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ver.di: Schwarze Zahlen bei Hertie erst in einem Jahr

ESSEN/DÜSSELDORF Die insolvente Warenhaus-Kette Hertie wird nach Gewerkschaftseinschätzung frühestens in einem Jahr die Gewinnzone erreichen. Mit schwarzen Zahlen sei frühestens in 12 bis 18 Monaten zu rechnen, glaubt der zuständige ver.di-Sekretär Johann Rösch, der auch im Aufsichtsrat sitzt.

ver.di: Schwarze Zahlen bei Hertie erst in einem Jahr

Die Hertie-Mitarbeiter glauben an eine Zukunftschance und stehen hinter dem Kaufhaus.

Der Erfolg der Restrukturierung hänge vor allem davon ab, welche Investoren ein Interesse an der Warenhauskette anmelden würden.

Hertie hatte am Donnerstag wegen Finanzproblemen des britischen Haupteigentümers Dawnay Day Insolvenz angemeldet. Der Betrieb werde vorerst fortgesetzt, erklärte die Geschäftsführung. Zusammen mit dem Insolvenzverwalter würden alle 72 Standorte auf ihre Rentabilität untersucht. Bisher war stets von 73 Filialen die Rede.

Betriebsrat, Lieferanten und Mitarbeiter stehen hinter Hertie Gesamtbetriebsrat, Mitarbeiter und Lieferanten stünden voll hinter Hertie und glaubten an eine Chance „für den größtmöglichen Erhalt der vielen Arbeitsplätze“, sagte Finanzchef Mark Rahman. Die Insolvenzordnung biete zahlreiche Möglichkeiten, den Geschäftsbetrieb zu stabilisieren und eine gute Ausgangslage für eine nachhaltige Wende zu schaffen. Hertie beschäftigt nach Angaben von ver.di rund 4500 Menschen, rund 1800 davon in Nordrhein-Westfalen.

Das Finanzhaus Dawnay Day und die britische Unternehmensberatung Hilco hatten die Warenhäuser einschließlich der Grundstücke 2005 vom damaligen KarstadtQuelle-Konzern für 500 Millionen Euro gekauft und später in Hertie umbenannt. Dawnay Day hält derzeit 85 Prozent an Hertie, Hilco 15 Prozent. Die Kette schreibt nach Branchenangaben konstant rote Zahlen, im laufenden Geschäftsjahr soll es ein Minus von 30 Millionen Euro sein. Die Investoren hatten die Verluste bisher ausgeglichen. Anfang Juli bekam Dawnay Day als Folge der Finanzmarktkrise aber selbst Probleme.

Scharfe Kritik am Eigentümer Der zuständige ver.di-Sekretär Johann Rösch kritisierte die Eigentümer scharf. „Dawnay Day hat nichts mehr unternommen, um eine Rettung zu ermöglichen“, sagte Rösch am Donnerstag in Düsseldorf. Auch Hilco habe keine alternativen Finanzierungsmöglichkeiten aufgetan. Als eine der Ursachen für die Insolvenz nannte Rösch die überdurchschnittlich hohen Mieten, die Dawnay Day für die Warenhäuser erhalte. „Die Mietverträge waren so gestaltet, dass Hertie keine Chance hatte, in die schwarzen Zahlen zu kommen“, sagte Rösch.

Die Insolvenz biete nun aber die Chance für neue Investoren, aus den Mietverträgen herauszukommen. Als problematisch bezeichnete Rösch zudem die Warenbelieferung und das Sortiment der Hertie-Filialen. Für die Fortsetzung des Betriebes von Hertie seien Kredite nötig, hieß es aus Finanzkreisen. Über Sicherungen dafür werde intensiv verhandelt. Eine Möglichkeit stelle eine Landesbürgschaft dar, hieß es. Der Sprecher des NRW-Wirtschaftsministeriums, Joachim Neuser, wollte sich dazu aber nicht äußern.

Konzept hat immer noch Zukunftschancen Die Investoren hatten die Warenhäuser, die meist in mittelgroßen Städten liegen, nach der Übernahme als „Nachbarschaftskaufhäuser“ für den schnellen Einkauf vor der Haustür neu ausgerichtet. Für dieses Konzept gebe es auch in einem schwierigen Markt eine Zukunft, mittelgroße Standorte direkt bei den Kunden in der Innenstadt seien angesichts gestiegener Benzinpreise für die Verbraucher weiter wichtig, zitiert Hertie wichtige Unternehmenslieferanten. Die Hertie- Häuser sind in manchen Städten die letzten innerstädtischen Warenhäuser.

Thoben lobt Bemühungen um Restrukturierung Wirtschaftsministerin Christa Thoben (CDU) lobte die Restrukturierungsbemühungen der vergangenen Monate. So wurden seit dem Einstieg der Briten nach Firmenangaben bereits 30 Häuser komplett saniert. Jetzt sei mit der Insolvenz von Dawnay Day die notwendige Finanzbasis akut weggebrochen, erklärte die Ministerin. Sie hoffe aber, dass der begonnene Weg fortgesetzt werde.

Nach Einschätzung aus Finanzkreisen wird der Insolvenzverwalter Hertie-Häuser mit besonderem Sanierungsbedarf oder schlechtem Absatz schließen und für den „gesunden Kern“ des Unternehmens einen oder - wahrscheinlicher - mehrere neue Investoren suchen.

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