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Wegen Bauarbeiten an der Ferntransportleitung, die den Ortsteil versorgt, wird für einen Tag eine Notversorgung eingerichtet. Das hat in Ergste auch schon einmal funktioniert.

Villigst

, 27.08.2018 / Lesedauer: 3 min

Aus Gasflaschen versorgt wird ganz Villigst am kommenden Samstag, 1. September. Natürlich nicht aus solchen, wie sie im Camping-Zubehör angeboten werden. Aus zwei riesigen Spezial-Lkw mit 200-Bar-Hochdruckflaschen liefert der Fernleitungsnetzbetreiber Open Grid Europe (Essen) für einen Tag lang den Brennstoff für Heizungen und Herde in den ans Netz angeschlossenen 498 Gebäuden. Denn die sogenannte Südwestfalenleitung, von der aus das Gas normalerweise in den Ortsteil abgeleitet wird, muss wegen Reparaturarbeiten in diesem Abschnitt vorübergehend stillgelegt werden.

Bauarbeiten begannen im Juli

Schon seit Juli lässt Open Grid Europe an diesem 50 bis 70 Zentimeter dicken Ferntransportrohr entlang der Letmather Straße/B236 die Beschichtung der Außenhaut instand setzen. Sie dient als Schutz vor Rost und Beschädigungen von außen. Diese Arbeiten konnten bei vollem Betrieb vorgenommen werden. Doch jetzt muss auch noch eine Absperreinrichtung erneuert werden. Sie wird gegen eine modernere Armatur getauscht, die von der Dispatcher-Zentrale in Essen aus fernsteuerbar sein wird. Und während dieses Einbaus muss die Leitung natürlich gasfrei sein.

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So wurde 2011 Ergste mit Gas versorgt

27.08.2018
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Mit 200 Bar strömte das Gas aus den Tanklastzügen.© Foto: Reinhard Schmitz
Zwei Tanklaster versorgen den ganzen Ortsteil Ergste wegen Bauarbeiten am Netz mit Gas. In der mobilen Übergabestation an der Ruhrtalstraße wird der Druck von 200 auf 7 Bar reduziert und der Brennstoff angewärmt.© Foto: Reinhard Schmitz
Eine mobile Übergabestation an der Ruhrtalstraße erwärmte das Gas aus den Tanklastern und reduzierte den Druck von 200 auf sieben Bar, bevor der Brennstoff in der Stadtwerke-Station Auf dem Hallo ins Ergster Netz eingespeist wurde.© Foto: Reinhard Schmitz
Zwei Tanklaster versorgen den ganzen Ortsteil Ergste wegen Bauarbeiten am Netz mit Gas. In der mobilen Übergabestation an der Ruhrtalstraße wird der Druck von 200 auf 7 Bar reduziert und der Brennstoff angewärmt.© Foto: Reinhard Schmitz
Aus zwei Tanklastern an der Ruhrtalstraße wird der ganze Ortsteil Ergste mit Gas versorgt, weil die Zuleitung in Höhe der Justizvollzugsanstalt wegen Bauarbeiten unterbrochen ist.© Foto: Reinhard Schmitz
Bevor das Gas aus dem Transportlaster in der Station Auf dem Hallo in das Stadtwerke-Netz eingespeist wird, wird es von einer Heizung auf 60 Grad erwärmt. Ansonsten würde sich der Brennstoff zu stark abkühlen, wenn sich sein Druck von 200 auf sieben Bar entspannt.© Foto: Reinhard Schmitz
In der Station auf dem Hallo speist Bauleiter Arno Benninghoff das Gas aus den Tanklastern in das Stadtwerke-Netz ein.© Foto: Reinhard Schmitz
Mit 200 Bar strömte das Gas aus den Tanklastzügen. Zum Vergleich: Im Haushalt hat es nur noch 0,023 Bar.© Foto: Reinhard Schmitz

„Wir werden einen Sperrabschnitt sperren und eine Ersatzversorgung mit zwei Flaschenwagen einrichten“, sagt Unternehmenssprecher Helmut Roloff. Die Lkws werden in Höhe des Stahlwerks Ergste und nahe der Baustellenampel bei der Firma Theile an der B236 stehen, um von dort aus das Gas in das Villigster Ortsnetz einzuspeisen.

Schon einmal in Ergste

Auf dieselbe Weise hatten im April 2011 schon fast doppelt so viele Kunden in Ergste für einen Tag ihr Erdgas erhalten, als Open Grid Europe im Bereich an der Justizvollzugsanstalt ein sogenanntes Schieberkreuz erneuerte. Hier quert die Südwestfalenleitung, die von Dortmund nach Siegen führt, eine andere Ferntransportleitung des Unternehmens. Damals standen zwei der auffälligen weißen Flaschenwagen an der Ruhrtalstraße. Auf jedem von ihnen lagen sieben längliche Behälter, in die das Gas mit einem Druck von mächtigen 200 Bar hineingepresst war. Auf diese Weise standen insgesamt 7000 Kubikmeter des Brennstoffes für die Haushalte in Ergste zur Verfügung.

Gas wird vor Einspeisung erwärmt

Bevor das Erdgas in das Ortsnetz eingespeist werden konnte, wurde es in einer mobilen Übergabestation erwärmt und auf einen Druck von sieben Bar gedrosselt. Das ist immer noch kräftig. Denn in die Heizungstherme oder in den Küchenherd strömt es gerade mal noch mit 0,0023 bar.

Riesige Gasflaschen übernehmen die Notversorgung in Villigst

Aus zwei Flaschenwagen der Open Grid Europe werden am Samstag die Gaskunden in Ergste versorgt. © Andre Loessel Photography

Jetzt wird mit dem Absperrschieber an der Letmather Straße auch noch ein Stück Leitungsrohr ausgetauscht. Durch diese Maßnahmen verzögert sich die Fertigstellung der Baustelle, die eigentlich bis zum Ende der Schul-Sommerferien verschwunden sein sollte, noch bis Samstag, 8. September. Dabei ist weiterhin eine halbseitige Sperrung der Fahrbahn notwendig, weil die Rohre direkt parallel zu ihr im Erdreich verlegt sind. Die Bauzeit-Verlängerung sei mit der Stadt Schwerte abgesprochen, erklärt Roloff. Und betont: „Die Gasversorgung bleibt dabei weiterhin sichergestellt.“

Rohre noch aus dem Jahr 1928

Regelmäßig nimmt die Open Grid Europe Inspektions- und Wartungsarbeiten an ihrem Gas-Transportnetz vor. Die dicken Rohre der 140 Kilometer langen Südwestfalenleitung, die in einem Abschnitt durch Ergste verläuft, sind bereits im Jahre 1928 verlegt worden. Durch sie fließt das Gas mit einem Druck von acht Bar zu vielen Versorgungsunternehmen und regionalen Kunden. Angeschlossen sind neben Schwerte unter anderem auch die Städte Altena und Plettenberg. Im Verlauf der vom Unternehmen als „Ferntransportleitung 7“ bezeichneten Trasse gibt es insgesamt 46 Schiebergruppen, mit denen das Rohr bei Wartungsarbeiten abschnittsweise abgesperrt werden kann.

Größtes Netz Deutschlands

Insgesamt betreibt Open Grid Europe mit rund 12.000 Kilometern das nach eigenen Angaben größte Erdgas-Fernleitungsnetz in Deutschland. Seine Länge entspreche etwa dem des deutschen Autobahnnetzes. Das Unternehmen wurde im Jahre 2004 als Tochter der E.ON Ruhrgas gegründet. 2010 erhielt es seinen Namen Open Grid Europe (vormals E.ON Gastransport) und startete im September als unabhängige Netzbetreibergesellschaft. Seit dem Jahre 2012 gehört es zur Vier Gas Holdings Sarl in Luxemburg. Dahinter steht laut Internet-Enzyklopädie Wikipedia ein Konsortium von Infrastrukturfonds, die für den Kauf 3,2 Milliarden Euro gezahlt haben sollen. Die Kartellbehörden hätten die Genehmigungen für die Übernahme im Juli 2012 erteilt.
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