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Die Zukunft des Selmer Hallenbades ist gesichert - zumindest mittelfristig

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Im Frühjahr 2019 öffnet in Werne wieder das Solebad. Das werde keine Auswirkungen auf das Selmer Hallenbad haben, meint der Betreiber. All zu weit in die Zukunft will er aber nicht blicken.

Selm

, 07.12.2018 / Lesedauer: 4 min

Auswirkungen auf Selm habe das Solebad in der Nachbarstadt Werne nicht, sagt Heinrich Ferkmann. „Weder zum Guten, noch zum Schlechten.“ Als das Werner Solebad im April 2015 schloss, habe das die Zahl der Selmer Badegäste nicht spürbar steigen lassen, so Ferkmann. Wenn es im Frühjahr 2019 rundum erneuert wieder öffne, werde das auch keinen Einfluss auf Selm haben. „Dafür sind die Angebote einfach zu unterschiedlich.“ Der 57-jährige Drensteinfurter muss es wissen. Er ist seit 2002 Eigentümer des ursprünglich städtischen Bades. Dass das nicht konkurrieren kann mit den großen Freizeitbädern des Ruhrgebiets, die nach dem Motto „weiter, höher, bunter“ um Tagesgäste buhlen, war ihm von vornherein klar.

„Auch Werne spielt in einer anderen Liga“, so Ferkmann. Das inzwischen 45 Jahre alte Selmer Bad könne sich nicht mit Freizeitbädern wie dem in Werne vergleichen. „Mit einer Beckengröße von 10 mal 25 Meter haben wir ein Lehrschwimmbecken.“ Die Selmerinnen und Selmer wissen aber, was sie an ihrem Bad haben.

Besucherzahlen sind seit Jahren konstant

„Die Besucherzahlen sind seit Jahren nahezu konstant“, so Ferkmann. Morgens früh ziehen zwischen 6 und 8 Uhr in der Regel 30 Frühschwimmer ihre Bahnen. Nachmittags seien ebenfalls etwa 30 Besucher - Erwachsene wie Kinder - im Wasser. Dazu kämen Schulklassen, Vereinssportler und Kursteilnehmer. Unterm Strich komme das Bad mit freiem Blick auf die Campus-Platz-Baustelle auf 250 bis 300 Badegäste pro Tag. Damit ist Ferkmann ganz zufrieden - solange nur nichts kaputt geht im schon etwas betagten Bad.

Seit 2003 in privater Hand

Die Stadt Selm hatte 2002 das bis dahin städtische Hallenbad an der Ecke Kreisstraße/Sandforter Weg an Ferkmann verkauft. „Für einen symbolischen Betrag von einer D-Mark“, sagt Stadtsprecher Malte Woesmann. Ein Geschäft, von dem beide Seiten sich etwas versprachen: Die damals schon hoch verschuldete Stadt konnte sich eines Betriebs entledigen, mit dem sie Jahr für Jahr nur rote Zahlen schrieb. Und Heinrich Ferkmann erhielt für seine zum „4Elements“ expandierende Physiotherapiepraxis ein geräumiges Therapiebecken für den wachsenden Trainingsbereich mit Sauna und Gerätepark. Dass auch weiterhin der öffentliche Badebetrieb, sowie das Schul- und Vereinsschwimmen gewährleistet bleiben, haben die beiden Vertragspartner im Kaufvertrag festschreiben lassen. Die Stadt Selm zahlt dem Eigentümer dafür eine Entschädigung von rund 146.000 Euro pro Jahr, wie Woesmann mitteilt. Der Unterhalt des Gebäudes ist allein Sache des Eigentümers.

Die Zukunft des Selmer Hallenbades ist gesichert - zumindest mittelfristig

Nach dem Saunabesuch können die Gäste hier ruhen. © Sylvia vom Hofe

Seit 1972 war nahezu jährlich ein neues Freizeitbad im Ruhrgebiet eröffnet worden, wie der Regionalverband Ruhr mitteilen lässt. In diesen Anlagen seien zudem erhebliche Modernisierungsmaßnahmen durchgeführt: Investitionen, die sich nicht immer auszahlten. Seit 2002 hat bundesweit nahezu jedes zehnte Bad geschlossen. Und das Schwimmbadsterben ist noch nicht vorbei, wie die Deutsche Lebensrettungsgesellschaft (DLRG) befürchtet. Im Gegenteil: In NRW habe in diesem Jahr im Schnitt jeden Monat ein Bad geschlossen. Ohne die Privatisierung, da sind sich in Selm alle Beteiligten einig, wäre auch das Selmer Bad längst Geschichte.

Schulschwimmen ist in Selm noch üblich

Das wäre ein Schlag - nicht nur für ausgewiesene Sportler, sondern insbesondere für die Selmer Kinder und Jugendlichen, sagt Michael Merten, der Vorsitzende des Stadtsportverbandes. Ihm macht es große Sorgen, dass bundesweit immer weniger Kinder schwimmen könnten. „Dabei ist das doch lebenswichtig.“ Merten sieht die Kommunen in der Pflicht, Angebote zu erhalten, um Schwimmunterricht zu ermöglichen. Das gelinge längst nicht mehr jeder Stadt und Gemeinde. Merten ist daher glücklich, dass es in Selm gelinge, allen Schulen Schwimmunterricht zu ermöglichen in dem gepflegten, kleinen Bad. Zusätzlich zum Schulschwimmen - „die Hälfte der Grundschüler kann noch nicht schwimmen“, weiß Fortmann - bietet das Selmer Bad im „4Elements“ selbst Schwimmkurse an. „Alle sechs Wochen beginnt ein solcher Schwimmkurs, der mit dem Seepferdchen-Abzeichen endet.“ 104 Euro kosten 12 Einheiten. Das Bad macht auch Kindern, die sich nicht im nassen Element zuhause fühlen, den Sprung hinein leicht. Das hat mit der Temperatur zu tun.

Pullewannenwarmes Wasser

„Wir habe eine Wassertemperatur von 30,5 Grad“, sagt Ferkmann. 3,5 Grad mehr als es in einem Sportbecken üblich ist. „Das hat damit zu tun, dass wir auch Babyschwimmen anbieten und auch Rheuma-Patienten bei uns trainieren.“ Das Selmer Becken verbreitet nicht nur Wärme, sondern auch Sicherheit. „An der tiefsten Stelle ist es bei uns 1,80 Meter tief, an der niedrigsten 90 Zentimeter.“ In zwei Dritteln des Beckens könnten die meisten stehen.

Nachdem Heinrich Ferkmann das Bad übernommen hatte, ließ er es umfangreich sanieren: neue Mess- und Regeltechik, neue Isolierung, neues Dach und neue Fenster. Dank dieser Großmaßnahme sei heute alles noch gut in Schuss. „So kann es noch einige Jahre weitergehen.“ Er spricht von „bestimmt noch fünf Jahren.“ Eine erneute, derart umfangreiche Sanierung wie vor gut 15 Jahren plane er nicht. Und wenn spontan etwas Größeres kaputtgeht? Die Frage ist dem 57-Jährigen zu spekulativ.

„Stadt plant keinen Neubau“

Auch Malte Woesmann, der Stadtsprecher, kann darauf keine Antwort geben. Nur so viel: „Derzeit sind der Neubau oder die Sanierung von Bädern nicht in der mittelfristigen Finanzplanung des Haushaltsplanentwurfs 2019/20 vorgesehen.“

Für die Finanzplanung des einzelnen Badegasts bleibt alles beim Alten. Nachdem das Selmer Bad vor einem Jahr den Preis leicht angehoben hatte, zahlen Erwachsene 5 Euro und Kinder 2,50 Euro. Zum Vergleich: Im Solebad Werne wird der Eintritt mit 10,50 Euro für einen Erwachsenen zu Buche schlagen.

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