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"werden würden sollen"

MITTE Leicht ergraut, aber gewohnt weise wirkte Hermann van Veen am Dienstagabend in der Bochumer Christuskirche.

von von Johannes Groß

, 12.12.2007
"werden würden sollen"

So voll besetzt wünscht man sich Kirchen immer. Die Botschaft überbrachte diesmal Hermann van Veen in der Christuskirche, der adventlichen Stimmung angepasst, und begleitet von Edith Leerkes (Gitarre).

Der niederländische Liedermacher mit schütterem Haupthaar und flatternden Ärmeln hat die Weihnachtsgeschichte musikalisch umgesetzt und durch persönliche und sozialkritische Passagen ergänzt.

Van Veens Bühnenpartnerin Edith Leerkes startet furios mit einem Gitarrensolo, das Anleihen südländischer Musik offenbart. "Afrika bezahlt, und wir sind blinder als ein Hund" - nachdem Van Veen die Bühne unter dem tosenden Beifall hunderter Besucher in der ausverkauften Christuskirche betreten hat, wird er direkt politisch. Und der 62-Jährige scheut auch offene Kritik am kommerziellen Ausverkauf des Weihnachtsfestes nicht. Ständig auf Geige oder Gitarre begleitet von Edith Leerkes, deren musikalische Leichtfüßigkeit vielleicht auch darin begründet liegt, dass sie barfuß auf der Bühne erscheint.

Einblick in Kindheit

Van Veen gewährt beim "Ave Maria" Einblicke in seine Kindheit und scherzt: "Gott weiß es. Wenn nicht, weiß es der Engel Ariel". Unbefleckt auch die Empfängnis der Maria, vom international bekannten Liedermacher zu einer humoristischen Version umgeformt - "Josef war sehr erstaunt". Vaterfreuden und die zugehörige Verantwortung spielen für den mehrfachen Großvater eine bedeutende Rolle, denn "bevor du es merkst, ist das Kind schon groß".

Liebe statt Hass

Van Veen ist authentisch, virtuos und charmant. Zudem streut er immer wenn nötig eine Prise Humor ein. "Werden würden sollen - es bleibt eine erstaunliche Sprache. In Deutschland dauert alles viel länger!" gibt der mit dem Bundesverdienstkreuz ausgezeichnete Künstler nach einem Versprecher zum Besten. Seine Wurzeln verhehlt er nicht: "Stille Nacht" schallt auf Niederländisch und Französisch durch den Saal. Nach der elegant angekündigten "Pipi-Pause" ist plötzlich Feuer drin - Van Veen greift selbst zur Gitarre und ersetzt im Zusammenspiel mit Edith Leerkes eine ganze Band. "Sein Name war Jesus von Nazareth. So wie Pit von Bremen!" scherzt er wiederum, um dann zu bekennen, dass er "manchmal aus Verzweiflung den Himmel aufbrechen" möchte.

Im Acapella-Gesang läuft der ausgebildete Sänger, Geiger und Musiklehrer dann noch einmal zu Höchstform auf. Die individuelle Version des "Kyrie Eleison" ist der Höhepunkt des zweistündigen Liederabends, bevor Van Veen seine Zuhörer mit einem guten Rat auf den Heimweg schickt: "Liebe ist schöner als Hass."