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Hoffnung auf das Ende eines Schandflecks

Schwerte: Hüsingstraße

. Zu einer Dreckecke verkommen war die leerstehende Gaststätte Alt Schwerte in der Fußgängerzone. Seit über zehn Jahren schien sich dort nichts zu ändern – bis Mittwoch Mittag.

Schwerte

, 07.02.2018 / Lesedauer: 4 min
Hoffnung auf das Ende eines Schandflecks

Mit einem Plakat vor der Fassade wurde gestern plötzlich angezeigt, wie neues Leben im alten Haus entstehen soll. © Foto: Reinhard Schmitz

Seit zwölf Jahren gammelt die ehemalige Gaststätte Haus Schwerte vor sich hin. Auch die angrenzende verlassene Schaufenster-Passage, in der einst das Herrenhaus Fischer für teure Herrenanzüge warb, ist inzwischen alles Andere als ein Schmuckstück. Vor den vernachlässigten Fassaden sah es für die Vorbeigehenden immer so aus, als würde sich an dieser Situation nichts ändern. Doch nun scheint Bewegung in das Ensemble zu kommen.

Am Mittwochmittag kaschierte plötzlich ein großes, schmuckes Banner das Erdgeschoss des oft als Schandfleck beschimpften Gebäudekomplexes und kündigte Weiß auf Rot an: „Hier entstehen demnächst 400 Quadratmeter neue Geschäftsfläche.“ Für Interessenten gab es darunter auch gleich eine E-Mail-Adresse und ein Kontakt-Telefon.

Gebäude an Nachkommen weitergereicht

„Das wäre ein Gewinn für die gesamte Schwerter Fußgängerzone, wenn das gelänge“, sagte Wirtschaftsförderer Jens Ewald: „Wir sind gespannt, aber ich bin guter Dinge.“ Wie er erfahren habe, sei das Gebäudeobjekt vom Eigentümer an die nächste Familiengeneration weitergegangen. Und dort schmiede man Pläne im Kontakt mit einem Architekten. „Der Sohn wolle 2018 richtig durchstarten“, berichtete er.

Näheres konnte die Redaktion am Nachmittag unter der auf dem Transparent genannten Telefonnummer, die zu einem Anrufbeantworter führte, leider noch nicht erfahren. Aber Peter Rienhöfer, Vorsitzender der Werbegemeinschaft Schwerte, wusste zumindest von einem Kontakt mit dem Immobilienbesitzer zu berichten. „Er will uns im März genaue Informationen geben, wie die genaue Bebauung des Grundstückes aussehen soll“, erklärte er. Bislang habe sich der Mann aber in Schweigen gehüllt.

Keine Bauvoranfrage bei der Stadt

Auch bei der Stadtverwaltung weiß man bislang nicht mehr. Es lägen – so Pressesprecher Alexander Nähle – derzeit keine Anfragen oder Informationen vor. Weder im Bereich Bauordnung noch bei den Stadtplanern.

„Um erst mal zu zeigen, dass sich was tut“, sei jetzt schon einmal das Transparent aufgehängt worden, erklärte Rienhöfer. Für dessen Finanzierung hätten sich Stadtmarketing, Werbegemeinschaft und der Immobilienbesitzer zusammengetan. Die Idee dazu war, wie Wirtschaftsförderer Ewald wusste, im Herbst entstanden. Eigentlich hätte das Transparent schon in der Vorweihnachtszeit die Schmuddelecke im Herzen der Fußgängerzone verdecken sollen. Doch das habe zeitlich leider nicht geklappt.

Einst eine gute Adresse

Verstecken brauchte sich das „Alt Schwerte“ früher nicht. Es gehörte einmal zu den guten Adressen der Stadt. Wie historische Postkarten verraten, war das Lokal bereits vor über 100 Jahren als Restauration und Café „Zur ewigen Lampe“ ein Treffpunkt der Geselligkeit. Wer genau hinschaut, entdeckt in der Fassadenverkleidung im zweiten Obergeschoss noch den kunstvoll in den Schieferplatten herausgearbeiteten Schriftzug „Café“.

Die Wirte hinter dem Tresen – in den Anfangsjahren waren es oft Witwen – kamen und gingen. Der letzte drehte 2006 endgültig die Zapfhähne hoch, um das Bier für seine Gäste künftig in der Feuerteichschänke an der Mährstraße zu zapfen. Seitdem fiel das „Alt Schwerte“, über dessen Seitenfassade zur Bäckerei Kamps immer noch ein lebensgroßer Landsknecht wacht, in den Dornröschenschlaf.

Wenig anders erging es dem angrenzenden Ladenlokal, das Anfang des 20. Jahrhundert von einem Lebensmittelladen der Tengelmann-Kette genutzt wurde. Dem Herrenhaus Fischer diente es später nur noch als Schaufenster, zuletzt zog ein gemeinnütziges „Knopf-Projekt“ mit einem Sammelsurium von Textil-Verschlüssen ein – und kurz darauf wieder aus.

Pläne für die zukünftige Entwicklung des Grundstücks tauchten schon mehrfach auf. Bereits im Oktober 2010 gab es eine Bauvoranfrage für ein viergeschossiges Wohn- und Geschäftshaus an dieser Stelle. Bei der Stadt jedoch stieß das Projekt auf Ablehnung, weil es ihrer Ansicht nach nicht in die Umgebung passe.

Vor fünf Jahren wurde dann bei einem Bürgerworkshop für ein neues Innenstadt-Konzept eine ganz andere Idee favorisiert. Vorgeschlagen wurde, das „Alt Schwerte“ abzureißen und an dieser Stelle eine Art Durchgangspassage von der Hüsing- zur Mährstraße zu schaffen. „Das scheiterte aber daran, dass es hier viele Immobilienbesitzer gab, die man unter einen Hut bringen musste“, erklärte später Stadtsprecher Carsten Morgenthal.

2014 schon Pläne vorgelegt

Einverstanden war die Stadt dann 2014, als die Pläne für ein Wohn- und Geschäftshaus auf zwei Geschosse geschrumpft waren. Umgesetzt wurden die bislang aber auch nicht. Für die Nachbarn eine unbefriedigende Situation. So ein Leerstand könne zu einer „Abwärtsspirale“ für die ganze Einkaufsstadt führen, befürchtete Joachim Kockelke, 2. Vorsitzender der Werbegemeinschaft, der nebenan sein Geschenkgeschäft betreibt: „Es liegt uns daran, dass da was passiert.“

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