Zeche Nachtigall ist die Wiege des Ruhrgebiets

Serie Welterbe Folge 6

"Das ist unser Erbe, das Erbe der Region", sagt Dorothea von Kloncynski und lässte den Blick schweifen. An diesem Tag steht das Erbe der Region buchstäblich im Regen. Ein Schauer ergießt sich über das Muttental in Witten und die alten Mauern der Zeche Nachtigall.

WITTEN

von Von Elisabeth Thobe

, 23.07.2012, 20:00 Uhr / Lesedauer: 2 min

Seit 2002 ist Dorothea von Kloncynski Gästeführerin auf Zeche Nachtigall, schon vorher führte die 51-Jährige Besucher durch das Muttental. "Hier liegt der Geburtsort des Bergbaus im Revier" sagt sie ein wenig stolz.  

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Welterbe Serie Nachtigall

Die Zeche Nachtigall und das Muttental in Witten sind die Wiege des Ruhrgebiets. Denn bereits im 16. Jahrhundert wurde hier in Stollen Bergbau betrieben. Heute ist die Zeche ein Museum und bietet viel zu sehen.
16.07.2012
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Die Zeche Nachtigall in Witten ist die älteste Zeche des Ruhrgebiets. © Foto Thobe
Besondere Attraktion ist der Besucherstollen Nachtigall, in dem Besucher die Geschichte des Bergbaus selbst erleben können. © Foto Thobe
Dorothea von Kloncynski ist seit der Eröffnung des Museums 2003 Gästeführerin. "Ich habe mein Hobby zum Beruf gemacht". © Foto Thobe
Ein dunkler Gang führt ins Innere des Hettberges. Hier wurde vor der Zeit der Tiefbauschächte die Kohle gefördert. © Foto Thobe
Im Besucherstollen ist auch heute noch ein echtes Steinkohleflöz zu entdecken. © Foto Thobe
Geitling II heißt das Flöz, aus dem die Kohle gefördert wurde. © Foto Thobe
Von der alten Zeche ist nur noch die Maschinenhalle geblieben (hier ein Modell). © Foto Thobe
Der Wetterturm ist 47,5 meter hoch. Heute nisten seltene Tiumfalken in ihm. © Foto Thobe
Die Zeche Nachtigall liegt umgeben von stiller Natur und hohen Felshängen...© Foto Thobe
... in denen bis heute die Flöze zu erkennen sind. © Foto Thobe
Größtes Problem der zeche war immer das wasser. Auf einen Eimer Kohle, mussten sechs Eimer Grundwasser gefördert werden. © Foto Thobe
Nach der Schließung der Zeche baute der Unternemer Dünkelberg sie zu einer Ziegellei um. Der alte Ringofen und ein paar der Arbeitsgeräte sind heute Teil der Ausstellung. © Foto Thobe
Auf dem Dach des Ringofens.© Foto Thobe
Im Maschinenhaus steht eine alte Dampfmaschine.© Foto Thobe
Vor ihrer Stillegung arbeite die Maschine auf Zeche Prosper in Bottrop. © Foto Thobe
In kleinen Spielen erfahren die Besucher mehr über den Bergbau. © Foto Thobe
Dann erzählt sie die Legende, die sie allen Besuchern erzählt, die das Muttental zum ersten Mal besuchen. "Der Sage nach entdeckte ein Schweinehirt vor langer Zeit hier die Kohle. Als er ein Feuer machte, glühten die schwarzen Steine noch am Morgen".

Dass in dieser Legende ein Fünkchen Wahrheit steckt, mag wohl jeder glauben, der schon einmal die schwarzen Flöze in den Felsen des Tals gesehen hat. "Wir haben hier eine geologische Besonderheit", erklärt Kloncynski, "die Flöze streichen an der Oberfläche aus".

Stollen zu Beginn

Im 16. Jahrhundert trieben Bauern deshalb die ersten Stollen in die Hänge - der Anfang einer ganzen Region. "Aus einer dieser Stollen entstand 1717 Zeche Nachtigall", beschreibt Kloncynski.

Die Gästeführerin muss die Stimme heben, um den Regen zu übertönen, der laut auf das alte Maschinengebäude trommelt. Es ist als einziges Bauwerk aus der Anfangszeit der Zeche erhalten geblieben.Ein Eimer Kohle braucht sechs Eimer Wasser Denn schon 1906 baute der Unternehmer Dünkelberg das Gelände zur Ziegelei um, rund 60 Jahre, nachdem der erste Tiefbauschacht abgeteuft wurde. Zu unrentabel war der Komplex geworden, zu aufwendig die Arbeit, das Wasser aus den Schächten zu pumpen. "Früher sagte man, dass hier für einen Eimer Kohle sechs Eimer Wasser gefördert werden müssen", erzählt die 51-Jährige.

Museum seit 2003 Seit 2003 ist die Zeche Nachtigall als Museum geöffnet und zeigt neben der Bergbaugeschichte auch die Arbeit im Ringofen der Ziegelei. Dorothea von Kloncynski hat sich von Anfang an für das Museum begeistert. "Ich habe es gesehen und dachte: Hier will ich arbeiten." Ein Bauchgefühl, dass bei der ihr bis heute anhält. "Es ist eine tolle Anlage in toller Natur. Ich lebe mein Hobby als Beruf".

Echtes Steinkohleflöz

Bei den Besuchers des Museums löst die eindrucksvolle Landschaft zwar auch Begeisterung aus, mehr aber interessiert sie ein Gang durch den bis heute erhaltenen Nachtigallstollen. "Wir können den Gästen in unserem Stollen zeigen, wie es den Bergleuten ganz zu Anfang erging", erzählt Kloncynski. Tief gebückt klettert sie in den dunklen Schacht, folgt den Schienen auf dem Boden bis zum schwarzen Schatz des Museum - Geitling II, ein echtes Steinkohleflöz.

Besuchermagneten

Dorothea von Kloncynski ist stolz auf das, was das Museum seinen Besuchern bieten kann. Manchmal hadert sie trotzdem mit dem Besuchermagneten der Anlage. "Es ist schade, dass wir oft auf den Stollen beschränkt werden. Dabei hat die Zeche einiges mehr zu bieten", sagt sie.

Am Ende des durchgängigen Stollens blinzelt die Gästeführerin in die Sonne, die sich langsam im Tal ausbreitet. "Hier ist alles ursprünglich. Es ist unsere Geschichte und es ist einfach schön. Den Titel Weltkulturerbe haben wir verdient. "

LWL-Industriemuseum Zeche Nachtigall: Nachtigallstraße 35, Witten, Di-So 10-18 Uhr.