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Blick aufs Kind statt aufs Smartphone: Stadt will „Handy-Eltern“ sensibilisieren

rnKreisweite Kampagne

Eltern sollen das Handy in der Tasche lassen, wenn sie ihre Kinder dabei haben. Das ist das Ziel einer Kampagne, die für Schwerte und den Kreis Unna geplant ist. Eine sinnvolle Maßnahme?

von Maximilian Stascheit

Schwerte

, 06.03.2019 / Lesedauer: 3 min

Minutenlang ist die Mutter schon am Telefonieren, den Blick auf die Straße gerichtet. Sie schaut angestrengt und nervös, hat ihren Kindern auf dem Spielplatz schon eine ganze Weile den Rücken zugekehrt. Auf einer anderen Bank sitzt eine junge Frau, vertieft in ihr Smartphone, immer wieder am Tippen, zwischendurch eine Sprachnachricht. Die Kleinen sind ja beschäftigt.

Szenenwechsel an diesem sonnigen Frühlingsnachmittag: Eine Mutter sitzt auf einer Bank in der Innenstadt. Der kleine Säugling liegt im Kinderwagen neben ihr. Doch die Aufmerksamkeit gehört dem Handy.

Stadt Schwerte will sich an kreisweiter Aktion beteiligen

Natürlich ist das nicht der Regelfall. Auf dem gut besuchten Spielplatz am Ruhrweg sind an diesem sonnigen Nachmittag viele Eltern und Großeltern, die sich mit den Kindern auf der Schaukel oder der Rutsche beschäftigen. Und dennoch gibt es sie immer häufiger: Junge Mütter und Väter, die Signale ihrer Kinder nicht mehr wahrnehmen, weil das Handy in dem Moment wichtiger ist.

Das merken auch immer mehr Kommunen und versuchen, Eltern mit Aufklärungsmaßnahmen für den Umgang mit Kind und Smartphone zu sensibilisieren. So machte unlängst die Stadt Iserlohn mit einer Kampagne auf sich aufmerksam, die mit 1000 Plakaten in Kindergärten, Schulen und Ämtern apelliert, Nachrichten mit den Kindern statt dem Mobiltelefon auszutauschen.

Nun will auch die Stadt Schwerte auf den Zug aufspringen und mit einer kreisweiten Kampagne auf das Thema aufmerksam machen. „Wir finden die Initiative gut und haben uns dazu mit anderen Städten abgestimmt“, erklärt Pressesprecher Ingo Rous zwei Tage nach der ersten Anfange unserer Redaktion. Stefan Jäger, städtischer Netzwerkkordinator für den Bereich „Frühe Hilfen“, klärt derzeit mit den Kollegen im Kreis die logistischen Rahmenbedingungen. Wie konkret die Kampagne aussehen soll und wann sie startet, steht allerdings noch nicht fest.

Was kann eine Plakatkampagne bewirken?

Eine Plakataktion gegen „Handy-Eltern“ - ist solch eine Maßnahme sinnvoll? „Grundsätzlich finde ich die Idee spannend“, sagt Peter Blaschke. Der Sozialarbeiter des Schwerter Netzes für Jugend und Familie ist aber davon überzeugt, dass eine solche Aktion nur eine kurzfristige Maßnahme sein könne: „Im Sinne einer dauerhaften Beschilderung halte ich das für Quatsch. Schilder nimmt man einmal wahr, und dann nicht mehr“, so der Streetworker. Gezielte Kampagnen würde er allerdings begrüßen: „Dass man mal eine Plakataktion oder Handzettel macht und intensiv eine entsprechende Haltung bewirbt, fände ich gut und kann auch immer wieder Teil einer Elternberatung in Kindertagesstätten oder Schulen sein.“

Blaschke wirbt allerdings auch dafür, das Thema nicht überzubewerten: „Auf Spielplätzen sollen Eltern ja zum Beispiel auch mal die Möglichkeit bekommen, sich untereinander zu unterhalten und sind mit ihren Augen dann auch nicht unbedingt die ganze Zeit beim Kind“, so der Sozialarbeiter.

Gemeinsame Zeit ist auch für Eltern wertvoll

Annette Feller, die seit Anfang des Jahres als Familienberaterin in ihrer Praxis Auf der Gunst tätig ist, weist ebenfalls darauf hin, dass man keine „Helikopter-Mutter“ sein müsse, die das Kind permanent beobachte. Ungestörte gemeinsame Zeit könne allerdings auch für die Erwachsenen eine Bereicherung sein: „Wenn ich merke, wie schön es ist, mit dem Kind zusammen im Sandkasten zu sitzen, födert das auch den Augenblick des Glücks“, so die Familienberaterin.

Dass die Stadt Schwerte sich an der Aktion beteiligen möchte, begrüßt Feller: „Auch wenn man durch so eine Aktion nur einen kleinen Teil der Eltern erreicht, löst das vielleicht eine Reaktion aus und gibt anderen auch einen Denkanstoß.“

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