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Youri Mulder wird 50 - Schalke liegt dem „Eurofighter“ noch immer sehr am Herzen

rnInterview

Youri Mulder wird am Samstag 50. Im Interview spricht der „Eurofighter“ über eine besondere Grätsche, die Charakterfrage und einen unangenehmen Abend als TV-Kommentator.

Gelsenkirchen

, 23.03.2019 / Lesedauer: 4 min

Zum telefonischen Interview ist Youri Mulder gerne bereit. Einzige Voraussetzung: „Zur aktuellen Situation auf Schalke möchte ich eigentlich gar nichts sagen. Das wirkt dann immer so, als wüssten die Ehemaligen genau, wo es lang geht. Aber das hilft ja keinem weiter.“ Akzeptiert. Schließlich soll Mulder selbst im Mittelpunkt des Gesprächs stehen. Denn Schalkes „Eurofighter“ aus den Niederlanden wird am heutigen Samstag runde „50“.

Die „5“ vor der Null löst bei manchen Zeitgenossen eine erste Panik aus. Was bedeutet sie Ihnen?

Gar nicht so viel. Ein bisschen Stolz vielleicht. Ich bin sehr zufrieden, bin privat und beruflich gut unterwegs. Und gesundheitlich bin ich auch gut zu Fuß – sogar mein Knie, das mir während meiner Karriere ja zu schaffen gemacht hat, gibt Ruhe.

Also ist Youri Mulder ein Kandidat für die Schalker Traditionsmannschaft?

Olaf Thon ruft mich tatsächlich regelmäßig an und fragt nach. Aber von einem Ball muss ich mich fernhalten. Laufen geht, Radfahren auch. Alles, was man geradeaus machen kann, funktioniert. Aber sobald es um Drehungen oder Kurven geht, die sich beim Fußball ja nicht vermeiden lassen, muss ich passen.

Youri Mulder wird 50 - Schalke liegt dem „Eurofighter“ noch immer sehr am Herzen

Gefragter Experte: Youri Mulder bei seinem Job als TV-Kommentator. © imago

Am liebsten geradeaus – das passt ja irgendwie. Auch in Ihrer Tätigkeit als TV-Fußball-Experte nehmen Sie bei „Ziggo TV“ (in etwa vergleichbar mit „Sky“ in Deutschland) ja kaum ein Blatt vor den Mund und sind so leidenschaftlich wie früher auf dem Platz.

Ich finde, das muss auch so sein. Wenn man so etwas macht, sollte man auch – wie sagt man im Ruhrgebiet? – Tacheles reden.

Vom Spieler zum TV-Experten


Youri Mulder wurde am 23. März 1969 in Brüssel geboren - sein Vater Jan, der ebenfalls Fußballprofi war, spielte zu dieser Zeit gerade für den belgischen Verein RSC Anderlecht. 1993 wechselte der Stürmer vom niederländischen Klub Twente Enschede zu Schalke 04, dort spielte er bis zu seinem Karriereende im Jahr 2002. Mit Schalke gewann Mulder 1997 den UEFA-Cup sowie 2001 und 2002 den DFB-Pokal, insgesamt machte er 176 Spiele für Schalke und schoss 33 Tore. Zwischen 1994 und 1999 absolvierte er neun Spiele für die niederländische Nationalelf und erzielte dabei drei Tore. Nach seiner Profilaufbahn war Mulder Co-Trainer bei Twente sowie auf Schalke, inzwischen arbeitet er als Fußballkommentator für das niederländische Fernsehen.

Wie haben Sie sich denn dann bei der Kommentierung des Schalker Champions-League-Debakels in Manchester aus der Affäre gezogen?

Na ja. Ich will nicht sagen, dass ich mich geschämt habe, das wäre ein viel zu großes Wort. Aber es war mir schon irgendwie unangenehm. Mir liegt Schalke sehr am Herzen, und in den Niederlanden werde ich ja mit Schalke in Verbindung gebracht. Die Anfangsphase fand ich gar nicht mal schlecht. Aber dann habe ich Angst und auch Depression in den Augen der Spieler gesehen. Das ist für einen Sportler so ziemlich die schlechteste Herangehensweise an eine solche Aufgabe.

Sie kennen Schalke gut und wissen, dass nun vor allem über den Charakter der Mannschaft geschimpft wird. Stimmt dieser Ansatz oder ist er zu einfach?

Mit solchen Wertungen sollte man vorsichtig sein. Ich kann es nicht beurteilen, weil ich die Jungs nicht kenne. Und ich glaube, dass es auch viele, die solche Aussagen machen, nicht beurteilen können. Wenn ich Schalke habe spielen sehen, hatte ich jedenfalls nicht den Eindruck, dass die Jungs keinen Respekt vor Trainer Tedesco hatten. Die Charakterfrage zu stellen ist immer so einfach, zu einfach. Ich will nicht zur Fraktion der Alten Herren gehören, die sich einmischen nach dem Motto: Früher war alles besser, heute verdienen die Spieler viel zu viel und so weiter.

Was haben Sie denn gedacht, als sich Ihr früherer Trainer und Landsmann Huub Stevens, mit dem Sie 1997 sensationell den UEFA-Cup gewannen, mit 65 Jahren noch einmal auf die Schalker Trainerbank gesetzt hat?

Völlig überrascht hat mich das nicht. Er war ja immer nah dran am Verein und es war ja nicht ganz unlogisch, dass er nun gefragt wurde. Er wird wissen, was jetzt zu tun ist. Ich gehe davon aus und hoffe, dass seine Gesundheit, wegen der er ja in Hoffenheim aufhören musste, jetzt wieder völlig okay ist. Denn er wird nun mit Schalke seine ganze Kraft brauchen.

Youri Mulder wird 50 - Schalke liegt dem „Eurofighter“ noch immer sehr am Herzen

Mit Mike Büskens (r.) 2008 als Interimstrainer: „Es kann Spaß machen, einer Mannschaft Leben einzuhauchen.“ © dpa

Mit Mike Büskens gehörten Sie selbst auch zwei Mal – nach der Entlassung von Mirko Slomka und nach der von Fred Rutten – zum Schalker Trainer-Retter-Team. Wie hätten Sie reagiert, wenn Sie erneut gefragt worden wären?

Also zunächst mal macht mir der Job beim Fernsehen großen Spaß, ich habe meinen Vertrag bei Ziggo.TV auch gerade erst um zwei Jahre verlängert. Ich wäre jetzt also gar nicht „frei“ gewesen. Aber klar: Schalke ist – ganz egal, wo der Verein in der Tabelle steht – immer ein großer Klub. Und es hat damals mit Mike ja auch gut geklappt, vor allem beim ersten Mal. Da hatten wir mit Bordon, Jones, Kuranyi, Asamoah, Krstajic, Rakitic und vielen anderen aber auch eine Top-Truppe. So etwas kann als Trainer auch richtig Spaß machen, einer Mannschaft wieder neues Leben einzuhauchen.

Wenn Sie gespielt haben, war meistens Leben in der Bude. Noch heute gibt es viele Beobachter, die fest davon überzeugt sind, ohne ihre Aufsehen erregende Grätsche im ersten Spiel gegen Roda Kerkrade hätte Schalke sich 1996/97 niemals in diese UEFA-Cup-Euphorie hinein steigern können.

Ja, ich erinnere mich. Ich hatte so etwas schon mal gemacht, mit Twente Enschede gegen Ajax Amsterdam. Die waren besser als wir. Also wollte ich ein Zeichen setzen. Ich finde, so etwas gehört zum Fußball dazu. Ein Messi setzt andere Zeichen. Aber ich war kein Messi. Also musste und wollte ich Zeichen dieser Art setzen.

Wird der „50.“ am Samstag groß gefeiert?

Nein, das hole ich im April nach. Am Samstag muss ich fürs Fernsehen arbeiten – Vorbereitung aufs Länderspiel der Niederlande gegen Deutschland am Sonntag.

Immerhin haben wir jetzt ja doch ein bisschen über das aktuelle Schalke geredet...

Tatsächlich. Für Journalisten war und bin ich halt ein leichtes Opfer... (lacht)

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