Diese Website verwendet Cookies. Cookies gewährleisten den vollen Funktionsumfang unseres Angebots, ermöglichen die Personalisierung von Inhalten und können für die Ausspielung von Werbung oder zu Analysezwecken gesetzt werden. Lesen Sie auch unsere Datenschutz-Erklärung

"Zu viel Eva Herman gelesen"

WITTEN Der „Mondscheintarif“, nach dem gleichnamigen, ersten Bestseller von Ildikó von Kürthy in der pfiffigen Inszenierung von Katja Wolf war seinen Preis wert.

von Von Dietmar Bock

, 26.10.2007
"Zu viel Eva Herman gelesen"

Heike Kloss auf der Bühne.

 Die Kulturgemeinde hatte den Tarif und mit ihm eine ebenso exzellente wie gut besetzte Komödie gebucht. Jung, frisch, mit vielen gelungenen Wortspielen und überraschend, so präsentierten das Theater im Rathaus Essen mit dem Tourneetheater „Thespiskarren“ das Kürthy-Stück im Saalbau.  Karel Spanhak bereitet mit dem von ihm geschaffenen, dreigeteilten, sehr variablen Bühnenbild (Wohnungen, Restaurant, Arztpraxis, Auto, Treppenhaus usw.) die beste Ausgangsposition für eine Dreierbeziehung aller erster Güte. 

 Heike Kloss („Alles Atze“) verkörpert darin die naive, romantische Chaoskönigin Cora („Die größte weibliche Problemzone heißt Mann“), die auf der Suche nach ihrem Traummann von einer Peinlichkeit in die nächste schlittert, so gekonnt, dass man ihr das blonde „Dummchen“ gerne abnimmt. Dabei ist ihre Rolle sehr anspruchsvoll und verlangt der Schauspielerin eine Menge ab. Kloss entledigt sich dieser Aufgabe bravourös. Im Gegensatz dazu spielt Jana Kozewa („Unser Charlie“) die erfolgreiche, galante und gradlinige Geschäftsfrau Jo Dagelsi („Champagner ist ein Grundnahrungsmittel“), die mit allen Wassern gewaschen zu sein scheint, nur eben auch keinen Mann abbekommt, gleichfalls herausragend. Mit ihren schlauen Tipps („Du hast zuviel Eva Herman gelesen“) stürzt sie ihre beste Freundin in immer neue Abenteuer. 

 Cora legt beim romantischen Pizza-Essen dem angebeteten Dr. Daniel Hofmann die zuvor von Jo konzipierte Strategie schonungslos offen, präsentiert die von Jo getexteten Karteikärtchen mit möglichen Smaltalk-Themen und kommt dann, vor dem Abschied von Daniel alias Alexander Sternberg („Verliebt in Berlin“) - wie immer - nicht mehr zum Wesentlichen. Als Cora anschließend den von ihr so sehr Verehrten, den Sternberg mimisch perfekt (vor allem in der Slomotion-Kennenlern-Szene beim Filmball) mit Ute (ebenfalls Kozewa) sieht, rastet sie aus. Doch Ute gibt sich als Lesbe, die Schauspielerin ist und – dem Gerede wegen – Daniel als Partner bei öffentlichen Anlässen benötigt, zu erkennen.  Der lang anhaltende Applaus und das herzhafte, weibliche Lachen sind Belege dafür, dass die temporeiche, ausgezeichnete Vorstellung den Nerv traf und sich so manche in der neurotischen Cora wieder erkannte.