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BVB-Handballfrauen hegen den Wunsch nach Aha-Erlebnissen

BVB-Handballfrauen

Vor dem Saisonstart der BVB-Handballdamen haben wir mit Andreas Heiermann, Andreas Bartels, Norman Rentsch, Caroline Müller und Rinka Duijndam über die neue Spielzeit gesprochen.

Dortmund

, 31.08.2018
BVB-Handballfrauen hegen den Wunsch nach Aha-Erlebnissen

Norman Rentsch geht in sein erstes Jahr als BVB-Trainer. © Stephan Schütze

Acht Wochen Vorbereitung unter dem neuen Trainer Norman Rentsch sind vorbei, in einer Woche starten die Bundesliga-Handballerinnen von Borussia Dortmund mit dem Heimspiel gegen Frisch auf Göppingen in die neue Saison. Thomas Schulzke und Oliver Brand sprachen mit den Abteilungsvorständen Andreas Heiermann und Andreas Bartels, Trainer Norman Rentsch sowie den beiden Spielerinnen Caroline Müller und Rinka Duijndam über Spielsysteme und Ziele.

Herr Rentsch, für gewöhnlich fragt man am Ende einer Vorbereitung, wie sehr man sich darüber freut, dass es endlich losgeht. Sie sind neu beim BVB. Hätten Sie gerne noch etwas mehr Zeit gehabt, um Ihre Ideen umzusetzen?

Rentsch: Nein. Wir haben die Vorbereitung sogar bewusst eine Woche nach hinten verschoben, damit sie sich nicht wie Kaugummi zieht, sondern damit sich ein gewisser Spannungsbogen aufbauen kann. Ich denke, das ist uns ganz gut gelungen, auch wenn wir noch nicht am Ende sind. Aber unsere Idee, unsere Philosophie wird sicherlich erst nach einem Vierteljahr greifen können. Diese Zeit nehmen wir uns auch bewusst.

Ist die Mannschaft zu diesem Zeitpunkt schon so weit, wie Sie sie gerne hätten?
Rentsch:
Da hängen wir noch etwas hinterher. Was aber einen einfachen Grund hat, nämlich dass wir nicht mit der ganzen Breite unseres Kaders arbeiten und antreten konnten. Das lag einerseits an leichten Verletzungen. Auf der anderen Seite sind die Jugendnationalspielerinnen erst seit dieser Woche zurück.

Was fehlt noch?

Rentsch: Der Prozess innerhalb der Mannschaft ist noch nicht abgeschlossen. Die neuen Spielerinnen sind zwar gut aufgenommen worden, aber die reine Hierarchie-Bildung braucht sicherlich noch Zeit.

In den vergangenen Jahren hat sich die Borussia vor allem über die Defensive definiert. Wie wünscht sich der Vorstand den neuen BVB unter Norman Rentsch?

Heiermann: Zunächst einmal geht es bei uns um Entwicklung. Dazu gehört, dass wir uns weiter in der Liga-Spitze etablieren. Der nächste Schritt wird dann sein - und das wird eine Herkulesaufgabe für den Trainer -, dass man dabei junge Spielerinnen integriert. Dass man sich weiter entwickelt, das System entwickelt, offensiver spielt.

BVB-Handballfrauen hegen den Wunsch nach Aha-Erlebnissen

Auch die Weiterentwicklung von Talenten ist für Andreas Heiermann wichtig. © Stephan Schütze

War bei der Trainersuche klar, dass sie einen offensiveren Spielstil wollen?

Bartels: Wir haben uns zusammengesetzt und analysiert, was bereits gut ist und wo es an der ein oder anderen Stelle noch fehlt.

Was war das Ergebnis?

Bartels: Dass wir uns mit jungen Spielerinnen dort etablieren wollen, wo wir angekommen sind. Aber das Ganze eben auch gepaart mit einem attraktiveren Handball. Mit einem offensiveren und schnelleren Spiel. Auch, um mehr Zuschauer für unseren Sport zu begeistern. Am Ende sind wir dabei immer beim Namen Norman Rentsch hängen geblieben.

Wie groß ist die Umstellung für die Spielerinnen?

Müller: Das ist eine Umstellung, aber eine sehr positive, wie ich finde. Wir spielen schneller, mit mehr Druck. Daran muss man sich erst einmal gewöhnen und wird auch eine gewisse Anpassungszeit brauchen. Aber die individuellen Stärken der einzelnen Spielerinnen kommen nun mehr zum Vorschein. Man braucht keine drei Werferinnen aus dem Rückraum mehr, um erfolgreich zu sein.

Herr Rentsch, wofür soll Ihre Mannschaft stehen?

Rentsch: Die Spielerinnen sollen erkennen, dass sie Spiele auch alleine entscheiden können. Dass sich das nicht nur auf zwei, drei Spielerinnen begrenzt, sondern dass auch im gruppentaktischen Bereich, über Außen, etwas funktioniert. Sie sollen individuell kreative Lösungen für sich entwickeln. Überraschen. Und auch einfach mal ein Aha-Erlebnis bei den Zuschauern hervorzurufen. Das hat hier vielleicht ein bisschen gefehlt und macht den Handball an sich ja auch attraktiv. Wir haben viele Spielerinnen, in denen das Potenzial schlummert, aber das muss technisch eben auch erarbeitet werden. Und darauf legen wir jetzt Wert.

Wie schafft man den Spagat, erfolgreich zu sein und junge Talente einzubauen?

Rentsch: Das macht die Aufgabe für einen Trainer so reizvoll. Nicht nur um Titel zu spielen, sondern einzelne Spielerinnen besser zu machen. Was bei uns, gerade auch im Trainingslager, erarbeitet wurde, ist das Thema Demut. Über eine nachhaltige, schrittweise Entwicklung, einer Spielerin auch mal Fehler zuzugestehen, und über Vertrauen wollen wir sie zu besseren Handballerinnen machen. Dazu brauchen wir die Ruhe.

In der Vorbereitung wurde auch das System mit sieben Feldspielerinnen getestet. Wie anspruchsvoll ist das für die Torhüterinnen?

Duijndam: Ich sehe es positiv, dass wir mehr ins Angriffsspiel mit einbezogen werden. Sonst heißt es ja immer, dass wir Torhüterinnen nur Abwehr spielen müssen. Man muss konstant verfolgen, was offensiv passiert.

Rentsch: Das gehört zum modernen Handball dazu. Bei sieben gegen sechs, in allen Formen, entsteht eine weitere taktische Komponente - mit zwei Kreisläuferinnen, mit drei Kreisläuferinnen, mit vier Aufbauspielerinnen. Das verkörpert diese ganze Idee Handball.

BVB-Handballfrauen hegen den Wunsch nach Aha-Erlebnissen

Torhüterin Rinka Duijndam wird mehr ins Offensivspiel des BVB eingebunden. © Stephan Schütze

Es gibt einige Neuzugänge wie Linda Mack, Hildigunnur Einarsdottir oder Asuka Fujita sowie die beiden Torhüterinnen Yara ten Holte und Rinka Duijndam. Ist der Konkurrenzkampf größer geworden?

Müller: Er ist nicht größer geworden, sondern anders. Dadurch, dass wir uns auf anderen Positionen verstärkt haben. Wir haben mit Linda Mack wieder eine Linkshänderin dazubekommen, sodass wir auf anderen Positionen spielen können als letztes Jahr. Und für uns ist halt klar: Wer keine Leistung bringt, der spielt nicht. Aber das ist für mich kein Konkurrenzkampf, sondern Leistungsport.

Das Auftaktprogramm mit Göppingen, Leverkusen und Metzingen liest sich durchaus anspruchsvoll …
Heiermann:
Erstens würde ich den Fokus zunächst mal auf das erste Spiel gegen Göppingen legen. Die sind aus meiner Sicht auf dem gleichen Niveau wie die anderen beiden. Und zweitens: Ein geileres Auftaktprogramm als unseres geht gar nicht. Du bist sofort immer auf Augenhöhe, und das ist, wenn man Ambitionen hat sich entwickeln und den Zuschauern Freude bereiten will, doch viel besser, als wenn es gegen Vereine geht, die unten stehen.

Müller: Für mich ist es ein guter Gradmesser. Beim Wunderhornturnier in Oldenburg haben wir gegen Leverkusen gespielt und Lehrgeld bezahlt. Göppingen weiß man nie genau, was man bekommt. Metzingen hat viele Neue und muss sich auch erst einmal finden. Im Endeffekt müssen wir die sechs Punkte holen, und um mehr geht’s nicht.

Sie wollen sich in der Spitzengruppe etablieren. Wie bewerten Sie die Konkurrenz?
Rentsch: Thüringen und Bietigheim sind natürlich die Topfavoriten, auch, weil die wirtschaftliche Kraft dahintersteckt. Auch Metzingen darf man da nicht vergessen. Andere Mannschaften, da zähle ich uns dazu, Buxtehude, Leverkusen und auch Blomberg, die sich über den Nachwuchs definieren, werden eine gute Rolle spielen.

Wann würden Sie von einer erfolgreichen Saison sprechen?

Rentsch: Wir wollen zusammenwachsen, die Potenziale der jungen Spielerinnen abrufen und attraktiven Handball spielen - auch um die Wahrnehmung, die in der Stadt ein wenig zu kurz kommt, zu stärken. Wir haben hier so viel Qualität in der Mannschaft, wo sich andere Städte, wenn sie so eine Mannschaft hätten, wahnsinnig glücklich schätzen würden. Da ist Weltklasse dabei, da sind Titel und Länderspiele dahinter - und eben Zukunft. Wenn wir dem Publikum zeigen, dass wir nicht mehr altbacken spielen, sondern frischen Wind reinbringen, dann wird das honoriert.

In der Regel möchte man sich nicht verschlechtern. Im vergangenen Jahr stand Platz vier. Ist das auch das Ziel in diesem Jahr?

Bartels: Um uns herum herrscht sicherlich der Wunsch vor, dass der vierte Platz keine Eintagsfliege bleibt. Deshalb haben wir gesagt, dass wir uns in diesem Bereich bewegen wollen. Nur man muss auch sehen, dass in der vergangenen Saison fast zwischen Platz zwei und acht alles möglich war. Und ich denke, dass es in diesem Jahr ähnlich eng wird. Aber wir tun gut daran, unsere Ziele nicht an einem Tabellenplatz festzumachen.

Heiermann: Wir sind verdammt stolz darauf, was das Team in der vergangenen Saison trotz all der Umstände erreicht hat. Und natürlich gehen Andreas Bartels und ich in den Keller, wenn wir nicht Vierter werden, das gebe ich offen zu. Schaffen wir das aber nicht und werden Fünfter, entwickeln dafür aber zwei junge Spielerinnen wie Dana Bleckmann oder Leonie Kockel, dann freuen wir uns ebenfalls riesig. Nur eine Sache dürfen wir nicht vergessen …

BVB-Handballfrauen hegen den Wunsch nach Aha-Erlebnissen

Mit offensivem Handball will Andreas Bartels wieder mehr Menschen in die Halle locken. © Stephan Schütze

Welche?

Heiermann: Wenn man mit Talenten oder potenziellen Neuzugängen spricht, sagen alle, dass sie international spielen wollen. Diesen Druck haben wir.

Vor einem Jahr gab es den Wunsch, dass mehr Fußballer zu den Spielen kommen, um mehr Strahlkraft zu erzeugen, ähnlich wie bei den Basketballern des FC Bayern …
Heiermann:
Ich bin zuversichtlich, dass sich das jetzt ändern wird. Nicht, weil ich optimistisch sein muss, sondern durch die neue Konstellation beim BVB unter anderem mit Sebastian Kehl oder Patrick Owomoyela, mit denen ich auch im Dialog stehe. Das liegt letztlich aber auch an uns, was wir auf der Platte zeigen.

Ist es in diesem Zusammenhang ein Problem, dass der BVB seine Heimspiele bis Dezember in Herdecke austragen wird?

Heiermann: Die Halle ist zwar klein, dafür aber tipptopp. Ich denke, dass dort eine mega Stimmung herrschen wird, die Mannschaft fühlt sich dort wohl und ich freue mich total auf Herdecke. Zu Andreas Bartels habe ich gesagt, dass wir da vielleicht gar nicht mehr rausgehen werden (lacht).

Bartels: In die Halle passen rund 750 Zuschauer, und ich bin überzeugt davon, dass sie bei den Heimspielen voll sein wird und wir eine sehr gute Akkustik und Stimmung haben werden. Das wird uns helfen können für das Gesamtbild, um das Thema unseres Handballs ein Stück weit nach vorne zu tragen.

Wie sehen das die Spielerinnen? Ist es gefühlt eher Heim- oder doch Auswärtsspiel?

Müller: Ganz ehrlich: Mir ist es eigentlich egal, wo die Halle ist. Das Spielfeld ist 20 mal 40 Meter, es gibt zwei Tore und man muss Tore werfen.

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Will sechs Punkte aus den ersten drei Spielen holen: Caroline Müller. © Stephan Schütze

Wo wird das EHF-Pokalspiel gegen HC Zalau ausgetragen?

Bartels: Wir werden für dieses Spiel am 21. Oktober um 17 Uhr in die Westpress Arena nach Hamm gehen. Dort finden 2600 Zuschauer Platz.

Ihre Ex-Trainerin Ildiko Barna hat im Sommer die Empfehlung ausgesprochen, einen professionellen Sportlichen Leiter im Verein zu installieren, der zusätzlich sportliche Kompetenz mit einbringt und Trainerteam und Vorstand entlastet? Hat sie recht?

Rentsch: Dieses Thema liegt derzeit nicht auf meinem Tisch. Wir haben uns vorgenommen, zwischen den Abteilungsvorständen und dem Trainerteam auch aus dem Nachwuchs eng miteinander zu kommunzieren. Das muss eine Symbiose sein. Das ist erst einmal eine sehr gesunder Basis.

Heiermann: Ildiko Barna hatte jahrelang einen Sportlichen Leiter (Jochen Busch, Anm. d. Red.) an ihrer Seite, mit dem sie im Dauerclinch lag. Die Frage ist doch, und das geht jetzt weder gegen die Trainerin noch gegen den Sportlichen Leiter: Was soll der machen? Soll er sich einmischen und einen Keil zwischen Mannschaft und Trainer treiben?

Vielleicht mehr in die Richtung Scouting oder Spielerverpflichtung arbeiten?

Rentsch: Das Profil eines Trainers hat sich in den vergangenen Jahren enorm verändert und ist viel breiter geworden. Es ist nicht mehr so, dass wir in die Halle gehen, trainieren und dann Trainer und Spielerinnen einfach wieder nach Hause fahren. Der soziale Trainer wird immer wichtiger. Dazu kommen die Bereich Wirtschaft, Organisation, Spielegespräche. Das Bild in der Form Teammanager kommt dem Trainerberuf viel näher.

Bartels: Wir haben eine sehr gute Aufteilung und wissen ganz genau, wo die Kernkompetenzen liegen, wer sich um was kümmert. Das funktioniert sehr gut.

BVB bestreitet letzten Test in Wickede gegen V&L Geleen
Den letzten Test der Vorbereitung bestreitet der BVB gegen V&L Geleen. Anwurf ist um 20 Uhr (Einlass 19 Uhr) bei Gastgeber TV Wickede in der Gerkenhalle (Hövelstraße 6, 58739 Wickede).
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