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Zwischenbilanz der Ruhrfestspiele Recklinghausen

Recklinghausen (dpa) Recklinghausen leuchtet. In diesem Jahr, dem 66. der Ruhrfestspiele, weist das Programm besonders viele Höhepunkte auf. Hollywoodstar Cate Blanchett kam nach Gastspielen in London, Paris und Wien mit dem Stück «Groß und klein».

Zwischenbilanz der Ruhrfestspiele Recklinghausen

Frank Hoffmann verantwortet das Programm der Ruhrfestspiele. Foto: Roland Weihrauch

Die 43-Jährige spielte die Hauptrolle in Botho Strauß' Stationendrama: Lotte-Kotte aus Remscheid-Lennep. Dabei gelang der Schauspielerin («Elizabeth», «Der Herr der Ringe»), die mit ihrem Mann die Sydney Theatre Company leitet, eine ganz neue Sicht auf Strauß' Meisterwerk. Die Australier interpretierten «Groß und klein» als Volksstück, in dem kleine Leute unter zunehmend großer Entfremdung leiden.

Die Ruhrfestspiele werden vom Deutschen Gewerkschaftsbund mitgetragen, das Programm verantwortet Intendant Frank Hoffmann. Hoffmann sieht im Welt-Theater eine Brücke der Verständigung. Er gewichtet neues Theater stärker als die Pflege der Tradition. Er gibt dem Realismus Vorrang vor absurdem, erkenntniskritischem oder abstraktem Theater. Und vor allem: Die Ruhrfestspiele stehen in programmatischem Kontrast zu elitärem Theater.

Dabei verliert Hoffmann nie die Qualität aus dem Auge, auch wenn es um armes Theater geht. Der Regisseur Patrice Chéreau brauchte nur zwei Tische und drei Stühle als Bühnenbild. Er trat selbst auf und las/rezitierte Dostojewskis «Großinquisitor» - ein Abend großen Ernstes, kompromissloser Kritik an der katholischen Kirche und am Totalitarismus des 20. Jahrhunderts. «Der Großinquisitor» forderte das Publikum - wie auch die Vielzahl von Uraufführungen. Nicht nur jungen Stückeschreibern bieten die Ruhrfestspiele ein Podium, auch ältere Texte namhafter Dramatiker werden ausgegraben und zum ersten Mal gespielt, etwa von George Tabori und Max Frisch.

«Im Osten was neues: Von den fernen Tagen des russischen Theaters in die Zukunft» - so lautete das Motto. Aus Leipzig kam eine verstörende Dekonstruktion für die Bühne von Tolstois «Krieg und Frieden». Aber das Motto dominiert nicht alle Facetten des reichen Programms. Die Ruhrfestspiele bieten Ballett, Kabarett, eine Ausstellung und Lesungen. Intendant Hoffmann liebt Schauspieler, viele mit klingendem Namen haben zugesagt: Hannelore Elsner, Thomas Thieme, Burghart Klaußner, um nur einige zu nennen.

Die Ruhrfestspiele dauern bis zum 16. Juni. Einige Höhepunkte sind noch zu erwarten. Am meisten verspricht ein Gastspiel des britischen Tourneetheaters Théâtre de Complicité. Es zeigt Michail Bulgakows «Der Meister und Margarita», eine Inszenierung von Simon McBurney. McBurney wurde in diesem Jahr zum Artiste associé beim Festival d'Avignon berufen und zieht von Recklinghausen mit «Meister und Margarita» weiter in die alte Papststadt, um in der Provence Frankreichs größtes Sommerfestival Anfang Juli zu eröffnen.

Ruhrfestspiele Recklinghausen

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