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Zu Besuch im Trainingslager der BVB-Handballfrauen

Intensive Saisonvorbereitung

Auf diesem Ohr ist Gustl Wilke ja sowas von taub. „Ende, Ende“, ruft Dagmara Kowalska mit Verzweiflung in der Stimme, doch Perfektionist Wilke hat noch lange nicht genug gesehen von seinen BVB-Handballfrauen.

DORTMUND

von Von Dirk Krampe

, 25.08.2010

Trainingslager, Tag vier. Es ist die dritte Einheit des Tages, zählt man den morgendlichen „Aktivierungslauf“ mit, den Wilke schon vor dem Frühstück ansetzt, um die müden Beine ein wenig zu lockern. „Es ist fast ein Wunder“, meint Kapitänin Julia Kunze trocken, „dass dabei nicht mehr passiert. Manche können um diese Uhrzeit die Augen einfach noch nicht aufbekommen.“

In der Sporthalle Aplerbeck ist es stickig an diesem Dienstag, das Aufwärmprogramm, dass die Spielerinnen in Eigenregie durchziehen, schleppt sich ein wenig hin. Trotz dröhnender Disco-Bässe aus dem eigens mitgebrachten CD-Rekorder. Die Mädchen sind müde. „Einige“, sagt Wilke leise und muss tatsächlich ein wenig schmunzeln, „kriechen auf dem Zahnfleisch. Natasha zum Beispiel“, er zeigt auf Neuzugang Natasha Kocevska, „ist stehend K.o.“ Die Mazedonierin hat wegen ihrer Fuß-Beschwerden nur dosiert trainiert, jetzt schmerzt jeder einzelne Muskel. Wilke fordert seinen Kader auch an diesem Nachmittag volle zwei Stunden. „Überzahlspiel“ steht auf dem Stundenplan, welche Varianten er einüben will, zeigt der ehemalige Uni-Dozent zunächst an der Taktik-Tafel, ehe es in die Praxis geht. Auch im Kopf müssen die Spielerinnen hellwach sein, die Kommandos kommen kurz und präzise. Und Wilke wiederholt sich nicht gern. Speziell für „Frau Kowalska“, wie Wilke sie schelmisch nennt, lässt er jetzt eine Variante einüben.

Die Polin ist Dortmunds Lebensversicherung im linken Rückraum, sie hat fast immer ein Lächeln auf dem Lippen und stets einen Ratschlag parat für die jungen Wilden wie Anna-Lena Tomlik, die jeden Tipp von der Nationalspielerin begierig aufsaugen. „Glaubt man das?“, fragt Wilke. „Beim ersten Training hat Daggi die Anna-Lena tatsächlich gefragt, ob sie ihr Ratschläge geben darf.“ Dieses Miteinander mache ihm Spaß, sagt der 66-jährige Trainer. „Akzeptanz, Teamgeist, Vertrauen, Kampfgeist“ steht auf Kocevskas Trainings-T-Shirt. Vier Säulen zum Erfolg, den dieser BVB haben möchte. Wilke schaut genau hin, er schüttelt den Kopf, greift korrigierend ein. Und lässt stur wiederholen, bis ihm gefällt, was er sieht. Manchmal hilft auch nur ein klares und weithin hörbares Wort. „Das sind keine Wattebäuschchen, das ist ein Handball“, ruft er. Gemeint ist Anna-Lena Tomlik, die den Ball arg vorsichtig gepasst hatte.

Nach der letzten Einheit des Tages fährt der BVB-Tross zurück ins „Naturfreundehaus“ nach Westhofen. Eine Art Jugendherberge. Mit Vier-Bett-Zimmern und „einem gewissen 70er-Jahre-Charme“, wie Kapitänin Kunze schmunzelnd meint. Die Unterkunft liegt beinahe mitten im Wald, Ablenkung gibt es kaum. Der Mannschaftsabend am Dienstag bildete da eine willkommene Ausnahme.  Am Mittwoch endete die fünftägige Maßnahme. „Die Grundlagen sind gelegt“, sagt Wilke. Er wird jetzt das Pensum deutlich zurückfahren. Damit „Frau Kowalska“ und Co. zum Saisonstart fit und ausgeruht sind.