Assoziations-Ballett zu Elfriede Jelineks Super-GAU

Prinzregenttheater

Elfriede Jelineks Theatertexte sind sperrig, gelten als schwer zu inszenieren. Aber wenn sie in fähige Hände geraten, dann geschieht etwas Wunderbares, Beglückendes. So jetzt im Bochumer Prinzregenttheater, wo sich Folkwang-Regieabsolvent Daniel Kunze an "Kein Licht" gewagt hat, Jelinks Bühnenversion eines Super-GAUs.

BOCHUM

, 08.01.2017, 18:00 Uhr / Lesedauer: 1 min
Großartige schauspielerische Leistungen zeigen Helge Salnikau und Corinna Pohlmann in „Kein Licht“.

Großartige schauspielerische Leistungen zeigen Helge Salnikau und Corinna Pohlmann in „Kein Licht“.

Zwei Menschen irren durch eine golden strahlende Landschaft. Der Bühnenraum im Prinzregenttheater ist verhüllt durch eine Rettungsdecke, aber zu retten ist hier wohl nichts mehr. Und sind das überhaupt Menschen, die uns hier vorgeführt werden?

Metaphern-Tanz

Auf jeden Fall haben Helge Salnikau und Corinna Pohlmann, die schon in der ersten Inszenierung der neuen Ära unter Leiterin Romy Schmidt "Peer Gynt" gespielt haben, keine klar zugeordneten Rollen: Mal sind sie Sprachrohr des Wissens und Gewissens der Menschheit, mal sind sie Vorstandsvorsitzender eines Atomkraft-Konzerns und kritische Öffentlichkeit.

Meistens sind sie die "erste und die zweite Geige" - ein Jelinek-typischer Wortwitz zum Begriff "Geigerzähler". Das Spiel der Autorin mit Worten, ihr Assoziations-Ballett und Metaphern-Tanz nehmen Regie und Bühnenbild (Dorothea Lütke Wöstmann) gekonnt auf.

Großartige Schauspieler-Leistung

Der Mikrofonständer, der eben noch das Plätschern des Wassers aufgenommen hat, Symbol für die das Atomkraftwerk Fukushima zerstörende Tsunami-Welle, ist bald ein Geigerzähler. Helge Salnikau wird zum glühenden Plutoniumstab, wenn er sich als Vorstandsvorsitzender erhitzt und die PET-Flasche sein nutzloses Kühlaggregat. Zwei Taschenlampen auf einer Zeltwand spielen klar erkennbar ein Liebesspiel - oder die Anbahnung einer Kernspaltung.

Gegen Ende ihrer großartigen Leistung stellen die Schauspieler diese Frage in den Raum: Ist es besser, wenn der Mensch existiert, als wenn er nicht existiert? Der Zuschauer muss sie im Stillen beantworten, denn er wird ohne Schlussapplaus entlassen - als wäre er schon verschwunden.

Termine: 1./2.2.; Karten: Tel. (02 34) 771117.

 

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