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Die Taktikanalyse

BVB muss kreativen Vorteil gegen Bayern nutzen

DORTMUND Der Klassiker zwischen Borussia Dortmund und dem FC Bayern München könnte das spannendste Bundesliga-Spiel seit langem werden. Beide Teams waren sich wohl noch nie so ähnlich wie zur Zeit. Unsere Taktikanalyse zum Bundesliga-Topspiel.

BVB muss kreativen Vorteil gegen Bayern nutzen

Adrian Ramos (M.) bejubelt seinen Treffer gegen Darmstadt.

Wie agiert der FC Bayern bei Ballbesitz?

Pep Guardiola lässt ein Spiel mit viel Ballbesitz praktizieren. Während seine Mannschaft zu Zeiten Barcelonas noch das Zentrum kontrollierte, sind die Bayern auf die Flügel spezialisiert. Die Mannschaft macht das Spiel extrem breit, agiert mit vielen Seitenwechseln und bestraft das gegnerische Verschieben dann mit schnellen Angriffen über die entblößte Seite.  

Grundformation und Spielerrollen variieren. Durch das Auf- oder Einrücken verschiedener Spieler entsteht eine Art Fünfersturm. Dahinter wechselt man zwischen 3-2- und 2-3-Staffelung – immer so, dass der Gegner keinen Druck ausüben kann.

 

Wie agiert München gegen den Ball?

Die Bayern holen sich ihre defensive Stabilität hauptsächlich aus den langen Ballbesitzphasen und dem guten Gegenpressing. Die Gegner bekommen nur selten die Gelegenheit zum geordneten Spielaufbau. Falls doch wird aus unterschiedlichen Grundordnungen - meist 4-1-4-1 - sofort viel Druck gemacht, um lange Bälle zu provozieren und so auf eigenen Ballbesitz wechseln zu können.  

 

Auf welchen Spieler muss der BVB besonders achten?

Auf Lewandowski. Oder Müller. Oder Robben. Der Clou bei Bayern ist, dass man jeden nennen kann. Sie können von allen Positionen gefährlich werden und greifen immer dort an, wo die Defensive gerade am schlechtesten geschützt ist.

 

Welche Möglichkeiten bieten sich dem BVB?

Die Borussen können mittlerweile nicht mehr nur defensiv, sondern auch bei eigenem Ballbesitz mit Bayern zumindest annähernd mithalten. Im Kombinationsspiel haben sie sogar Vorteile. Der BVB muss diese kreativen Vorteile in die Waagschale werfen. 

BVB gegen Bayern - die Spieler im direkten Vergleich

Roman Bürki: In Freiburg stand er regelmäßig unter Beschuss, in Dortmund seltener. Dafür wird dann genauer hingeschaut. Der ganz große Rückhalt ist er noch nicht, dafür leistet er sich (wie gegen Hoffenheim) zu viele Fehler.
Lukasz Piszczek: Der polnische Dauerbrenner auf der rechten Seite. Einstiger Vorlagen-König, hat sich seinen Stammplatz zurückerkämpft. Defensiv stabil. Und seine tolle Flanke brachte die Wende im Spiel gegen 1899.
Sven Bender: Manni, der Libero, hat sich mit seiner neuen Rolle in der Innenverteidigung arrangiert. Wirft auch da alles in die Waagschale. Mit seiner Vertragsverlängerung wird er zum Dauer-Borussen.
Mats Hummels: In der Hinrunde sah er sich einige Male zu Unrecht kritisiert. Hat für sich entschieden, keine Fehler mehr zu machen, um diesen Diskussionen zu entgehen. Sein Formhoch verspricht seit Wochen gutes Wetter über Dortmund.
Marcel Schmelzer: Heimliche Führungsfigur bei der Borussia. Sein Wort hat Gewicht, seine Leistungen auf dem Platz haben es mittlerweile auch wieder. Mal schauen, ob Joachim Löw Ende März seine Formkonstanz belohnt.
Julian Weigl: Auch wenn er eine erste kleine Delle in seiner Entwicklung hinter sich hat: Weigl ist die Entdeckung dieser Saison. Frech, passsicher, mit gutem Auge. Da wächst ein Großer heran.
Ilkay Gündogan: Welch´ begnadeter Fußballer! Und wie schön, dass er das auch wieder auf den Rasen bringt. Er kann den Unterschied ausmachen - und das macht ihn auch für andere begehrenswert.
Nuri Sahin: Ewig lange fehlte er, nun ist er zurück und hat nichts verlernt. Sahins Routine und Übersicht kann der BVB auch gegen die Bayern gut gebrauchen.
Henrikh Mkhitaryan: Mozart am Ball, hat die "SZ" mal über ihn geschrieben. Seit er darauf verzichtet, sich selbst permanent zu hinterfragen, ruft er sein großes Leistungsvermögen immer konstanter ab.
Pierre-Emerick Aubameyang: Der verrückteste Spieler im BVB-Kader, mit einer Vorliebe für das Extravagante. Auf dem Rasen aber Mr. Zuverlässig und mit vorbildlicher Einstellung. Kämpft gegen Lewandowski auch um die Torjägerkanone.
Marco Reus: Feingeist am Ball, leider von Verletzungen verfolgt. 2016 möchte er seinen ersten Titel holen. Dafür wird er alles einsetzen.
Manuel Neuer:  Manu, der Libero. Manu mit den Riesenhänden. Manu, die Krake. Der Bayern-Torhüter hat viele Spitznamen, die allesamt auf seine Extraklasse als mitspielender Torhüter verweisen. Und wenn er patzt, heißt es: Vielleicht ist das gar nicht Manuel Neuer …
Philipp Lahm: Zum Glück spielt der Routinier besser als er twittert, sonst wäre er wohl nie Weltmeister geworden. Für die Bayern so wichtig wie der Ball fürs Spiel. Kein anderer ist so polyvalent. Niemand sonst erkennt den Rhythmus einer Partie so gut wie er.
Joshua Kimmich: Guardiola bezeichnete seinen Aushilfs-Innenverteidiger jüngst als seinen Sohn. Ähnlich viel Talent wie der „Papa“ hat der Youngster in jedem Fall. Ob er allerdings in der Defensivzentrale wirklich am besten aufgehoben ist? Zweifel sind erlaubt.
David Alaba: Den österreichischen Lausbub kann man nur lieb haben. Sie erinnern sich doch sicher noch an sein Tanga-Selfie mit Mitchell Weiser, oder? Verhasst allerdings ist er beim Gegner, denn der Tausendsassa kann fast alles besser als normale Profis.
Juan Bernat: Der kleine Spanier komplettiert die Mini-Abwehr. Nach schwerer Verletzung kämpft er sich langsam zurück, doch nicht nur aufgrund des langen Ausfalls verläuft sein zweites Jahr in München nicht wirklich glücklich. Ihm fehlt die Konstanz.
Arturo Vidal: Wir würden ihn ja gern als lebensfrohen Nachtschwärmer beschreiben, fürchten aber Post vom Anwalt. Reden wir also übers Sportliche: Der „Krieger“ ist einer von diesen Fußballern, gegen die man nie spielen möchte. Beinhart und nicht klein zu kriegen.
Thomas Müller: Gäbe es ihn nicht, man müsste ihn erfinden. Niemand in der Bundesliga sieht so ungelenkig, unbeholfen und tölpelhaft aus, wenn er auf dem Platz steht. Und niemand ist so gut wie er. Eine Klasse für sich. In absolut jeder Beziehung.
Arjen Robben: Es wurde in diesem Jahr wieder nichts mit dem Oscar, aber der Holländer mit dem Hang zur spektakulären Flugshow wird es verkraften können. Sportlich kann ihm ja ohnehin keiner was. Er ist die personifizierte Gefahr auf dem Flügel.
Thiago: Mario Götzes Mundwinkel sinken vermutlich noch heute auf Merkel-Niveau, wenn er diesen Namen hört. „Thiago oder nix“, hatte Guardiola 2013 trotz des Götze-Transfers gefordert - und ihn bekommen. Oft Weltklasse, zuletzt aber wenig konstant.
Douglas Costa: In der Hinrunde staunte man über seine erstaunlichen Tempo-Dribblings, denen selbst die jahrelange Kälte in Donezk nichts anhaben konnte. Zuletzt allerdings hat er sich im „Universum der Übersteiger“ verirrt, wie es die SZ treffend beschrieb.
Robert Lewandowski: Cristiano Ronaldo wird das ungern hören, aber: Bayerns Nummer 9 ist der beste Stürmer der Welt. Allein sein Tor gegen Wolfsburg … Man kann nur immer wieder stauen, wie er selbst schwerste Dinge aussehen lässt wie Selbstverständlichkeiten.

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