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BVB-Neuzugang sucht die sportliche Herausforderung

Mack will raus aus der Komfortzone

Linda Mack will mit den BVB-Handballerinnen durchstarten. Oliver Brand spricht mit dem 26-jährigen Neuzugang im Interview über Heimat, Ziele und Ehrgeiz.

DORTMUND

, 16.05.2018
BVB-Neuzugang sucht die sportliche Herausforderung

Will mit dem BVB oben angreifen: Linda Mack (M.). © BV. Borussia 09 e.V. Dortmund

Ihre Herkunft kann Linda Mack nur schwerlich verbergen. Mack kommt aus Bietigheim, einer 43.000-Einwohner-Stadt, etwa 20 Kilometer nördlich von Stuttgart gelegen, und ihr Dialekt ist unverkennbar. Im Sommer zieht es die 26-Jährige nun zu Borussia Dortmund. Mack gilt als Wunschspielerin des neuen BVB-Trainers Norman Rentsch. Oliver Brand hat mir ihr über Heimat, Ziele und Ehrgeiz gesprochen.


Sie haben nicht nur Ihr wahres, sondern auch ihr Handballerleben fast komplett in Bietigheim verbracht, wie wichtig ist Ihnen die Heimat?

Schon sehr wichtig. Es gab Jahre, in denen ich mir gar nicht vorstellen konnte, von hier wegzugehen. Das ist ja auch immer ein bisschen Komfortzone, man kennt eben alles.


Sie waren lange in Bietigheim, zuletzt ein Jahr in Neckarsulm – nun wechseln Sie zu Borussia Dortmund …

Ich habe schon länger überlegt, ob ich den Schritt weggehen soll von zu Hause. Ich war ja noch nie richtig fort, und ich wohne auch jetzt noch mit meinem Freund in Bietigheim. Dort bin ich geboren, dort habe ich viele Jahre Handball gespielt und bin auch von dort nach Neckarsulm gependelt. Aber zuletzt ist der Gedanke in mir gereift, dass ich einfach mal mutig sein muss und etwas Neues ausprobieren will im Leben. Und wenn ich es jetzt nicht mache, werde ich es in zwei, drei Jahren wahrscheinlich auch nicht mehr machen.


Was erhoffen Sie sich von diesem Wechsel?

Ich bin jetzt in einem guten Handballer-Alter, um noch mal einen Schritt nach vorne zu machen und mich weiter zu entwickeln, auch auf persönlicher Ebene.


Sie hatten auch Angebote aus Blomberg und Göppingen - was hat am Ende den Ausschlag für den BVB gegeben?

Einerseits ist der BVB schon ein Name, der anzieht. Zudem haben mich am Ende die sportliche Herausforderung, aber auch das professionelle Umfeld sowie die ambitionierten Ziele des Vereins überzeugt. Ich bin sehr gespannt darauf, wohin der Weg führen wird.

Der BVB will sich mittelfristig unter den Top drei der Liga etablieren. Was ist aus Ihrer Sicht mit dem Verein möglich?

Wenn man sich die Einzelspielerinnen der Mannschaft anschaut, sieht man viele aktuelle und ehemalige Nationalspielerinnen. Da ist auf jeden Fall das Potenzial vorhanden, um diese Ziele auch zu verwirklichen. Die Herausforderung wird sein, ein gutes Team aus diesen guten Einzelspielerinnen zu formen. Wobei ich denke, dass es relativ einfach sein wird, da es ja nicht so viele Neuzugänge gibt, die man integrieren muss. Ich habe jedenfalls große Lust darauf, noch mal ein paar Plätze weiter vorne anzugreifen.


Sie sind auf der rechten Seite variabel als Rückraum- oder Außenspielerin einsetzbar - haben Sie schon mit Ihrem neuen Trainer Norman Rentsch über Ihre künftige Rolle gesprochen?

Wir hatten bereits ein gutes Gespräch. Und ich denke, dass ich auf beiden Positionen zum Einsatz kommen werde - was mir aber auch entgegen kommt, da ich auf beiden Positionen gerne spiele.


Wie schätzen Sie Norman Rentsch ein?

Ich kenne ihn ja vor allem als gegnerischen Trainer, und da fällt schon auf, dass er immer mit vollem Einsatz dabei ist. Gerade auch emotional. Und dass er für den Handball lebt.


Sie haben den Großteil Ihres Handballer-Lebens in Bietigheim verbracht und dort auch um Titel gespielt, sind 2017 Deutsche Meisterin geworden, ehe sie nach Neckarsulm gewechselt sind. Wie schwierig war da die Umstellung, in einer Mannschaft zu spielen, die - bei allem Respekt vor der Sport-Union - eher weniger gewinnt?

Ich habe schon versucht, diese „Immer-gewinnen-wollen“-Mentalität aus Bietigheim mitzunehmen. In Bietigheim gab es immer das Ziel, ganz vorne mitzuspielen, und dem hat auch jeder alles untergeordnet. Der große Unterschied ist, dass bei der SG halt alle als Profis gespielt haben. Allein deswegen war der Unterschied relativ groß, da die Prioritäten innerhalb der Mannschaft anders gelagert waren. Die finanzielle Situation war eine ganz andere. Grundsätzlich war es daher schon eine Umstellung, die ich aber auch gar nicht negativ sehe.


Sie haben eine Klausel in Ihrem Vertrag gezogen und verlassen Neckarsulm bereits nach einem Jahr wieder. Was ist der Grund für Ihren Wechselwunsch?

Ich bin in Neckarsulm nie so richtig angekommen. Gerade sportlich hat es leider nicht gepasst, und ich bin selbst enttäuscht von der Saison - von unserer Leistung als Mannschaft, aber auch von meiner persönlichen. Am Anfang hat dann auch ein bisschen das Vertrauen des Trainers gefehlt. Die sportliche Integration hat nicht so richtig funktioniert. Menschlich mit den Mädels war es aber super.

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Verletzungen spielen eine große Rolle in Ihrer Karriere. Sie hatten bereits zwei Kreuzbrandrisse im rechten Knie, zuletzt war der Meniskus kaputt. Wie sehr prägen einen solche Rückschläge?

Man lernt daraus, wie wichtig der eigene Körper ist. Zudem ist eine monatelange Reha nach solch schweren Verletzungen nicht immer einfach, denn man muss den inneren Schweinehund überwinden. Man trainiert allein, was gerade für uns Mannschaftssportler ungewöhnlich und auch schwierig ist. Sich immer wieder alleine motivieren zu müssen, fordert einen.


Haben die Verletzungen Ihre Karriere immer wieder etwas ausgebremst?

Dieses Jahr auf jeden Fall, da ich zuletzt für den Regionallehrgang im Süden nominiert war. Und ich war die vergangenen Spiele eigentlich auf einem ganz guten Weg, ich hatte meine Form stabilisiert - da war ich die ersten Wochen schon sehr gefrustet, dass es ausgerechnet jetzt passiert ist. Aber jetzt bin ich wieder im Comeback-Modus.


Sie haben mit Bietigheim europäisch gespielt. Das will der BVB ebenfalls hin. Wie sehr hilft das Messen mit internationalen Gegnern bei der mannschaftlichen, aber auch persönlichen Entwicklung?

Das kommt sicherlich darauf an, gegen wen man spielt. Wenn man jetzt in den ersten zwei Runden gegen Underdogs aus anderen Ländern ran muss, glaub ich nicht unbedingt, dass einen das sportlich weiter bringt, als wenn man in Deutschland gegen die Topteams spielt. Aber man erhält einen anderen Einblick, weil oft ein ganz anderer Handball gespielt wird als hierzulande. Skandinavische Teams zum Beispiel spielen eher schnell. Kroatische Mannschaften aggieren dagegen eher körperlicher. Was man aber auch nicht vernachlässigen darf, ist die zusätzliche Belastung.


Welchen Handball favorisieren Sie?

Denn schnelleren, nach vorne orientiert. Ich selbst bin ja nicht die Allergrößte (1,70 Meter, Anm. d. Red.) im Vergleich zu anderen Rückraumspielerinnen, und auch körperlich bin ich sicherlich keine „Maschine“. Aber ich kann schon dagegenhalten und bin auch abwehrstark trotz meiner geringen Größe. Ich sehe mich da eher als aggressive Spielerin. Und ich liebe das Abwehrspiel! Denn wenn es in der Abwehr gut läuft, auch bei mir selbst, dann läuft es im Angriff automatisch einfacher.

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