Diese Website verwendet Cookies. Cookies gewährleisten den vollen Funktionsumfang unseres Angebots, ermöglichen die Personalisierung von Inhalten und können für die Ausspielung von Werbung oder zu Analysezwecken gesetzt werden. Lesen Sie auch unsere Datenschutz-Erklärung

Die Skulptur einer Germania krönte die Siegessäule aus der Kaiserzeit, die 1953 kleingeschlagen wurde. Der Kopf landete in einem Acker. Weitere Bruchstücke finden sich noch an anderen Orten.

Hennen

, 07.09.2018 / Lesedauer: 3 min

Efeu überwucherte 65 Jahre lang das ebenmäßige Gesicht und auch die Krone. Auf einem Grundstück an der Hennener Straße versteckte sich Kopf der stolzen Germania, die vor 130 Jahren an der Ecke Scherling-/Hennener Straße aufgestellt worden war. Die heldische Frauengestalt sollte der 71 Soldaten aus dem Dorf gedenken, die in den Kriegen gegen Dänemark 1864 und Frankreich 1870/71 gestorben waren. Doch als 1953 ein neues Ehrenmal auf dem Friedhof entstand, wollte sie keiner mehr. Samt ihrem Sockel wurde die Skulptur achtlos zerschlagen.

Bruchstücke als Baumaterial verwendet

Die Bruchstücke verwendeten die sparsamen Hennener als Baumaterial. Teile des Ehrenkranzes, den die Germania in ihrer Rechten stolz in den Himmel gereckt hatte, entdeckte Ortsheimatpfleger Friedhelm Arno Berthold in einer Stützmauer vor dem ehemaligen Ortsgefängnis am Ohler Weg 19. Nachdem er Moos und Schmutz abgekratzt hatte, kamen die eingemeißelten Verzierungen deutlich zum Vorschein.

Die hätte sich der Ur-Hennener Mathias Holzrichter (38) gern als Schmuck ins Haus geholt, als er in den Heimat-Chroniken von Bertholds Funden las. Er machte sich auf zum Ohler Weg: „Aber der Besitzer wollte die Steine behalten.“ Dafür gab er einen entscheidenden Tipp: „Wende dich doch mal an den Heimatfreund Albert Ferber. Der erzählte mir, dass er den Kopf irgendwo auf einem Acker gesehen hat.“

Ehrenplatz auf einer Stele im Wohnzimmer

Das lag allerdings, wie sich herausstellte, schon zehn Jahre zurück. Doch Ferber wollte sich kümmern. „Er hat mich auf die Folter gespannt“, berichtet Holzrichter. Bis endlich die SMS aufs Handy kam: „Morgen ist Kopfbesichtigung.“ Auf einer Wiese hatte die Familie Schulz den Kopf schon bereitgelegt, den ihr Senior 1953 irgendwie gerettet hatte.

Schnell wurde man sich einig. Und auch Holzrichters Ehefrau willigte ein, dem Kopf der alten Sandstein-Dame einen Ehrenplatz auf einer eigens angefertigten Stahlstele im Wohnzimmer zu geben. Ein Steinmetz reinigte ihn noch vorher vom Moosbefall.

Hennener bauten die Siegessäule vor 130 Jahren auf

„Ich interessiere mich für Heimatgeschichte“, erzählt der neue Besitzer, der von Friedhelm Arno Berthold noch weitere Details erfuhr. Vor genau 130 Jahren – am 9. September 1888 – hatten die Hennener die Siegessäule aufgestellt, vor der sich zu Kaisers Geburtstag oder den Sedan-Feiern (zum Gedenken an den Sieg über die Franzosen) morgens die Schulkinder und nachmittags die Mitglieder des Kriegervereins bei Musik zur Kranzniederlegung versammelten. 1922 wurde die Stätte um eine dreiteilige Mauer mit den Namen der Toten aus dem Ersten Weltkrieg erweitert. Die wurde indes nicht zerschlagen, sondern auf Initiative von Berthold auf den Friedhof umgesetzt, als sie dem Bau des Verkehrskreisels weichen musste.

Der Kopf der Germania-Statue aus Hennen ist nach 65 Jahren wieder aufgetaucht

Auf der Schwarzweiß-Postkarte aus der Sammlung von Heimatfreund Albert Ferber reckt die Germania noch auf der Siegessäule an der Einmündung Scherling-/Hennener Straße ihren Ehrenkranz in die Höhe. © Reinhard Schmitz (Repro)

Schon die Römer kannten die Germania, eine Frau, die Germanien, also Deutschland, verkörperte. Die Frau, die es nie wirklich gab, wurde wie eine Göttin in Statuen verewigt. Später übernahmen die Deutschen diese Figur. Germania-Statuen gab es in fast jeder Stadt. Meistens wurden sie aufgestellt, um gefallene Soldaten zu ehren. Nach dem Zweiten Weltkrieg passte das vielerorts nicht mehr ins Bild. Die Statuen verschwanden wie die in Hennen.
Lesen Sie jetzt