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Als zertifizierter Bio-Hof gehört der Hof Mehring in Olfen immer noch zur Ausnahme. Am Sonntag bietet die Familie einen Blick hinter die Kulissen. Auch, um einige Vorurteile über Biohöfe auszuräumen.

Olfen

, 07.09.2018 / Lesedauer: 3 min

Seit gut fünf Jahren ist der Hof Mehring an der Steverstraße 41 ein Bioland-Bauernhof. Von der konventionellen auf die Bio-Landwirtschaft umzustellen, ging für das Ehepaar Heike und Tobias Mehring nicht von einem Tag auf den anderen, es war ein langer Prozess. Am Sonntag, beim Hoffest, wollen die Mehrings die Hof- und Stalltüren öffnen und Besuchern zeigen, wie es hinter den Kulissen eines Bio-Bauernhofes aussieht und was notwendig ist, um das begehrte Bioland-Siegel – eines von mehreren Bio-Siegeln – zu bekommen. Das Bewusstsein beim Verbraucher für Tierwohl und ökologische Landwirtschaft wächst. Das zeigt sich nicht nur an neuen Tierwohl-Siegeln, mit denen mittlerweile auch Discounter für ihr Fleischsortiment werben.

Auch der Hof Mehring spürt eine deutlich gestiegene Nachfrage nach Bio-Fleisch. Dazu seien die Kunden auch bereit, teilweise das Drei- bis Vierfache, zum Beispiel für Fleisch vom Geflügel auszugeben, erklärt Heike Mehring. 2012 begann das Ehepaar, das den Hof von den Eltern von Tobias Mehring übernahm, damit, den Betrieb von konventionell auf Bio umzustellen. Laut Natascha Kreuzer, Sprecherin der Landwirtschaftskammer NRW, gab es in Nordrhein-Westfalen 2017 1429 ökologisch wirtschaftende Betriebe, die 60.828 Hektar bewirtschaften. Zwar lassen sich die Zahlen nicht auf den Kreis Coesfeld herunterbrechen, allerdings für den Regierungsbezirk Münster. „Hier sind es 133 Betriebe mit 5106 Hektar Fläche“, erklärt Natascha Kreuzer auf unsere Anfrage.

Wie Familie Mehring aus einem konventionellen einen Bio-Bauernhof gemacht hat

Die Hühner und Hähnchen bekommen, wie auch die anderen Tiere auf dem Hof, besonders viel Platz. © Karim Laouari

„Uns hat gestört, wie viele Medikamente und wie viel ärztliche Behandlung für die Viehhaltung nötig waren“, erklärt Heike Mehring den Grund für die Umstellung. In Fachzeitschriften sammelten die beiden erste Informationen. Ein bisschen Know-How aus der Umgebung, sprich von anderen Höfen, konnten die Mehrings sammeln. Heike Mehring sagt aber deutlich: „Es gibt hier in diesem Bereich ein Informationsdefizit.“

Tiere brauchen mehr Platz

6225 Hühner, 150 Masthähnchen und 250 Schweine leben auf dem Hof. Die Vorgaben für das Bioland-Siegel sind streng und werden regelmäßig kontrolliert, erklärt Tobias Mehring. So brauchen die Tiere beispielsweise zusätzlich zu den Ställen auch Zugang nach draußen. „Müssen Behandlungen durchgeführt werden, so ist Naturheilverfahren und homöopathischen Behandlungen Vorrang einzuräumen“, heißt es in den Bioland-Richtlinien für die Tiergesundheit. Und weiter: „Herkömmliche Medikamente dürfen eingesetzt werden, um unnötiges Leiden eines Tieres zu vermeiden und um Leben zu erhalten.“ Diese Behandlung müsse aber durch den Tierarzt verordnet sein. Leben die Tiere kürzer als ein Jahr und werden häufiger als zwei Mal mit konventionellen Medikamenten behandelt, dürfen die Tiere und ihre Erzeugnisse allerdings nicht mehr als ökologisch deklariert werden. Den Vorwurf, auch Bio-Landwirte würden also insgeheim Antibiotika und andere Medikamente verabreichen, kennt Tobias Mehring zwar, verweist aber auf die strengen Kontrollen, die Bioland zweimal im Jahr auf dem Hof durchführt.

Die bestehen aus einer angekündigten, großen und einer unangekündigten kleinen Kontrolle. „Bei der großen Kontrolle wird der gesamte Hof durchleuchtet“, sagt Mehring. Neben dem Zustand der Tiere würden dabei zum Beispiel auch die produzierte Eiermenge mit der verkauften verglichen und die Ställe und Freilaufflächen genau inspiziert. Eine Chance, hier zu mogeln, gebe es nicht.

Am Sonntag wollen die Mehrings auch, dass ihre Besucher ganz genau hinsehen. Sie öffnen ihre Ställe, bieten Führungen durch ihren Hof an und erklären ganz genau, wie der Bioland-Hof funktioniert. „Das Wichtigste für uns ist die Rückmeldung unserer Kunden“, sagt Tobias Mehring und erklärt damit auch, warum die Familie auf größtmögliche Transparenz setzt. Nur so können die Landwirte zeigen, dass hinter dem Biosiegel auch wirklich ein ökologisch arbeitender Betrieb steckt.

Wie Familie Mehring aus einem konventionellen einen Bio-Bauernhof gemacht hat

Die Mehrings bieten ihre Produkte im eigenen Hofladen an. © Karim Laouari

Daneben wollen die Mehrings beim Hoffest auch unterhalten: Es wird drei kurze Musikauftritte geben, Kinder dürfen ganz nah an die Tiere heran, die Mehrings werden eine Strohburg aufbauen und eine Hofrallye anbieten. Während des Festes soll zudem der Hofladen geöffnet sein und Tobias Mehring backt Waffeln über dem offenen Feuer.

Infos zum Hoffest Das Hoffest, beziehungsweise der „Tag der offenen Stalltüren“ findet am Sonntag, 9. September, von 11 bis 18 Uhr statt. Es ist mittlerweile das dritte Hoffest auf dem Hof Mehring. Es findet alle zwei Jahre statt. Zum ersten Mal findet es als Teil der Aktionstage Ökolandbau NRW statt. Die laufen zurzeit noch bis zum 16. September und sind eine gemeinsame Aktion, unter anderem von Landwirten, Verarbeitern, der Landwirtschaftskammer NRW und dem Umweltministerium. In ganz NRW bieten verschiedene Betriebe dazu besondere Aktionen an. Mehr dazu unter: www.oekolandbau-nrw.de www.biohof-mehring.de
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