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Ein letzter Blick auf Haus Seeblick am Ufer des Ternscher Sees in Selm

rnSelmer Ausflugslokal

Dunkle Wolken, nass und windig: kein Wetter, um auf der Sonnenterrasse zu sitzen und auf den Ternscher See zu schauen. Allerdings bestes Wetter für das , was der Baggerfahrer vorhat.

Selm

, 12.03.2019 / Lesedauer: 3 min

Von dem Postkartenmotiv ist nicht mehr viel geblieben. Erst der Leerstand, jetzt gibt ihm der Bagger den Rest: Von dem „Haus Seeblick“ wird in wenigen Tagen nichts mehr zu sehen sein. Ein Grund, jetzt noch einen Blick zurückzuwerfen.

In die 1950er-Jahre, vielleicht auch in die Zeit Anfang der 60er-Jahre. So genau lasse sich das nicht sagen, teilt die gräfliche Verwaltung Haus Sandfort mit. Was aber sicher ist: Haus Seeblick hatte sich bereits kurz nach der Eröffnung zu einem beliebten Ausflugsziel entwickelt.

Tanztee war beliebt

Ob aus Selm oder Olfen, aus dem weiteren Münsterland oder dem angrenzenden Ruhrgebiet: Die Menschen machten sich – vor allem noch mit dem Fahrrad, denn Autos waren längst noch nicht selbstverständlich – gerne auf den Weg zum 15 Hektar großen See vor der Haustür. Und damit auch zum Seeblick. Die Gaststätte verstand aber nicht nur, mit Ausblick und Sonnenplätzen zu punkten.

Ein letzter Blick auf Haus Seeblick am Ufer des Ternscher Sees in Selm

Eine zeitgenössische Postkarte: die Aussicht von der Terrasse des Haus Seeblick.

„Aus Erzählungen weiß ich von beliebten Tanztee-Veranstaltungen“, sagt Moritz Graf vom Hagen-Plettenberg den RN. Insbesondere das Pächterehepaar Woltermann habe diese Zeit geprägt.

Ein letzter Blick auf Haus Seeblick am Ufer des Ternscher Sees in Selm

Das Haus Seeblick früher, wie eine Postkarte sie zeigte. © Postkarte

In den 1980er-Jahren ließen die Eltern des Grafen einen Anbau errichten. Die Idee: Der Seeblick sollte nicht wie bislang allein auf das Saisongeschäft im Sommer und von der launischen Witterung angewiesen sein. Die Kehrseite des Vorhabens: Mehr Platz für Kunden bedeutet auch mehr Personal: mehr Personalkosten und mehr Instandhaltungsaufwand – und das in einer Zeit, als das allgemeine Kneipen- und Gaststättensterben beginnt. Die Rechnung ging nicht auf.

Als Selm noch 69 Gatronomiebetriebe hatte

„Selm bietet Ausflugsmöglichkeiten in die nähere und weitere Umgebung. Für das leibliche Wohl der Gäste sorgen 69 Gaststättenbetriebe“, hatten die Ruhr Nachrichten noch in den 1970er-Jahren berichtet. Inzwischen sind es etwas mehr als zehn. Das Haus Seeblick gehört nicht mehr dazu. An seine Stelle wird auch kein neuer Gastronomiebetrieb treten, aber etwas, das dem Tourismus rund um den See nutzen wird.

„Wir möchten eine attraktive Eingangssituation schaffen“, sagt vom Hagen-Plettenberg etwas vage mit Blick auf den Seepark Ternsche mit Strandbad, Liegewiese und Campingmöglichkeiten, egal, ob im eigenen Wohnwagen (Standplatz pro Nacht und Fahrzeug inklusive Strom 12 Euro, Kurzzeitcamper ab 16 Jahre zahlen pro Nacht 6 bzw. 7 Euro), im Safarizelt oder im Schwedenhaus auf Stelzen. Das sei mit den Städten Selm und Olfen auch im Zuge des Regionale-Projekts „Wasserwege Stever“ abgesprochen.

Werden Ferienhäuser folgen?

Unmittelbar nach dem Abriss gehe es nicht gleich mit Neubauarbeiten weiter. „Wir werden unser Vorhaben rechtzeitig vorstellen“, sagt er und ergänzt: „Gegebenenfalls“ werde es sich um Ferienhäuser handeln. Schon konkreter ist etwas anderes: Das Strandcafé direkt am Seeufer eröffnet voraussichtlich wieder am 22. März um 14 Uhr – vorerst nur an den Wochenenden.

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