten zur Verfügung stellten. Davon waren die meisten bereits bekannt und teilweise im Prozess als Zeugen gehört worden.

Regelmäßige Treffen auf dem Spielplatz

Ein besonders enges Verhältnis habe sie zu dem als Terrorhelfer angeklagten André E. und dessen Frau gehabt. Mit der Frau sei sie „befreundet“ gewesen und habe diese ab 2006 bis zum Auffliegen des Nationalsozialistischen Untergrunds (NSU) regelmäßig getroffen. Meist seien sie mit den Kindern der Familie E. auf einen Spielplatz gegangen. 

Ihr Verhältnis zu ihren Komplizen Böhnhardt und Mundlos beschreibt Zschäpe als eng. Allerdings lässt sie durch ihren Anwalt erklären: "Sie ließen sich von mir nicht beeinflussen. Sie ließen sich von mir auch nichts sagen." Bei den dem NSU angelasteten Taten hätten Böhnhardt und Mundlos sie weder für die Planung noch für die Ausführung gebraucht. 

Waffen erst nach dem Tod gesehen

Zschäpe sagte, sie habe erst nach dem Tod von Mundlos und Böhnhardt mitbekommen, dass die beiden Männer ihr während des gemeinsamen Lebens im Untergrund "eine Vielzahl an Waffen" nicht gezeigt hätten. Jeder von ihnen habe in ihrem Unterschlupf ein abschließbares Zimmer gehabt, dort hätten die beiden die Waffen vor ihr verstecken können. Zschäpe beschrieb ihr Verhältnis zu Mundlos wie das von "Bruder und Schwester". "Mein Verhältnis zu Uwe Böhnhardt beschreibe ich so, dass ich ihn geliebt habe." Insgesamt sei sie abhängig von den beiden gewesen. 

Zuvor hatte sich Zschäpes Einlassung am Donnerstag verzögert, weil der mutmaßliche Terrorhelfer Ralf Wohlleben Befangenheitsanträge gegen zwei Richter gestellt hatte. Zuvor hatte die Verteidigung einen Streit mit dem vorsitzenden Richter Manfred Götzl.

 

Von dpa.

Anzeige
Anzeige
Das könnte Sie auch interessieren

NSU-Prozess

Anklage will Höchststrafe für Beate Zschäpe

MÜNCHEN Der NSU-Prozess läuft schon seit mehr als vier Jahren, allein das Anklage-Plädoyer dauerte mehrere Tage. Jetzt ist klar: Die Bundesanwaltschaft will für Beate Zschäpe, das einzige noch lebende ehemalige NSU-Mitglied, die Höchststrafe. Sie sei ein "eiskalt kalkulierender Mensch", hieß es.mehr...

Vermischtes

Waffenhändler des Münchner Amokläufers war rechtsextrem

München (dpa) Ein gutes Jahr nach dem Münchner Amoklauf beginnt der Prozess gegen den Mann, der die Tatwaffe geliefert haben soll. Tarnname: Rico. Mit dem Amokschützen teilte er offensichtlich eine rechtsextreme Gesinnung.mehr...

Branau am Inn

Hitlers Geburtshaus: Enteignung ist rechtens

WIEN Der österreichische Verfassungsgerichtshof (VfGH) hat entschieden: Das Geburtshaus von Adolf Hitler kann völlig umgestaltet werden, die Enteignung der vorherigen Eigentümerin ist rechtens. Ein Architektenwettbewerb soll nun klären, was mit der Stätte in Branau am Inn passieren wird.mehr...

Rechtsradikale Parolen und Flaggen

Neonazis randalierten mehrfach auf Mallorca

PALMA Erst haben Neonazis ein Konzert der Werner Sängerin Mia Julia mit rechtsradikalen Flaggen und Parolen gestört, nun hat eine Gruppe Radikaler laut der "Mallora Zeitung" in einem Hotel randaliert. Während die Polizei von einem Einzelfall spricht, beklagen andere Ortsansässige Normalität.mehr...

NSU-Prozess

Zschäpe-Gutachter immer stärker unter Beschuss

MÜNCHEN Der Psychiater Joachim Bauer, der im NSU-Prozess am Oberlandesgericht München als Sachverständiger auftritt, ist stark in die Kritik geraten. Mehrere Nebenkläger haben gegen Bauer einen Befangenheitsantrag gestellt. Der Gutachter soll nicht mehr in der Lage sein, eine neutrale Position im Prozess einzunehmen. Das zeigen sollen auch E-Mails, die Bauer an einige Medien geschickt hatte.mehr...

Michèle Kiesewetter

Mord an Polizistin: Mysteriöser NSU-Schriftzug

STUTTGART Die Bundesanwaltschaft geht zehn Jahre nach dem Mord an der Polizistin Michèle Kiesewetter einer möglichen neuen Spur nach. Grund ist ein NSU-Schriftzug am Tatort in Heilbronn. Er ist auf TV-Aufnahmen zu sehen, die zwei Tage nach den tödlichen Schüssen der rechtsextremen Terrorzelle NSU entstanden sind, wie die "Bild-Zeitung" berichtet.mehr...