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Grabeskirchen

Zur letzten Ruhe in sakralem Ambiente

Krefeld Einfach zu pflegende Grabstätten sind gefragt. Dazu gehören zunehmend Kolumbarien, wo Urnen in Nischen aufgestellt sind. Viele Friedhöfe haben inzwischen darauf reagiert, doch auch nicht mehr benötigte Kirchengebäude bekommen so eine neue Zukunft.

Zur letzten Ruhe in sakralem Ambiente

Pastor Klaus Stephan Gerndt in der Grabeskirche in Krefeld. Im Kirchenschiff und in der Rundbögen soll ein Kolumbarium eingebaut werden Foto: dpa

Die Nischen in der dicken Kirchenmauer erinnern an eine frühere Aufgabe von St. Elisabeth in Krefeld: Das Gotteshaus war eine Beichtkirche. Aber dann musste die Kirchengemeinde sich verkleinern. Was sollte mit dem mächtigen Bau geschehen? „Die Menschen konnten sich nicht vorstellen, dass hier ein Supermarkt entsteht“, erzählt Pfarrer Klaus Stephan Gerndt. Aber die Vision, das Gotteshaus in eine Grabeskirche mit Kolumbarium umzuwandeln, kam sofort an. Im nächsten Frühjahr ist es soweit.

Wandgräber für Urnen entstehen derzeit an verschiedenen Orten. Das Wort Kolumbarium bedeutete ursprünglich Taubenschlag; die Anordnung der Fächer erinnert daran. Manche befinden sich in früheren evangelischen oder katholischen Kirchen, andere auf Friedhöfen oder sogar bei Bestattern. Düsseldorf etwa hat beschlossen, Kolumbarien auf Friedhöfen einführen. Die Stadt Monheim hat ihre Anlage erweitert.

Pflegeaufwand soll gering bleiben

Gemeinschaftsgräber lägen im Trend, meint die Verbraucherinitiative Bestattungskultur Aeternitas. „Ein klassisches gepflegtes Grab zu haben, ist vielen Menschen nicht mehr so wichtig“, sagte ihr Sprecher Alexander Helbach. Urnenwände, Rasengräber oder Baumbestattungen bringen kaum Pflegeaufwand für Angehörige mit sich. Inzwischen wird in Deutschland die Mehrheit der Toten eingeäschert. Damit haben sich die Verhältnisse im Vergleich der vergangenen 20 Jahre umgekehrt.

Königswinter/Münster Es gibt auf Deutschlands Friedhöfen mitunter strenge Regelungen, welche Art des Grabmals zulässig ist. So können die Verwaltungen Grabplatten untersagen - und tun es auch vielerorts. Denn über feuchten Böden können sie die Verwesung stören.mehr...

Mehr als 40 Urnenkirchen gibt es bundesweit, weiß die Verbraucherinitiative aus Königswinter. Fast alle sind erst in den vergangenen Jahren entstanden. Die Mehrzahl waren laut Aeternitas zuvor katholische Kirchen, aber auch evangelische sind dabei.

Von einer stillen Grabeskirche ist St. Elisabeth derzeit noch entfernt: Das Kircheninnere ist eine staubige Baustelle ohne festen Boden. Am Sockel ist der Putz abgeschlagen. Wo früher die Beichtstühle standen, sollen Urnenfächer entstehen. Außerdem werden im Längsschiff vier langgezogene, anthrazitfarbene Regale aufgebaut.

Gebühren dienen dem Erhalt der Kirche

Auf den Fächern sollen nur der Name der Verstorbenen sowie das Geburts- und Todesdatum stehen. Insgesamt 1313 Grabstellen wird es zunächst geben, später sollen es mehr werden. Die ersten 450 verkauft die Gemeinde gerade zu einem günstigeren Preis - zwei Drittel sind weg. Auf diese Weise wird das Gebäude finanziert. Kirchensteuern werden dafür nicht ausgegeben.

Zur letzten Ruhe in sakralem Ambiente

Blumen hängen in Monheim an Kammern des Kolumbariums. Einfach zu pflegende Grabstätten sind gefragt. Dazu gehören zunehmend Kolumbarien, wo Urnen in Nischen aufgestellt sind. Foto: dpa

Inzwischen sind 80 Prozent des Gotteshauses entwidmet, können also Friedhof und Nebenräume werden. Die restlichen 20 Prozent bleiben ein Ort für Gottesdienste. Es gibt klare Vorstellungen von den Abläufen. Pfarrer Gerndt berichtet, dass immer der Beauftragte einer christlichen Kirche die Beisetzung leiten wird. Ob die Bestatteten zu Lebzeiten katholisch oder evangelisch waren oder aus der Kirche austraten, soll nicht entscheidend sein. Die Kirche sei für alle, die an Christus und die Auferstehung der Toten glauben, sagt Gerndt, der aber auch keine Gesinnungsprüfung vornehmen will.

Die Käufer einer Grabstelle in der Kirche haben ganz unterschiedliche Motive. „Wenn wir schon einen Friedhof vor der Tür bekommen, dann will ich dabei sein“, hat ein Nachbar gesagt. Manche haben konkrete Vorstellungen und spezielle Wünsche: Das Paar, das im gemeinsamen Leben getrennte Schlafzimmer hat, will auch getrennt bestattet sein.

Zur letzten Ruhe in sakralem Ambiente

De Grabeskirche in Krefeld - hier soll ein Kolumbarium eingebaut werden. Foto: dpa

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