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Zu wenig Engagement: Müze streicht die Segel

INNENSTADT Kein Geld und keine Arbeitskräfte mehr - das Mütterzentrum Müze muss nach 13 Jahren die Segel streichen und schließen. Ob auch der Verein auflöst wird, entscheidet sich im Februar.

von Von Susanne Linka

, 20.12.2007

Dann findet die Mitgliederversammlung statt. "Früher hat es viel mehr helfende Hände gegeben", erinnert sich Heide Machert, eine der beiden noch verbliebenen Vorstandsfrauen. 100 Mitglieder und zehn Frauen im Vorstand zu den besten Zeiten. Jetzt zählt der Verein nur noch 40 Mitglieder. „Es gab zu wenig Mitgliedbeiträge und zu wenig Aktive, die sich um das Einwerben von Spenden bemühen konnten“, zieht Machert nüchtern Bilanz.

Ausverkauf der Teddybären

Traurig sitzen nun im Flur des Untergeschosses im Wideyzentrum an der Breite Straße kleine Stofftiere neben Babysitzen. Im Caféraum sind Bücher, Second-Hand-Kleider und nützliche Utensilien ausgestellt - alles zu verkaufen. „Wir müssen schließlich noch bis Februar hier die Betriebskosten zahlen“, erklärt Heide Machert. 560 Euro im Monat. Günstigere Alternativen sind nicht denkbar, muss sie klar erkennen: „Wir mussten hier ja nicht einmal richtig Miete zahlen.“

Bislang lief der Verkauf aber eher schleppend. In der zweiten Januar-Woche soll der Müze-Ausverkauf weitergehen: „Wir geben alles ab, Kinderwagen, Dreiräder, auch das Inventar“, unterstreicht Heide Machert und deutet auf die Holzmöbel. Der Erzieherin, die die Kinder-Spielgruppe mit ihren flexiblen Angeboten betreut hat, ist zum Jahresende entlassen worden. Viele Nutzerinnen der Müze-Angebote leben von Hartz IV und konnten finanziell kaum etwas beisteuern.

Keine Hilfskräfte mehr von der Job-Agentur

Als vor einiger Zeit dann ganz plötzlich klar wurde, dass die JobAgentur keine Hilfskräfte für die Kinderbetreuung und den hauswirtschaftlichen Bereich mehr zuweisen kann, war das Schicksal des Mütterzentrums besiegelt. Bis zu neun Kräfte waren zeitweise im Zentrum beschäftigt.

„Wir hatten noch so viele Ideen“, seufzt Heide Machert. Die VHS-Schüler aus dem Wideyzentrum wurden schon von Müze mit Brötchen und Kaffee versorgt. Ein kostenloser Mittagstisch für bedürftige Kinder, das wäre noch ein weiterer Plan für die Zukunft gewesen. „Doch was hilft das, wenn es einfach nicht mehr weiter geht?“, wertet die Müze-Frau die Lage sachlich. Das Emotionale komme wohl später: „Wahrscheinlich wird uns allen das Aus hier erst richtig bewusst, wenn die Räume leer sind und wir den Schlüssel abgeben müssen.“