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Zu Besuch in der Cheer Academy Bochum

Nachwuchscheerleader im Training

Die Kostüme sitzen, die Schleifchen sind in die Haare gesteckt, es kann losgehen. Die erste Pyramide wird gebaut. "Schiebt hoch", feuert die Trainerin ihre Nachwuchscheerleader an. Beim Trainingsbesuch an der Cheer Academy Bochum wird klar: Cheerleading ist Sport - und längst mehr als schmückendes Beiwerk am Spielfeldrand.

BOCHUM

, 13.11.2014

Es könnte vielleicht ein klein wenig gemütlicher sein hier in Bochum Günnigfeld, in der Turnhalle der Grundschule an der Marktstraße. Aber die jungen Mädchen, die hier Cheerleading trainieren, sie haben kaum einen Blick für die Umgebung. Es ist eine ganz eigene Mischung aus Tanz, Akrobatik und Turnen.

Zum Warmwerden gibt es ein paar Flickflacks zu bestaunen, werden Räder geschlagen, gehen die Mädchen mal so eben locker in den Spagat. Und auch später, wenn sie ihre Pyramiden bauen, wenn sie ihre Choreografien einstudieren, zeichnen sie weiter dieses anmutige Bild, verlieren ihr Lächeln, ihr Strahlen nicht von den Gesichtern. Konzentriert und doch entspannt machen sie sich an die Arbeit, mit allem Ernst, den das Alter zwischen fünf und elf Jahren erlaubt. Am 24. Oktober hatten sie einen ganz großen Auftritt, in der Sendung "Fünf gegen Jauch" hieß die 2000-Euro-Frage "Was sind sogenannte Peewes"? Die richtige Antwort lautete "Nachwuchs-Cheerleader", die Bochumer Mädchen durften live eine Minute lang in der Sendung auftreten und ihre Künste zeigen.

Lara Sofie Berthold ist seit zwei Jahren dabei. Egal, ob Training, Turniere, Meisterschaften, "alles macht riesigen Spaß, wir sind immer mit ganz viel Lust dabei", sagt die Neunjährige. Auch wenn es manchmal richtig in die Höhe geht, "Angst habe ich eigentlich nie", allenfalls ein klein wenig mulmig werde es ihr dann. Vor ein paar Monaten sind die Bochumerinnen zur NRW-Meisterschaft gefahren, sie haben gewonnen.

FOTOSTRECKE
Bildergalerie

Zu Besuch in der Cheer Academy Bochum

Bilder des Besuchs in der Cheer Academy Bochum.
13.11.2014
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Pyramiden und Choreografien der Bochumer Cheerleader.© Foto: Privat
Pyramiden und Choreografien der Bochumer Cheerleader.© Foto: Privat
Pyramiden und Choreografien der Bochumer Cheerleader.© Foto: Privat
Pyramiden und Choreografien der Bochumer Cheerleader.© Foto: Privat
Pyramiden und Choreografien der Bochumer Cheerleader.© Foto: Privat
Pyramiden und Choreografien der Bochumer Cheerleader.© Foto: Privat
Pyramiden und Choreografien der Bochumer Cheerleader.© Foto: Privat
A40 Cup 2014© Frank Voigt
A40 Cup 2014© Frank Voigt
A40 Cup 2014© Frank Voigt
A40 Cup 2014© Frank Voigt
A40 Cup 2014© Frank Voigt
Pyramiden und Choreografien der Bochumer Cheerleader.© Foto: Privat
Pyramiden und Choreografien der Bochumer Cheerleader.© Foto: Privat
Pyramiden und Choreografien der Bochumer Cheerleader.© Foto: Privat
Pyramiden und Choreografien der Bochumer Cheerleader.© Foto: Privat
Pyramiden und Choreografien der Bochumer Cheerleader.© Foto: Privat
Pyramiden und Choreografien der Bochumer Cheerleader.© Foto: Privat
Pyramiden und Choreografien der Bochumer Cheerleader.© Foto: Privat
Pyramiden und Choreografien der Bochumer Cheerleader.© Foto: Privat
Pyramiden und Choreografien der Bochumer Cheerleader.© Foto: Privat
Pyramiden und Choreografien der Bochumer Cheerleader.© Foto: Privat
Pyramiden und Choreografien der Bochumer Cheerleader.© Foto: Privat
Pyramiden und Choreografien der Bochumer Cheerleader.© Foto: Privat
Pyramiden und Choreografien der Bochumer Cheerleader.© Foto: Privat
Pyramiden und Choreografien der Bochumer Cheerleader.© Foto: Privat
Pyramiden und Choreografien der Bochumer Cheerleader.© Foto: Privat

"Natürlich haben wir vor dem Auftritt gezittert", sagt Lara Sofie, schließlich waren rund 1000 Zuschauer in der Halle. Während des Auftritts dann seien sie ganz cool gewesen, und als sie über Mikrofon als Sieger ausgerufen wurden, "da haben wir alle geweint vor Freude". Die Medaille hängt jetzt an der Wand, "meiner Cheerleader-Wand", sagt sie lächelnd, "da ist noch genug Platz für weitere Medaillen".

Einmal Cheerleader, immer Cheerleader. Aber die Zeiten haben sich geändert, grundlegend. Nur im Ausnahmefall stehen sie noch mit farbenprächtigen Puscheln an der Seitenlinie, schreien aus voller Kehle irgendwelche Buchstaben oder Wortbrocken, um ihr Team anzufeuern. Sie sind kein schmückendes Beiwerk mehr, sie sind selbst die Hauptdarsteller. Irgendwelche Showauftritte sind zur Aufbesserung der Vereinskasse mal willkommen, die Kostüme sind teuer, der Rest ist Sport in seinen vielen Facetten. "Es ist wie eine Sucht", sagt Lisa Wischer, die 2. Vorsitzende der Cheer Academey Bochum. Sie selbst hat schon zweimal ihre Karriere beendet, sie ist zweimal rückfällig geworden. Ob klein oder groß, das Hobby ist allgegenwärtig, kaum eine, die nicht mal so ganz nebenbei einen Spagat im Türrahmen probt. Aber es ist ja nicht die Bewegung allein.

"Ohne Lächeln geht gar nicht", sagt Lisa Wischer, im Cheerleader-Jargon wird das "Gesichtskirmes" genannt, dazu gehört auch mal ein Kussmund, immer auch ein Zwinkern. Grimmig, auch angestrengt gucken gilt nicht, "die Ausstrahlung wird immer bewertet". Es ist eben auch ein ständiger Flirt mit den Kampfrichtern, natürlich auch mit Zuschauern.

Einseitig sollten Cheerleader nicht sein. Turnerisches Talent, Sinn für Choreografie, Gefühl für Rhythmus, "und ein wenig Kraft ist auch nicht schlecht", sagt Lisa Wischer. Mut kann auch nicht schaden, manchmal geht es schon reichlich hoch, "aber Vertrauen ist noch wichtiger". Die, die oben in der Pyramide sind, müssen darauf setzen, dass sie gut gefangen werden, die da unten freuen sich, wenn die da oben vernünftig runterkommen. Wer wo in der Pyramide steht, das geht nach Größe, nach Kraft.

Carina Maltig ist die Trainerin der Lilies, sie schaut den jungen Mädchen mit einem milden Lächeln zu, scheut aber auch keine klaren Anweisungen. Es mache Spaß, zu sehen, wie sich die Mädels verbessern, wie sie "bei Wettkämpfen aufblühen". Sie selbst sei dann immer "schrecklich nervös", sie versuche natürlich zu pushen, spüre aber ein wenig auch die Ohnmacht, nicht wirklich eingreifen zu können. "Und ich bin dann die Erste, die heult, wenn wir gewinnen." Die Mädchen, die zum Cheerleaden kommen, sind Mädchen, die nicht "in eine Schublade passen", sagt Carina Maltig. Es seien vielseitige, ehrgeizige Kinder, die die sportliche Vielfalt haben, die gern auch ein wenig kokett dabei sind. "Körpersprache wird mitbewertet."

Carina Maltig hat selbst mit fünf Jahren angefangen, hat zwei Jahre Pause eingelegt während ihrer Ausbildung zur Gesundheits- und Krankenpflegerin, ist wieder aktiv, im Damenteam, das gerade im Neuaufbau ist und noch cheer-begeisterte junge Frauen ab 16 Jahren sucht. "Ich kann noch nicht aufhören", sagt Carina Maltig, als müsse sie sich dafür entschuldigen. Pro Saison wird ein Programm einstudiert. Sarah Schleifen tritt mit den Violets auf, dem Jugend Team der Cheer Academy Bochum. Ein Leben ohne Cheerleading kann sie sich schwerlich vorstellen. Wenn sie auf einer großen Wiese sei, "dann turnt man schon ein paar Sachen", wenn sie auf der Matte steht und die Musik ertönt, dann fühle sie sich wohl, "es ist einfach schön, etwas mit dem Team zu proben und dann am Ende auch vorzuführen".

Lisa Wischer schaut sich das Treiben in der Turnhalle an. "Wir nennen sie manchmal Engel ohne Flügel" sagt sie. Die nächste Pyramide wird gebaut, und die Schleifchen sitzen immer noch perfekt.

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