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Weil Bauschutt aus dem Untergrund beim Buddeln im Spielsand auftauchte, wurde das Gelände im Juni gesperrt. Lange passierte nichts. Doch einen Tag nach dem Elternprotest reagierte die Stadt.

Schwerte

, 06.09.2018 / Lesedauer: 4 min

Unerreichbar sind die Wippe, die Schaukel und der Kletter-Rutsch-Turm. Das Herz blutet den Kindern aus dem Neubaugebiet Sachsenweg, wenn sie an dem hohen Absperrzaun vor dem Eingang zu ihrem Spielplatz vorbeigehen müssen. Seit mehr als einem Vierteljahr lassen die Reparaturen auf dem Gelände auf sich warten, wo sie sonst so ausgelassen und fröhlich herumturnten. Dabei geht es im Wesentlichen nur um den Austausch des Spielsands, aus dem die Eltern immer wieder dicke Steinbrocken herausgefischt hatten.

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„Die Kinder müssen den gesamten Sommer auf den Spielplatz verzichten“, sagt Jessica Neumeister, eine der Mütter, verärgert: „Wir stehen mit der Stadt über das Beschwerdemanagement zwar im Kontakt, müssen uns jedoch immer wieder vertrösten lassen.“

Platz war seit Jahren zusehends verkommen.

Eigentlich nicht viel anders als in der Zeit vor der Sperrung. Mehrfach – so berichtete Anwohnerin Stefanie Thöne – hätten Eltern damals bei der Stadt darum gebeten, den Platz in Ordnung zu bringen. Denn der sei seit Jahren zusehends verkommen. Am splitternden Holz der Wippe holten sich die Kinder blutige Finger. Die Schaukel ist seit einem Jahr wegen eines morschen Balkens nicht mehr aufgehängt. Und im Spielsand tauchte Bauschutt auf – offenbar hatten Arbeiter ihn dort in einer Grube abgekippt, über der anschließend der Spielplatz angelegt wurde. Beim Buddeln kamen die Brocken nach und nach wieder nach oben.

Stadt beauftragte eine Fremdfirma.

Während die Eltern auf eine Sanierung des relativ kleinen Geländes hofften, sperrte es die Stadt dann Anfang Juni einfach ab. „Bis auf Weiteres“, wie Pressesprecher Carsten Morgenthal damals sagte. Gleichzeitig versprach er, man werde sich bemühen, den Platz „so schnell wie möglich für den Spielbetrieb bereitzustellen“.

Die Eltern blieben am Ball. Mitte Juli – so Jessica Neumeister – sei ihnen vom städtischen Beschwerde-Management mitgeteilt worden, dass keine Kapazitäten für eine Instandsetzung in Eigenregie zur Verfügung stünden. Nach weiterem Nachhaken sei schließlich die Antwort gekommen, dass eine externe Firma für die Arbeiten gefunden sei, die „circa Mitte August“ loslegen werde. Der Monat ist auch wieder vorbei.

„Wir haben eine Fremdfirma damit beauftragt, den Sand auszutauschen“, bestätigte Stadt-Pressesprecher Carsten Morgenthal auf Anfrage. Dass das noch nicht geschehen sei, begründete er mit „internen Gründen innerhalb der beauftragten Firma“. Man gehe aber davon aus, dass die Arbeiten jetzt beginnen würden: „Wir werden das natürlich überwachen.“

Eltern sprechen von Armutszeugnis für die Stadt

„Das ist ein Armutszeugnis für die Stadt Schwerte“, sagt Jessica Neumeister. Der neue Bürgermeister Dimitrios Axourgos habe Wahlwerbung für den Einsatz für Kinder, Jugend und Familien gemacht, doch die Stadt schaffe es nicht zeitnah, eine Sandreinigung durchführen zu lassen: „Das Aufschieben und Vertrösten der Arbeiten macht deutlich, wie viel Kinder und Jugend dem Jugendamt und auch Herrn Bürgermeister Axourgos wert sind.“ Wenn die Sanierung endlich geschehen sei, sei die schönste Jahreszeit vorbei: „Dann können die Kinder nur noch mit Matschhose nach draußen.“

Update: Stadt hat reagiert

Die Kinder vom Sachsenweg dürfen hoffen: Am 17. und 18. September sollen endlich Arbeiter anrücken, um ihren seit drei Monaten von der Stadt gesperrten Spielplatz in Ordnung zu bringen. Das habe die beauftragte Firma auf weitere Nachfragen am Donnerstag mitgeteilt, berichtete Stadt-Pressesprecher Carsten Morgenthal in einer Stellungnahme. Am selben Tage hatten die betroffenen Eltern in den Ruhr Nachrichten noch einmal heftig über die ständige Vertröstung geklagt.

Bei dem Spielplatz – so erinnerte Morgenthal – handele es sich um ein Gelände, das durch die Gemeinnützige Wohnungsbaugenossenschaft erstellt und vor vielen Jahren an die Stadt übergeben worden sei. Mit der jetzt vom Jugendamt beauftragten Firma sei vereinbart gewesen, dass diese sich melden und verbindlich mitteile sollte, wann Kapazitäten für die Durchführung der Arbeiten bestehen: „Dies war bisher trotz Nachfragen nicht erfolgt.“

Das Überangebot an Aufträgen einerseits und die geringe Anzahl der zur Verfügung stehenden Fachfirmen anderseits erschwerten diese Bemühungen im Moment, erklärte Morgenthal. Betroffen davon seien zahlreiche noch ausstehende Arbeiten und Ersatzlieferungen auch auf anderen Kinderspielplätzen.

Gleichzeitig kündigt Morgenthal an, dass sich eine rathausinterne Abstimmungsrunde bei einer Tagung „in Kürze“ mit der weiteren Umsetzung des Kinderspielplatzentwicklungsplanes und den zahlreichen anstehenden Instandsetzungs- und Reparaturarbeiten auf Kinderspielplätzen beschäftigen werde. Mit am Tisch sitzen unter anderem Vertreter von Jugendamt, Baubetriebshof und Beschwerdemanagement. Vordringlich solle durch verwaltungsinterne Koordination verhindert werden, dass Spielplätze ganz oder teilweise wegen notwendiger Maßnahmen länger als erforderlich gesperrt bleiben. Verbessert werden solle auch für diese Fälle die Information von betroffenen Anwohnern.

„Der Jugendhilfeausschuss wird in seiner nächsten Sitzung am 12. September ebenfalls darüber informiert“, erklärte Morgenthal.

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