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Wenn ihre Einsatztaktik verraten wird, geht die Polizei gegen Videos im Internet vor. Im Fall des Schwerters, der seine eigene Verhaftung filmte, gibt es dazu bislang keinen Anlass.

Schwerte

, 21.01.2019 / Lesedauer: 3 min

Wild zucken ein paar Blitze durch den Raum. Eine männliche Gestalt, die gerade noch lässig an ihrem Weinglas nippte, lässt sich vom Stuhl fallen. Dunkel vermummte Beamte eines Sondereinsatzkommandos nehmen sie fest. Keine Szene aus einem Sonntagabend-„Tatort“-Krimi im Ersten, sondern Realität mitten in Schwerte.

Seine Verhaftung selbst gefilmt hatte der 50-jährige Schwerter, der dringend verdächtig ist, vor knapp zwei Wochen die 72-jährige Frau in der Gillstraße getötet zu haben. Seinen Live-Stream, den er auf Facebook in alle Welt geschickt hat, ist in seinem Profil auf dem sozialen Netzwerk immer noch für jedermann zu sehen. Die Behörden sahen bislang keinen Anlass, das Video herausnehmen zu lassen. Oder zumindest die letzte Sequenz abzuschneiden, auf der die Kriminalisten hereinstürmen.

„Freiwillig ins Internet gestellt“

„Er hat sich selber freiwillig ins Internet gestellt“, sagte der zuständige Staatsanwalt Michael Burggräf (Hagen). Deswegen sähe er keine Handhabe, dagegen vorzugehen: „Nur er selber kann das, wenn er das möchte.“

Grundsätzlich gibt es aber auch Fälle, in denen die Polizei Videos aus dem Internet entfernen lässt, berichtete Ute Hellmann, Pressesprecherin der Kreispolizeibehörde Unna, auf Anfrage.

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Auch sie kennt den Live-Stream des Tatverdächtigen, auch wenn die Ermittlungen in den Händen der Dortmunder Mordkommission liegen. Die Polizei in Unna verfüge über eine IT-Auswertungsstelle, die für ihren Bereich einen Veröffentlichungsstopp im Einzelfall prüfe.

Dabei gehe es einerseits um Persönlichkeitsrechte der in einem Film womöglich zu sehenden Kollegen, aber vor allem beim Einsatz von Spezialeinheiten auch um polizeitaktische Maßnahmen, die zu erkennen sein könnten: „Das sehen wir kritisch, wenn die Kriminellen wissen: So geht die Polizei vor.“ Dann werde ein „Anleitungsvideo“ ins Netz gestellt.

Weg über Facebook

Was häufiger vorkomme - so Ute Hellmann - seien aber die Gaffer mit der Kamera bei Unfällen und anderen Polizeiaktionen. Ganz nah wollten die heran und behinderten oft die Einsatzkräfte, nur weil sie meinten, diese Situation unbedingt übertragen zu müssen. Die Sprecherin kennt sogar ganz dreiste Fälle: „Da mussten die Beamten hören: Können Sie mal zur Seite gehen, Sie stehen beim Filmen im Weg.“ Dabei sollten die Gaffer doch erkennen, dass sie selbst auch nicht im Internet zu sehen sein möchten, wenn sie blutend auf dem Boden liegen.

Im besten Fall bringt dann ein Gespräch die Hobby-Filmer zur Einsicht, so dass sie das Video selbst von ihrer Internet-Seite entfernen. Ansonsten müsse die Polizei den offiziellen Weg über Facebook gehen, um die Herausnahme zu veranlassen.

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