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Im Exklusiv-Interview spricht Schalkes „stiller Star“ Daniel Caligiuri über die letzte Spielzeit, seine Pläne für die kommenden Monate und seinen großen Traum.

Mittersill

, 02.08.2018 / Lesedauer: 4 min

Daniel Caligiuri, es gibt ein Zitat über Sie: „Er ist ein kantiger Typ, der eklig ist und wehtut.“ Das klingt nicht gerade nach einem Kompliment.
(lacht) Doch, das kann man auch positiv sehen.



Das hat Trainer Domenico Tedesco mal über Sie gesagt.
Ich bin halt ein Spieler, der nie aufgibt und auf dem Platz alles raus haut - auch im Training. Ich kann im Zweikampf sehr unangenehm sein für den Gegner.



Tedesco ist bekanntlich gut darin, die Stärken und Schwächen seiner Spieler zu erkennen. Setzt er Sie dementsprechend ein?
Davon gehe ich aus. Der Trainer kennt die Qualitäten jedes Spielers. Er weiß, was er an mir hat und ich weiß, was ich an ihm habe. Er schenkt mir das Vertrauen. Am Anfang hatte ich mit dem neuen System und meiner Position einige Schwierigkeiten, aber jetzt bin ich voll drin.

Was ist jetzt anders?
Ich bin viel mehr in der Defensive beschäftigt. Wenn der Ball auf der anderen Seite ist, bin ich quasi rechter Verteidiger. Früher habe ich einen klassischen Linksaußen gespielt, da war ich beim Konter der erste Zielspieler. Jetzt fühle ich mich aber auf meiner Position pudelwohl - und kann nicht nur rechts, sondern auch links spielen.



Durch die Verletzung von Bastian Oczipka ist auf der linken Seite jetzt ja auch eine „Planstelle“ freigeworden. Wäre das denkbar?
Auf jeden Fall! Ich habe in der vergangenen Saison ja bewiesen, dass ich auch links spielen kann. Wir haben aber mit Alessandro Schöpf, Steven Skrzybski, Baba oder Thilo Kehrer genug Spieler, die diese Position besetzen können.

Daniel Caligiuri: Ich bin ein Spieler, der auf dem Platz alles raushaut

Statistisch gesehen war die abgelaufene Saison die beste für Daniel Caligiuri. Der variabel einsetzbare Schalker Spieler gab zehn Vorlagen und erzielte selbst sechs Treffer. © dpa

Sie haben in Ihrer bisherigen Laufbahn relativ viele verschiedene Trainertypen erlebt - von Robin Dutt über Christian Streich bis hin zu Dieter Hecking und jetzt Domenico Tedesco. Was kann er anbieten, was andere nicht anbieten können?
Trainer zu vergleichen ist immer schwierig... Tedesco ist definitiv der jüngste Trainer. Respekt ist auf jeden Fall da, aber er ist auch Kumpel und ist für jeden Spaß zu haben. Wenn‘s drauf ankommt, ist er aber voll fokussiert und zieht sein Ding durch. Wenn dann ein Spieler mal nicht mitzieht, gibt es eine klare Ansage. Das finde ich gegenüber allen anderen perfekt. Er holt sich aber auch Tipps von Spielern ein - die Kommunikation ist sehr gut.


Die vergangene Saison war mit zehn Vorlagen und sechs Toren ihre bislang erfolgreichste. Woran liegt das?
Wir sind als Team zusammengewachsen - nicht nur die Spieler, sondern auch die Trainer, die Physiotherapeuten und alle anderen. Das ist das A und O. Wenn das stimmt, dann stimmen auch die Leistungen jedes einzelnen Spielers. Auch die Einwechselspieler waren immer sofort zu 100 Prozent auf dem Platz - das zeigt, dass wir als Mannschaft zusammengewachsen sind.


Ist der relativ kleine Kader vielleicht auch ein Grund für den guten Teamgeist?
Man hat ja gesehen, dass der Trainer sehr viel rotiert. Es können leider nicht alle spielen, aber jeder hat die Qualität für die Startelf. Daher versucht jeder Spieler, sich in der Trainingswoche aufzudrängen.



Gab es in der vergangenen Saison einen Schlüsselmoment, von dem an klar war, dass es ein erfolgreiches Jahr werden könne?
Natürlich das Derby in Dortmund. Wie wir da zurückgekommen sind, war phänomenal. Es war, obwohl es ein Unentschieden war, ein gefühlter Sieg. Da hat man gesehen, dass wir, wenn wir zusammenhalten, aus einem 0:4 ein 4:4 machen können. Das hat uns als Team noch einmal enger zusammengebracht. Ich bin fest davon überzeugt, dass wir in dieser Saison noch enger zusammenrücken.

Daniel Caligiuri: Ich bin ein Spieler, der auf dem Platz alles raushaut

Schlüsselspiel Revierderby: Das 4:4 nach 0:4-Rückstand schweißte Königsblau noch weiter zusammen. © dpa

Mit 30 gehören Sie zu den älteren Spielern im Kader, werden Sie da auch schon einmal um Rat gefragt?
Auf jeden Fall. Ich kann mir aber auch Tipps von den jungen Spielern holen, die dürfen auch ruhig ihren Mund aufmachen.



Beschäftigt man sich in dem Alter schon mit der Zeit nach dem Fußball?
Bis jetzt spielt - toi, toi, toi - die Gesundheit mit, also mache ich mir darüber noch nicht so viele Gedanken. Ich kann noch viele Jahre spielen. Wenn der Zeitpunkt kommt, kann ich mir das immer noch überlegen.

Thema Nationalmannschaft: Sie waren einmal kurz davor, für Italien zu spielen.
Das ist richtig. Nach dem Pokalsieg mit Wolfsburg 2015 hat mich der damalige Trainer Antonio Conte zu einem Lehrgang eingeladen. Den Sprung in den Kader für die EM-Qualifikation habe ich aber dann nicht geschafft. Ich fand das sehr schade und hätte es meiner Meinung nach eigentlich auch verdient gehabt. Aber der Traum lebt immer noch.



Gibt es denn noch Kontakte zum italienischen Verband?
Nein, zurzeit nicht. Das Gute ist aber: Weil ich noch kein Länderspiel absolviert habe, könnte ich auch für deutsche Nationalmannschaft infrage kommen (Daniel Caligiuri besitzt sowohl einen italienischen als auch einen deutschen Pass, d. Red.). Ich kann mich nur über den Verein beweisen - und das lief vergangenes Jahr ja schon ganz gut. Ich mache mir da aber keinen Druck.



Wo kann es in diesem Jahr hingehen?
Nach oben kommen ist vergleichweise leicht, oben bleiben ist schwieriger. Wir dürfen nicht glauben, dass es von alleine geht. Wichtig ist, dass sich jeder zu 100 Prozent mit der Sache beschäftigt. Wir haben eine Dreifachbelastung, das wird also dreimal so schwer.

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