Kubas schöne Raubtiere kommen nach Dortmund

„Ballet Revolucion“ aus Havanna

Die Show „Ballet Revolución“ präsentiert Tänzer und Musiker aus Kuba. Die Künstler verschmelzen Ballettklassik und Popmoderne. Sie tanzen ab Ende März auch zu den Hits von George Michael im Konzerthaus Dortmund.

HAVANNA

, 14.02.2018, 16:42 Uhr / Lesedauer: 2 min
Federnde Sprünge und geschmeidige Körper, die spielerisch durch viele Tanzstile eilen, sind das Merkmal der kubanischen Show „Ballet Revolución“, die mit Musikern und Tänzern auch im Dortmunder Konzerthaus zu Gast ist. Foto: Johan Persson/BB Promotion

Federnde Sprünge und geschmeidige Körper, die spielerisch durch viele Tanzstile eilen, sind das Merkmal der kubanischen Show „Ballet Revolución“, die mit Musikern und Tänzern auch im Dortmunder Konzerthaus zu Gast ist. Foto: Johan Persson/BB Promotion

Wer in diesen Tagen Kubas Hauptstadt besucht, wird im Straßenbild nicht viel bemerken vom behutsamen Wandel in der Ära nach Fidel Castro. Ein Jahr nach seinem Tod ist Havanna wie eh und je parfümiert von den Abgasen uralter Straßenkreuzer, die Touristen durch eine Stadt chauffieren, die eine wunderliche Mischung aus Verfall und Vitalität zur Schau trägt.

In der City gibt es Häuser, die Ruinen ähneln

Auch im Herzen der City gibt es Häuser, die Ruinen ähneln. Bewohnten Ruinen, wie man an der Wäsche auf den Balkonen erkennt. Viele einst schmucke Stadtvillen schreien nach Putz und Farbe, der Sanierungsbedarf in Havanna dürfte sich auf etliche Milliarden Pesos (oder soll man sagen: Dollar) summieren. Die Mauern leiden unter Schwindsucht, aber die Menschen davor und darin verströmen pure Lebenslust. Die Habaneros bewegen sich mit Lässigkeit, Stolz und Eleganz durch eine Stadt, die selbst Mangel und sozialistischen Schlendrian irgendwie in Charme umzumünzen weiß.

Fusion der Tanzstile

Mehr als jeder andere Insulaner verkörpern aber die Tänzer der Show „Ballet Revolución“ die Grazie und das Selbstbewusstsein der Kubaner. Wir mögen arm sein. Aber hey - wir haben Tänze und Rhythmen, die uns reicher machen, als ihr denkt!

Nicht alles ist von klassischem Tanz inspiriert, es gibt auch coole moderne Szenen. Foto: Johan Persson/BB Promotion

Nicht alles ist von klassischem Tanz inspiriert, es gibt auch coole moderne Szenen. Foto: Johan Persson/BB Promotion

Deswegen sind wir Journalisten nach Havanna geflogen, für Musik und Körper, die sich geschmeidig dazu bewegen! Da sind wir nun: Vorbei am Revolutionsmuseum gehen wir zur staatlichen Ballett-Akademie im Stadtzentrum, wo die Truppe an der neuen Show feilt, die sie auch in Deutschland präsentiert. Eine Sache klären wir gleich: „Ballet Revolución“ meint nicht, dass hier Castros Taten tänzerisch gefeiert würden, hat der australische Choreograf Aaron Cash uns erklärt. Revolutionär sei die Fusion der Tanzstile, an der die Truppe unter ihm und seinem kubanischen Kollegen Roclan Gonzalez Chavez arbeite.

Kuba hegt und pflegt seine Talente

In einem Proberaum im Erdgeschoss treffen wir 17, 18 junge Tänzer. Geschmeidige Gazellen die Damen, bei den Herren eine Mischung aus kräftigen Athleten und quirligen Leichtgewichten. Alle sind klassisch ausgebildet, haben den Drill eines Fördersystems russischer Schule durchlaufen. Kuba hegt seine Talente. Der Besuch der Ballettschule ist kostenfrei, dafür wird voller Einsatz erwartet.

Wer gut ist und sich quält, landet mit etwas Glück vielleicht im Ensemble von „Ballet Revolución“. 25 Minuten werden die jungen Leute nun für uns tanzen. Klassisches Ballett, Modern Dance, Street Dance, Breakdance fließen ein, dazu das spezielle Flair afrokubanischen Körpergefühls. Sie geben alles, sie hängen sich rein, als wären sie Rivalen bei „A Chorus Line“.

Emotionales Feuer ist im Spiel


Ensemble-Szenen wechseln mit Passagen für drei oder vier Tänzer, wir sehen Bodengymnastik, Sprünge, Hebefiguren. Männlein und Weiblein umkreisen sich wie Liebespaare, Eifersucht und Aggression flackern auf, zwei Mädels scheinen um einen Jungen zu buhlen.

Jeder bringt Charakter ein, emotionales Feuer ist im Spiel, manchmal auch animalisches. Die Bewegungen dieser schönen Raubtiere sind federnd, am Boden werden sie zu Schleichkatzen. Aber nur bis zum nächsten Ausbruch. „Eigentlich tanzen Kubaner immer ‚Bomba‘, immer explosiv“, erklärt Raubtier-Dompteur Aaron Cash in einer Pause. Die Show ist eine Nummernrevue, eine Combo kubanischer Musiker spielt live: ein George Michael-Medley, Hits von Justin Timberlake, Adele, Coldplay, Enrique Iglesias, Justin Bieber, Rag’n’Bone Man und mehr.

Die Truppe ist auch poetischen Tönen gewachsen

George Michaels Ballade „Praying for Time“ illustrieren die Tänzer als Schwebe-Übung für eine Lady. Das hat Anmut und zeigt, dass die Bomba-Truppe auch leisen poetischen Tönen gewachsen ist. War es schwer, die Tänzer auf Pop von George Michael einzuschwören? „Ach was, kein Stück“, sagt Choreograf Chavez: „Kubanische Tänzer sind schließlich die besten der Welt!“ Okay, da könnte durchaus etwas dran sein.

Termine: 27.2. bis 4.3.2018, Capitol Theater Düsseldorf, 27.3. bis 2.4.2018 Konzerthaus Dortmund; Karten: Tel. (01806) 10 10 11.
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