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Die Stadt Olfen hat damit begonnen, Schulhöfe per Videokameras überwachen zu lassen. Am liebsten wäre es der Stadtspitze aber, wenn die Aufzeichnungen ungenutzt blieben.

Olfen

, 27.07.2018 / Lesedauer: 4 min

Mit der Videoüberwachung beginnt ein neues Kapitel im Sicherheitskonzept der Stadt Olfen. „Videoüberwachung ist von der Politik angeregt worden“, sagt Bürgermeister Wilhelm Sendermann. Die Verwaltung setze einen entsprechenden Ratsbeschluss jetzt um. Was genau dahinter steckt, klären wir hier. Fragen und Antworten.

Welche Bereiche werden videoüberwacht?

„Wir haben uns für drei Standorte entschieden“, sagt Bürgermeister Wilhelm Sendermann. Das seien das Außengelände der Gesamtschule, das Außengelände der Grundschule sowie der Standort der Skateranlage, die gebaut werden soll.

Wie viele Kameras wird es geben?

„Zunächst einmal 14 Kameras an der Gesamtschule und zwölf Kameras an der Grundschule.“ Dazu gibt die Stadt 60.000 Euro aus.

Welchem Zweck sollen die Kameras genau dienen?

„Sie sollen präventiv wirken“, sagt Sendermann. Heißt: Es gehe nicht vordergründig darum, jemanden zu sanktionieren. „Wir greifen nur auf das aufgezeichnete Material zurück, wenn es einen konkreten Anlass gibt. Wenn uns ein Schaden gemeldet wird, dann können wir mittels der aufgezeichneten Bilder handeln und der Polizei dieses Material zur Verfügung stellen. Ich hoffe aber, dass wir diese Bilder nie brauchen.“

Wie groß ist der Handlungsbedarf?

Den gibt es in zweierlei Hinsicht. „Aber nicht, weil Olfen ein unsicherer Standort ist“, versichert der Bürgermeister. Olfen habe auch nicht exorbitant mit Vandalismus zu tun. „Aber wir investieren in die Gestaltung des Außenbereichs der Grundschule eine Million Euro und in die Sanierung der Grundschule insgesamt 6,5 Millionen Euro. Wir tun ganz viel, um Bildungsmöglichkeiten auf einem ganz hohen Niveau hinzukriegen.“ Das setze voraus, dass solch ein Schulhof nicht eine irgendwie befestigte Fläche ist, sondern es gebe an der Wieschhof-Grundschule bald unterschiedliche Bäume, die die Klassen symbolisieren, Spielgeräte, ein im Boden eingelassenes Trampolin.

Nach Schulschluss sei der Bereich öffentlich zugängig. Es gebe zwar Schilder, die besagen, wann das Gelände genutzt werden darf und ab wann nicht, und es gebe einen Sicherheitsdienst. Der könne aber nur punktuell tätig werden. Der Schutz dieser hohen Investitionen müsse aber gewährleistet sein. Was die Videokameras an der Wolfhelm-Gesamtschule betrifft, sieht der Bedarf so aus: Es habe in der Vergangenheit Vandalismusschäden gegeben, sagt Edmund Tyczewski vom städtischen Gebäudemanagement. Graffitischmierereien gehörten dazu. „In den letzten fünf Jahren hat sich das auf eine Schadenshöhe von rund 40.000 Euro summiert.“

Hätten solche Schäden durch die Videoüberwachung vermieden werden können?

Diese Frage könne nicht beantwortet werden, sagt Tyczewski. Tatsache sei aber, dass die Stadt diese Schäden zahlen muss. In jüngster Zeit habe aber die Videoüberwachung dazu geführt, dass ein Schaden nicht habe von der Stadt bezahlt werden müssen. „Wir hatten den Fall, dass jemand eine Scheibe eingetreten hat“, führt Sendermann aus.

„Das Gesicht des Täters war bekannt. Wir haben dann mit den Erziehungsberechtigten gesprochen, dass die Stadt erwarte, dass sie die Schadensbeseitigung übernehmen. Dann würden wir von einer Anzeige absehen. Das war erfolgreich.“

Wann zeichnen die Kameras auf?

„Nach Schulschluss und so lange, bis der Hausmeister am nächsten Morgen beziehungsweise nach dem Wochenende wieder da ist“, erklärt Edmund Tyczewski. Die Kameras zeichnen aber nur auf, wenn sich etwas im Bereich, den sie erfasst haben, bewegt.

Müssen Anwohner der videoüberwachten Bereiche befürchten, dass auch ihre privaten Grundstücke überwacht werden?

„Wir wahren den Datenschutz“, versichert Tyczewski. Private Grundstücke seien nicht Teil des Aufnahmefeldes. „Man kann die Kameras so einstellen, dass diese Bereiche geschwärzt sind.“

Wer wertet die Daten aus?

„Im Rathaus gilt das Vier-Augen-Prinzip“, sagt der Bürgermeister. Sobald ein Schaden gemeldet wurde, werden Edmund Tyczewski und ein weiterer Mitarbeiter das aufgezeichnete Material sichten. „Zum Beispiel ob die Täter Masken getragen haben oder ob sie bekannt sind“, so Sendermann.

Für die Stadt Olfen ist Videoüberwachung Neuland. Hat sie sich Unterstützung gesucht?

„Selm hat Erfahrung mit Videoüberwachung, wir haben nachgefragt“, so Sendermann. „Dass Selm uns die Erfahrungen zugänglich gemacht hat, ist ein gutes Beispiel dafür, wie man interkommunal gut miteinander arbeitet.“

Muss die Stadt die videoüberwachten Bereiche kenntlich machen?

Neben den Kameras sind es Schilder an den Hauptzugangsbereichen, die die Nutzungsregeln der Schulhöfe definieren und darauf hinweisen, dass diese Bereiche videoüberwacht werden. „Aber wenn jemand mit einem Hund über den Schulhof läuft oder sich Jugendliche nachmittags ordnungsgemäß hier aufhalten, ist das alles in Ordnung“, sagt Wilhelm Sendermann.

Wie lange dürfen sich Jugendliche denn abends auf den Schulhöfen aufhalten?

„Bis 20 Uhr“, sagt Edmund Tyczewski. „Es geht aber gar nicht darum, jemanden zu vertreiben“, erklärt Sendermann. Jugendliche brauchen Orte, wo sie sich treffen können, auch nach 20 Uhr. „Das wird in der nächsten Zeit eine Aufgabe für uns sein, wie wir das sehr konkret umsetzen.

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