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Vor dem Derby

120 Minuten als perfekter Energieschub für den BVB

DORTMUND Die General-Analyse nach dem dramatischen Elfmeterkrimi im Pokalspiel gegen Union Berlin erfolgte am Donnerstag auf dem Trainingsplatz. 120 Pokalminuten stecken den meisten in den Knochen, das bedeutet vor dem großen Spiel am Samstag, dem 171. Revierderby gegen den FC Schalke 04, eine große Herausforderung für die Spieler und ihren Trainer.

120 Minuten als perfekter Energieschub für den BVB

Bilder der Pokal-Partie zwischen Borussia Dortmund und dem 1. FC Union Berlin.

Trainer Thomas Tuchel diskutierte lange und intensiv mit Sportdirektor Michael Zorc, und mit dabei war auch U23-Trainer Daniel Farke, der gleich neun seiner Spieler abstellte, um bei Borussia Dortmund ein geregeltes Training zu ermöglichen. Seit Wochen muss Tüftler Tuchel Woche für Woche entscheiden, welche Formation mit welchen Spielern den Belastungen am besten gerecht werden kann und den meisten Erfolg verspricht.

Erschöpfung kompensieren

30 zusätzliche Pokalminuten waren in der Herangehensweise an das für viele Fans wichtigste Spiel des Jahres sicher nicht eingeplant, doch Tuchel nahm die zusätzliche Bürde zu später Stunde als glücklicher Sieger des Elfmeterdramas mit relativem Gleichmut. Er habe, meinte er, eher das Gefühl, „dass der Verlauf des Abends uns geholfen hat, mit den Emotionen und den Verbindungen, die entstanden sind.“ Der Energieschub, den ein solches Erlebnis auslöst, soll Müdigkeit und Erschöpfung mehr als kompensieren. Das ist zumindest Tuchels frommer Wunsch.

Dortmund Am Tag nach dem spannenden Achtelfinaleinzug des DFB-Pokals durch den Triumph im Elfmeter-Krimi gegen Union Berlin stand für die BVB-Reservisten die nächste Trainingseinheit an. André Schürrle und Raphael Guerreiro trainierten nach überstandenen Blessuren wieder mit dem Team, "Auba" absolvierte eine Laufeinheit.mehr...

Der finale Akt in einer ansonsten sehr zähen Partie aus Dortmunder Sicht brachte eine BVB-Überlegenheit, die es in den 120 Minuten zuvor nicht gegeben hatte. Dort war Union Berlin ein überraschend guter Gegner, der mutig, schnell und strukturiert umschaltete und bei besserer Ausnutzung der vielen Kontersituationen durchaus als Sieger hätte vom Platz gehen können.

Publikum entscheidend

Im Elfmeterschießen aber half der „12. Mann“ entscheidend mit. Vor der Südtribüne, dieser pulsierenden Masse in Schwarzgelb, die ein gellendes Pfeifkonzert anstimmte, wann immer ein Berliner zum Elfmeter antrat, wurden den so forschen Gästen die Knie weich. Spätestens hier, meinte Tuchel später, „da war unser Publikum ein absolut entscheidender Faktor.“ So zog der BVB, der sich in den 120 Minuten zuvor wie zuletzt wenig strukturiert und durchschlagskräftig präsentiert hatte, noch einmal den Kopf aus der Schlinge.

Vier mögliche Schlüssel-Duelle beim 171. Revierderby

THOMAS TUCHEL ist ein Fußball-Wissenschaftler. Er plant alle erdenklichen Spiel-Situationen im Kopf voraus. Über das durch die Verletzungsmisere bedingte Maß hinaus hat er in den vergangenen Spielen rotieren lassen und seiner Mannschaft auch wechselnde Spielsysteme verordnet. Das ging zu Lasten der Eingespieltheit und Stabilität. Tuchel hasst nichts mehr, als wenn sein Plan nicht aufgeht und daraus Niederlagen resultieren. Seine überbordende Akribie und Verbissenheit steht ihm dabei nicht selten im Weg.
MARKUS WEINZIERL: Der Schalker Trainer blieb trotz des Bundesliga-Fehlstarts (fünf Niederlagen in Serie) nach außen hin gelassen und arbeitete unbeeindruckt weiter. Er hat die volle Rückendeckung von Manager Heidel und genießt bei den Führungsspielern hohe Anerkennung. „Der Trainer ist ein kommunikativer Typ, der unheimlich positiv mit der schwierigen Situation zum Saisonstart umgegangen ist“, lobte Kapitän Höwedes. Weinzierl lebt in jeder Partie an der Seitenlinie das Engagement vor, was er von seinen Spielern erwartet.
PIERRE-EMERICK AUBAMEYANG: 33 Ballkontakte in Ingolstadt, nur 19 gegen die Hertha, 31 in Leverkusen – Dortmunds Top-Stürmer fehlte in der Liga zuletzt ein wenig die Bindung zum Spiel. Seiner Torgefährlichkeit tat dies keinen Abbruch, er hat den richtigen Riecher. Gelingt es dem BVB, Aubameyangs Schnelligkeit zur Geltung zu bringen, steigen automatisch die Siegchancen.
MATIJA NASTASIC: Es wird sein erstes Derby gegen den BVB, weil er in der vergangenen Saison wegen eines Achillessehnenrisses fast komplett ausfiel. Seit er wieder fit ist, überzeugt der Serbe mit seiner Ruhe und Übersicht in der Innenverteidigung. Diese Nervenstärke ist gerade im Derby eine wichtige Qualität, weil die Atmosphäre im Stadion eben eine ganz besondere sein wird. Vor dem BVB hat Nastasic Respekt, aber keine Angst. „Wir arbeiten richtig hart. In den letzten Spielen konnte man sehen, dass wir auf einem guten Weg sind,“ betonte er.
JULIAN WEIGL: Kam nach der EM nur schwer in Tritt, mittlerweile aber ist der wegen seiner Pass-Sicherheit und Übersicht von Tuchel so geschätzte 21-Jährige nicht mehr aus der Mannschaft wegzudenken. Auch als alleiniger Sechser im 4-1-4-1 gesetzt. Spannend wird sein, ob sich Weigl aus der persönlichen Manndeckung besser befreien kann als zuletzt – Schalke dürfte nicht verborgen geblieben sein, dass diese Variante ein adäquates taktisches Mittel darstellt.
NABIL BENTALEB: Der Algerier hat sich innerhalb weniger Wochen zum Führungsspieler entwickelt. Er ist ein Balleroberer mit gutem Auge und sehr lernwillig. Heidel hat Bentaleb von den Tottenham Hotspur ausgeliehen, jedoch beinhaltet das Vertragswerk eine Kaufoption, die es Schalke ermöglicht, den 21-Jährigen am Saisonende zu verpflichten. Die Entscheidungsgewalt bei dieser Personalie liegt also allein bei den Königsblauen. Billig würde eine Verpflichtung allerdings nicht: Rund 20 Millionen Euro würde dieser Transfer kosten.
SOKRATIS: Seit dem Wechsel von Mats Hummels Borussia Dortmunds unumstrittener Abwehrchef. Einsatzwille und Robustheit im Zweikampf sind sein Markenzeichen. Gegen den Ball ein sehr unbequemer Abwehrspieler, allerdings manchmal mit Stellungsfehlern. Mit Ball muss er in die Rolle des aufbauenden Verteidigers als einer der Hummels-Nachfolger noch hineinwachsen. Der lange Pass ist nicht so sein Ding.
YEVHEN KONOPLYANKA: „Er hat das gewisse Etwas und wird uns viel Freude machen “, sagte Manager Heidel bei der Verpflichtung des Ukrainers, der diese Einschätzung in den ersten Partien noch nicht rechtfertigen konnte. Doch spätestens nach seinen beiden Pokal-Toren in Nürnberg ist „Kono“ auf Schalke angekommen. Enorme Schnelligkeit und Dribbelstärke zeichnen den 27-Jährigen aus, der fleißig Deutsch lernt, damit die Integration bei seinem neuen Klub noch leichter fällt. Bisher lässt Konoplyanka „nur“ starke Leistungen sprechen. Das ist Schalke ganz recht.

Das Derby am Samstag wird vom BVB allerdings eine deutlich schärfere Herangehensweise fordern als bei den letzten doch sehr durchwachsenen Spielen. „Das Spiel“, meinte Zorc gestern im „Kicker“, „kommt zur rechten Zeit. Wir wollen einige Dinge geraderücken.“ Schon direkt nach dem 3:3 in Ingolstadt hatte Zorc aus seiner großen Enttäuschung über den unerklärlich blutleeren Auftritt der Borussia in den ersten 45 Minuten keinen Hehl gemacht. 

DORTMUND BVB-Trainer Tuchel hatte auch vor dem Zweitrundenmatch im DFB-Pokal die große Rotationsmaschine angeworfen. Fünf Änderungen in der Startelf in Ingolstadt, sechs gegen die Eisernen aus dem Berliner Osten. Immer wieder neues Personal, das fordert nicht nur den geneigten Zuschauer, sondern ganz offensichtlich auch seine Mannschaft. Ein Kommentar.mehr...

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