Diese Website verwendet Cookies. Cookies gewährleisten den vollen Funktionsumfang unseres Angebots, ermöglichen die Personalisierung von Inhalten und können für die Ausspielung von Werbung oder zu Analysezwecken gesetzt werden. Lesen Sie auch unsere Datenschutz-Erklärung

Die Grünen luden den Bürgermeister zu einer Fahrradtour durch Schwerte ein. Dabei wurden einige neuralgische Punkte angesteuert - von der „Runden Ecke“ über die B236 bis zur Fußgängerzone.

Schwerte

, 28.07.2018 / Lesedauer: 4 min

Nein, in diesem Leben werden sie vermutlich keine richtigen Freunde mehr. Dass Fahrradfahrer und Autofahrer eine tief verwurzelte Konkurrenz pflegen, erfuhr am Mittwochnachmittag auch Bürgermeister Dimitrios Axourgos. Er war einer Einladung der Grünen gefolgt, die mit Vertretern des ADFC und einigen Bürgern die Verkehrssituation für Radfahrer in Schwerte unter die Lupe nahmen. Natürlich per Fahrrad.

Die passionierte Radfahrerin Monika Rosenthal von den Grünen hatte eine Strecke gewählt, die gleich an mehreren „Knackpunkten“ entlang führte. Am Rathaus setzte sich die 18-köpfige Kolonne in Bewegung – direkt ins „Kampfgebiet“ Hörder Straße.

Gefahr auf der B236

Wollen Radfahrer von der Karl-Gerharts-Straße links in die B236 abbiegen, müssen sie an der sogenannten „Runden Ecke“ entweder mutig genug sein, sich mit Pkw und dicken Brummis auf einer Fahrbahn unter der Brücke durchzuquetschen oder verbotenerweise direkt auf den schmalen Gehweg unter der Brücke zu schwenken – sofern dort nicht gerade Fußgänger den wenigen Platz beanspruchen. Viele Radler, so berichtete man dem Bürgermeister, würden diese Kreuzung entweder von vornherein auf der Seite entgegen der Fahrtrichtung passieren oder über die Fußgängerüberwege fahren. Beides eigentlich nicht erlaubt.

Radfahren ist in Schwerte nicht überall eine Freude – nicht nur wegen der Autofahrer

Die „Runde Ecke“ ist für Radfahrer eine Katastrophe. Für sie ist irgendwie nirgendwo Platz. © Foto Berkenbusch

Und überhaupt: Die B236 sei in ihrem gesamten Verlauf alles andere als fahrradfreundlich. Der Bürgermeister stimmte zu, musste den Radlern allerdings die Hoffnung nehmen, dass ein Bürgermeister schnell mal eben an der Ampelschaltung einer Bundesstraßen-Kreuzung schrauben lassen könne oder gar zusätzliche Überwege oder Querungshilfen anordnen könne. Bei Bundesstraßen seien die Planungen so vielschichtig, dass man von Jahren ausgehen müsse.

Bahnhofstunnel

Nach einem kurzen Stück B236 ging es links ab in die Sonnenstraße – für Radfahrer auch kein leichtes Unterfangen – und von dort aus zur Bahnhofstraße. Beim Bahnhofstunnel waren sich nicht einmal die Fahrradfahrer einig: Sollten die Radler wegen des hohen Tempos bergab die Fahrbahn nehmen oder den kombinierten Rad- und Gehweg, wo sich Fußgänger und Radler ständig in die Quere kommen? Reicht der Platz für eine eigene Fahrradspur auf der Fahrbahn? Schnelle Radfahrer auf die Fahrbahn? Langsame auf die Radwege? Der Idee, den Radfahrern an dieser Stelle gleich zwei Spuren zu gönnen, erteilte der Bürgermeister eine Absage: „Wenn wir anfangen, sowohl auf der Straße, als auch neben der Straße zu markieren, tragen wir eher zur Verwirrung bei, als dass wir Probleme lösen.“

Radfahren ist in Schwerte nicht überall eine Freude – nicht nur wegen der Autofahrer

Der Bahnhofstunnel gilt unter Radfahrern auch als neuralgischer Punkt. © Foto: Manuela Schwerte

Fußgängerzone

Über den Boulevard Bahnhofstraße ging es weiter zur Fußgängerzone. An Anfang der Hüsingstraße beklagten die Radler fehlende Abstellflächen für ihre Räder. Monika Rosenthal: „Der Ständer vor dem Drogeriemarkt reicht nicht aus. Hier gab es mal überdachte Fahrradständer, die sind nach irgendeinem Stadtfest einfach nicht wieder aufgetaucht.“ Da war auch der Bürgermeister nach erst drei Monaten im Amt überfragt. Beim Schieben durch die Fußgängerzone gab es dann doch noch einige Fahrradständer zu entdecken, trotz direkter Sicht-Anbindung zur Hüsingstraße erschienen diese den Radlern als zu „weit vom Schuss“. Da sind sich Auto- und Radfahrer dann doch wieder ganz nah: Am liebsten fahren sie bis direkt vors Geschäft. Dimitrios Axourgos bat um konkrete Vorschläge, wo Unterstellplätze gewünscht sind. Die werde er dann an die Fachverwaltung zur Prüfung weiterleiten: „Auch Abstellplätze gehören zu einer fahrradfreundlichen Stadt.“

Radfahren ist in Schwerte nicht überall eine Freude – nicht nur wegen der Autofahrer

Hier, am Anfang der Hüsingstraße, wünschen sich die Radfahrer die Rückkehr eines überdachten Abstellplatzes. © Foto Berkenbusch

Entlang der Hagener Straße radelte die Kolonne weiter in Richtung Wandhofen. Auf der Hagener Straße sorgen in Höhe City-Centrum im absoluten Halteverbot abgestellte Wagen immer wieder für Gefährdungen von Radfahrern, denen die zum Ausweichen gezwungenen Pkw gefährlich nah kommen. Dorthin, so versicherte der Bürgermeister, habe er schon die städtischen Ordnungshüter ausgesandt.

Ärger über Kreisverkehr

Mangels Radweg immer hübsch auf der Fahrbahn entlang, bis kurz vor dem Kreisel, da sollen die Räder sich mit den Fußgängern wieder den Gehweg teilen. An jeder Einmündung müssen sie dann wie die Fußgänger den Autos den Vorrang lassen. Haben sie auf diese Art den Kreisel überwunden, werden sie übrigens wieder auf die Fahrbahn geleitet. Das regt die Fahrradfahrer mächtig auf. Sie fühlen sich ausgebremst und gefährdet durch abbiegende Autos. Eine Westhofenerin kritisierte, dass das im dortigen Kreisverkehr ebenso „blöd“ geregelt sei, während man für den Kreisverkehr an der Schützenstraße eine fahrradfreundlichere Lösung gefunden habe.

Radfahren ist in Schwerte nicht überall eine Freude – nicht nur wegen der Autofahrer

Kurz vor dem Kreisverkehr in Wandhofen werden die Radler auf den Gehweg zurückbeordert, nach dem kreisel geht’s wieder auf die Straße. Das finden sie gefährlicher, als gleich auf der Straße zu bleiben. © Foto Berkenbusch

Perspektivwechsel

Nach der Ankunft am Rathaus zog Dimitrios Axourgos Bilanz: „Aus Fahrradsicht ist die eine oder andere Stelle durchaus kritisch zu betrachten, die man als Autofahrer so nicht wahrnimmt.“ Deshalb sei es wichtig, mit den Radfahrern im Gespräch zu bleiben.

Die hätten dem Bürgermeister selbstverständlich viele weitere Stellen zeigen können, an denen es aus ihrer Sicht hapert. Deshalb will man irgendwann erneut gemeinsam in die Pedale treten. „Dann“, so kündigte es Axourgos an, „sollte Fachpersonal aus der Verwaltung dabei sein, um direkt darüber aufklären zu können, warum etwas so oder so geregelt ist oder was eventuell längst geplant ist.“

Jetzt lesen

Lesen Sie jetzt