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Viel zu viele entsorgen ihren Müll im Wald. Damit schaden sie dem gesamten Ökosystem. Und das kann sehr teuer werden. Nicht nur für den Wald-, auch für die Verschmutzer.

Schwerte

, 31.08.2018 / Lesedauer: 4 min


Versiffte Matratzen vermutet der eine oder andere vielleicht im Bordell. An einen Wald denkt wahrscheinlich fast keiner. Genauso wenig wie man dort für gewöhnlich ein rosa Sofa, Waschmaschinen, alte Reifen, Frittierfett und unendlich viele Plastiktüten im Grünen erwarten würde. Solche surrealen Anblicke gehören für viele Förster zur Routine. So auch für den Schwerter Andreas Weber.

Er ist für die Einhaltung des NRW-Landesforstgesetzes auf einer Fläche von 1200 Hektar in Schwerte zuständig. Das sind umgerechnet knapp 1700 Fußballfelder. Förster Andreas Weber betritt den Wald aus Sicherheitsgründen nur mit einer trittfesten Sohle, denn Nägel könnten sich in übliches Schuhwerk hineinbohren. Bei Temperaturen um die 30 Grad, wie in diesem Sommer üblich, würde er gerne leichteres Schuhwerk tragen, aber diese Gefahr will er nicht eingehen.

Müll kann Tiere töten

Als er den herumliegenden Müll zwischen den Bäumen am Wegesrand sieht, schüttelt er den Kopf: „Der gesunde Menschenverstand müsste einem doch sagen, dass es illegal und für das Ökosystem schädlich ist, wenn man hier Müll entsorgt.“ Seit drei Jahren ist Andreas Weber bereits Förster, und er hat schon viele solcher Funde gemacht. Aber kalt lassen sie ihn nicht. „Die Zersetzung von Öl oder andere chemischen Stoffen kann das Grundwasser verunreinigen. Tiere können sich in Gegenständen verhaken und im schlimmsten Fall an den Verletzungen sterben“, sagt er.

Für die Beseitigung des Abfalls aus dem Wald bis zum Wegesrand ist die Forstbehörde zuständig. Von dort aus übernimmt die Stadt Schwerte. Wenn der Müll nicht offensichtlich gefährlich und zu groß ist, trägt Andreas Förster den Müll selbst bis zum Weg und kontaktiert anschließend die Kommune. Bei großen und möglicherweise gefährlichen Gegenständen muss ein Unternehmen mit dem Abtransport beauftragt werden. Dazu ist eine aufwendige Ausschreibung vonnöten, die viel Zeit kostet und teuer ist. Die Leidtragenden sind in letzter Konsequenz alle Steuer- und Gebührenzahler.

Der Wald als Mülldeponie für Matratzen, Waschmaschinen, Unkraut und vieles mehr

Gegenüberstellung der legalen und illegalen Müllentsorgung © Paulitschke

Problem bei den Ausschreibungen ist, dass bei den Aufträgen ganz genau formuliert werden muss, welche Abfälle sich an welcher Stelle im Wald befinden. Bis das Unternehmen vor Ort ist, ist der Müllberg häufig noch größer geworden. Der zusätzliche Müll bleibt nicht selten liegen, und es muss wieder eine neue Ausschreibung in Auftrag gegeben werden.

Zu den Hauptaufgaben des Försters zählt eigentlich die Verjüngung des Waldes und damit verbunden die Wiederaufforstung. Fast täglich ist er jedoch bei seiner hoheitlichen Tätigkeit mit der Beseitigung des Mülls im Privatwald beschäftigt. Die Verursacher seien zwar leider selten zu ermitteln, weil sie wohl vor allem nachts unterwegs sind.

Hohe Geldstrafen für Müllsünder

„Aber wenn sie erwischt werden, kann es richtig teuer werden“, so der Förster. Es drohen je nach Vergehen hohe vierstellige Euro-Beträge. Dabei gibt es in Schwerte eine legale und vergleichsweise günstige Alternative, wo der Müll entsorgt werden könnte. Entweder könnte die Müllabfuhr gerufen oder der Abfall im Bauhof an der Schützenstraße selbst entsorgt werden.

Neben dem Müll machen dem Förster auch Neophyten zu schaffen. Das sind Pflanzen, die sich in Gebieten ansiedeln, in denen sie zuvor nicht heimisch waren und die verwurzelten Pflanzen verdrängen. In den Schwerter Wäldern sind mittlerweile vor allem der Bärenklau, drüsiges Springkraut und der Knöterich weit verbreitet.

Diese Pflanzen werden von Unbekannten im Wald entsorgt. Sie begreifen den Wald anscheinend als eine Art Deponie für ihr Unkraut. Auf dem ersten Blick sieht das drüsige Springkraut mit den rosa Blüten ansehnlich aus und wird im Volksmund auch liebevoll als Bauernorchidee bezeichnet. Dem Förster Andreas Weber macht es jedoch zu schaffen.

Der Wald als Mülldeponie für Matratzen, Waschmaschinen, Unkraut und vieles mehr

Das drüsige Springkraut verdrängt die heimischen Pflanzen im Wald . © Paulitschke

Er fährt mit seinem Geländewagen von der Straße bis tief in den Wald hinein und zeigt die Verbreitung. Am Wegesrand sind immer wieder die rosa Blüten zu sehen. „Die Pflanzen verbreiten sich über herumliegende Samen. Am Ende haben wir keinen Wald mehr, sondern eine Wüste vom drüsigen Springkraut“, so Andreas Weber. Der Förster arbeitet aktiv dagegen. Die Neophyten werden mit Freischneider oder Sense weggeschnitten. Das sei jedoch nur Symptombehandlung, weil die Pflanzen nachwachsen.

„Langfristig probiere ich an den Stellen, wo das Springkraut im Wald ist, wieder Bäume zu pflanzen oder die Naturverjüngung zu fördern, um auf natürliche Art und Weise das Springkraut auszudunkeln.“ Sobald das Unkraut nämlich kein Licht mehr erhält, weil Bäume Schatten werfen, sterben die Neophyten. Und der Wald lebt weiter. Genau darin besteht das Ziel des Försters.

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