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Die Kleine Märkische Straße in Schwerte soll als Aufstellfläche für die Feuerwehr dienen, falls es in den Fünfgeschossern der Nachbarstraße brennt. Warum werden dort keine Flächen geopfert?

Schwerte

, 16.08.2018 / Lesedauer: 3 min

Die Anwohner der Kleinen Märkischen Straße haben den Nachteil. Profitieren sollen andere von den Sperrflächen, die die Stadt ohne jegliche Vorankündigung großflächig auf beiden Seiten der Fahrbahn aufpinseln ließ.

„Man will die Kleine Märkische Straße als Feuerwehrzugang zu dem in Richtung auf die Märkische Straße hin gelegenen mehrstöckigen Gebäudekomplex, aufgeteilt in Eigentumswohnungen, benutzen“, erklärt Anwohner Horst Sipreck. Das seien die wahren Absichten der Behörde.

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„Ja, das ist so“, bestätigt Stadt-Pressesprecher Marco Gosewinkel. Die markierten Flächen seien der sinnvollste Punkt, um dort die Drehleiter der Feuerwehr zu parken, falls sich ein Brand in den Fünfgeschossern an der parallel verlaufenden Märkischen Straße ereignen sollte: „Es hat eine Begehung der Feuerwehr in Zusammenarbeit mit der Bauordnung stattgefunden.“

Drehleiter muss zur Stabilität Stützen ausfahren

Grundsätzlich benötige jedes Gebäude zwei Rettungswege, erklärt der stellvertretende Wachenleiter der Feuerwehr, Olaf Patzke. Während als erster Rettungsweg in der Regel der Treppenraum zur Verfügung stehe, werde der zweite üblicherweise mit Rettungsgeräten der Feuerwehr abgedeckt. Bis zu einer Höhe von sieben Metern könne dabei mit tragbaren Steckleitern gearbeitet werden. Für höhere Gebäude bis zur Hochhausgrenze von 22 Metern (darüber hinaus ist zwingend baulicherseits ein zweiter Rettungsweg vorgeschrieben) werde die Drehleiter eingesetzt.

Die ist in Schwerte 30 Meter lang und von der Karosserie her noch schlank, aber zur Stabilität müssen beim Aufstellen seitliche Stützen ausgefahren werden. „Und das braucht Platz“, erklärt Patzke.

Aufstellort ist immer eine Einzelfallentscheidung

Dafür dienen die schraffierten Flächen auf dem Asphalt in der Kleinen Märkischen Straße. „Es geht also nicht um Probleme der Sicherung des Straßenverkehrs, sondern um eine gewollte Übertragung der Nutzungsrechte an der Kleinen Märkischen Straße auf die Eigentümer des großen Gebäudes“, sagt Sipreck: „Diese sind offensichtlich nicht bereit, zum Schutze ihres Eigentums eine eigene Feuerwehrzufahrt anzulegen, wie es bei anderen größeren Bauten in der Nachbarschaft gehandhabt worden ist. Über ein hinreichend großes Gelände verfügen sie.“ Hinter dem Zaun sieht man eine ausgedehnte Grünfläche mit ein paar Bäumen.

Warum diese nicht als Aufstellfläche genutzt wird, kann Stadtsprecher Gosewinkel nicht sagen: „Das ist nicht bekannt.“ Es handele sich immer um eine Einzelfallentscheidung, erklärt der stellvertetende Feuerwehrchef Olaf Patzke. Manchmal würden auch auf Rasenflächen Aufstellflächen geschaffen.

Anwohner sieht viel Aufklärungsbedarf

Anwohner Sipreck will das Vorgehen nicht hinnehmen. „Das Verhalten der Behörde legt die Annahme nahe, dass sie sich auf die Seite der Eigentumswohnungseigentümer stellt und diese letztlich dabei unterstützt, die Kosten der allein ihnen zugutekommenden Feuerwehrauffahrt auf die Anlieger und Benutzer der Kleinen Märkischen Straße abzuwälzen, die in ihrem Gemeingebrauch eingeschränkt werden und auf eine Reihe von Parkplätzen verzichten müssen.“ In dieses Bild passe es, dass die Markierungsarbeiten ohne jede Ankündigung „in Geheimhaltung“ durchgeführt worden seien: „Insgesamt dürfte in der Angelegenheit noch einiges aufzuklären sein.“

Parkdruck im Rest der Straße hat schon zugenommen

Schon jetzt beobachtet Sipreck zunehmenden Parkdruck in der so stillen Anliegerstraße, die nur von Reihenhäusern gesäumt wird. Wer sonst seinen Wagen im Bereich der Sperrflächen aufgestellt hatte, weicht notgedrungen vor die Haustüren anderer Nachbarn aus.

„Ich werde die aufgebrachten Markierungen nicht beachten“, erklärt Sipreck. Denn in ihrem gegenwärtigen Zustand – ohne zusätzliche Halte- oder Parkverbotsschilder – würden diese Flächen für sich allein kein Halte- oder Parkverbot begründen. Ihr Zweck sei es nur, einen Verbotsbereich zu begrenzen: „Solche vorgeschriebenen Verbote hat es in den vergangenen 48 Jahren nie gegeben, und sie haben sich auch nie als erforderlich erwiesen.“ Möglicherweise – so Siprek – werde die Behörde seine Bedenken zum Anlass nehmen, zusätzlich Halte- und Parkverbotsschilder aufzustellen. Das koste aber Geld und sei sachlich völlig ungerechtfertigt, da aus verkehrstechnischen Gründen nicht das geringste Bedürfnis bestehe.

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