Diese Website verwendet Cookies. Cookies gewährleisten den vollen Funktionsumfang unseres Angebots, ermöglichen die Personalisierung von Inhalten und können für die Ausspielung von Werbung oder zu Analysezwecken gesetzt werden. Lesen Sie auch unsere Datenschutz-Erklärung

Borussia Dortmund stellt neuen Bundesliga-Rekord auf

2:1 in Freiburg

Weiterhin sieben Punkte Vorsprung auf Rang zwei, zum 100. Mal Tabellenführer und den Bundesliga-Rekord geschafft: Borussia Dortmund hat am Samstag beim SC Freiburg mit 2:1 (0:1) gewonnen und damit den siebten Auswärtssieg in Serie geschafft. Robert Lewandowski und der Freiburger Mujdza mit einem Eigentor erzielten die Treffer für einen in der zweiten Hälfte überragenden BVB.

FREIBURG

von Von Matthias Dersch

, 20.11.2010
Borussia Dortmund stellt neuen Bundesliga-Rekord auf

Borussia Dortmund dominiert weiterhin die Fußball-Bundesliga. Mit dem siebten Auswärtssieg in Serie stellten die Borussen einen neuen Rekord auf.

"Wir haben aus den unterschiedlichsten Gründen in der ersten Hälfte kein gutes Spiel gezeigt. Wir haben nicht den richtigen Einstieg gefunden", bilanzierte BVB-Trainer Jürgen Klopp nach der Partie. "Wir haben versucht, in der Halbzeit darauf zu reagieren. Zum einen mit einer Systemumstellung, zum andern mit mehr Investment. Das hat die Mannschaft umgesetzt. Wir haben sicher schon verdienter gewonnen. Dennoch denke ich, dass unsere zweite Hälfte schon richtig gut war."

Sein Gegenüber, SC-Trainer Robin Dutt, konnte sich diesem Urteil anschließen. "Meine Analyse deckt sich zu 100 Prozent mit der von Jürgen. Die erste Hälfte von uns war wahnsinnig gut. Das war eine Top-Leistung meiner Mannschaft", sagte der Freiburger Coach, der gemeinsam mit Klopp die Fußballlehrer-Prüfung absolviert hat. "Dortmund war in der zweiten Hälfte besser. Ein 2:2 wäre sicher ein gerechtes Ergebnis gewesen. So bin ich etwas enttäuscht, dass wir ohne Punkt nach Hause gehen müssen." Klopp setzte im Breisgau auf exakt jene Elf, die auch in den vergangenen fünf Pflichtspielen auf dem Feld gestanden hatte. Und auch Dutt vertraute seiner Stammformation im üblichen 4-1-4-1-System mit Toptorjäger Papiss Demba Cissé (zehn Saisontore) als einziger, dafür aber brandgefährlichen Spitze.

Und das tabellarische Topspiel des 13. Spieltags erfüllte die Erwartungen: Vor den Augen von Bundestrainer Joachim Löw legten beide Teams von Beginn an ein beachtliches Tempo vor - was fehlte, war die Präzision. So verpasste Cissé nach vier Minuten eine scharfe Hereingabe von Anton Putsila, auf der Gegenseite setzte BVB-Organisator Nuri Sahin einen Distanzschuss deutlich über den Kasten von SC-Keeper Oliver Baumann (10.). Klopps Prophezeiung, sein Team würde in Freiburg die "vielleicht intensivsten 90 Minuten der Saison" erleben, schien sich zu bewahrheiten. Beide Mannschaften wirkten bissig, engagiert und gewillt - zuweilen jedoch auch übereifrig. Der SC - angeführt vom starken Makiadi und dem stets auf der letzten Linie lauernden Cissé - schaffte es als erstes, Klarheit in sein Spiel zu bekommen und übernahm nach einem offenen Schlagabtausch in den ersten zehn Minuten das Kommando auf dem Feld - zunächst jedoch, ohne die Überlegenheit in ein Tor ummünzen zu können: Erst klärte Subotic per mutiger Grätsche gegen den durchgestarteten Cissé (19.), dann sprang Makiadi freistehend im Fünf-Meter-Raum der Borussia unter dem Ball durch (23.). Die Schwarzgelben konnten vom Glück sagen, dass es nach 25 Minuten noch 0:0 stand. Zu selten kamen sie in die Zweikämpfe, zu viele Bälle gingen leichtfertig verloren.

Doch was sich gegen Mitte der ersten Hälfte ankündigte, wurde in der 27. Minute auf äußerst kuriose Weise vollzogen: Der von Makiadi behinderte Weidenfeller konnte einen Freistoß von Schuster nicht aus dem Gefahrenbereich klären, Cissé köpfte den Ball per Hinterkopf in Richtung des auf der Torlinie stehenden Subotic - und dessen Klärungsaktion landete von Hummels Körper im eigenen Kasten (27.). Dortmunds erstes Bundesliga-Gegentor nach 358 Minuten war zugleich eins mit hohem Slapstick-Gehalt. Der Gegentreffer schien die Schwarzgelben zu lähmen. Den Kreativkräften Sahin, Kagawa und Götze mangelte es an guten Ideen, vorne hing der zunehmend angefressen wirkende Barrios völlig in der Luft. Wer deshalb dachte, der SC würde sich nach der Führung gegen den Tabellenführer ein Stück zurückziehen, irrte. Die Dutt-Elf schaffte es immer wieder, sich aus dem Dortmunder Zugriff zu befreien und initierte schöne Angriff über die Flügel. Rosenthal (37.) und Cissé, dessen Schuss von Piszczek kurz vor der Torlinie geklärt wurde (43.), verpassten es jedoch, das Ergebnis vor dem Seitenwechsel auf 2:0 zu schrauben.

Personell unverändert, aber wesentlich zielstrebiger kamen die Borussen aus der Kabine. Klopp hatte offenbar die richtigen Worte gefunden, denn schon in den ersten vier Minuten der zweiten Hälfte erarbeite sich der BVB mehr Torraum-Szenen als im gesamten ersten Durchgang. Zunächst schlenzte Bender den Ball aus 15 Metern über den Kasten (47.), dann fing SC-Torhüter Baumann mit einem starken Reflex einen Kagawa-Schuss nach schöner Barrios-Vorlage ab (48.). Nur Sekunden später war es wieder der Freiburger Keeper, der im Blickpunkt stand: Einen Schuss von Schmelzer konnte er nicht festhalten, Barrios reagierte am schnellsten,spitzelte Baumann das Leder zwischen den Armen weg und versenkte den Ball im Tor (49.). Der Ausgleich? Nein: Schiedsrichter Fritz wertete Barrios' Einsteigen als Foulspiel und verweigerte dem Treffer die Anerkennung - eine zumindest diskussionswürdige Entscheidung.

Klopps taktische Maßnahme, vom gewohnten 4-2-3-1-System auf den sogenannten "Tannenbaum mit drei defensiven und zwei offensiven Mittelfeldspielern umzustellen, war zu 100 Prozent aufgegangen. Beinahe im Minutentakt erspielten sich die Dortmunder nun teils hochkarätige Chancen. Kagawa (54.), Sahin (55.) und Subotic (57.) scheiterten mit ihren Versuchen jedoch am starken Baumann. Der BVB war wieder da - und die Freiburger wirkten auf einmal wie Marionetten, denen man die Fäden verknotet hatte. Der Ausgleich war zu diesem Zeitpunkt überfällig. Mit der Einwechslung von Jakub Blaszczykowski für den schwachen Nationalspieler Kevin Großkreutz und der Hereinnahme von Robert Lewandowski (71. für Kagawa) setzte Klopp noch einmal neue Impulse. Doch nach der starken Drangphase zu Beginn des zweiten Durchgangs schafften es die Freiburger ab der 65. Minute wieder besser, Dortmund vom eigenen Tor fernzuhalten.

Erst in der 73. Minute ging wieder ein Raunen durchs ausverkaufte badenova-Stadion: Die Stadionregie hatte den Zwischenstand aus Schalke eingeblendet. Kurze Zeit später scheiterte Cissé aus zentralen Position an Weidenfeller. Das (überfällige) zweite Tor des Tages fiel jedoch auf der anderen Seite: Nach starkem Einsatz von Blaszczykowski und einer schönen Kombination über Sahin und Schmelzer köpfte Lewandowski den Ball zum 1:1-Ausgleich ins Netz (71.). Es war bereits der vierte Joker-Treffer des polnischen Neuzugangs.

Und der BVB wollte mehr und setzte weiter voll auf Angriff. Keine drei Minuten später landete der Ball wieder im Netz. Blaszczykowski hatte Piszczek frei gespielt, der spielte den Ball mit Druck in die Mitte - und dort beförderte Mujdza die Kugel über die eigene Torlinie (78.). Dortmunds Youngster Götze stand dabei jedoch am zweiten Pfosten im (passiven) Abseits. Dortmund hatte das Spiel nach einer phänomenalen läuferischen und spielerischen zweiten Hälfte völlig verdient gedreht. Die endgültige Entscheidung musste jedoch auf sich warten lassen: Denn Blaszczykowski vollbrachte das Kunststück, den Ball freistehend über das leere Tor zu schießen (86.).

Die Bestrafung für diesen Faux-Pas blieb jedoch aus, weil der eingewechselte Schuster in der Nachspielzeit nur die Latte traf (90.+2). Und so konnten sich die Dortmunder von den mitgereisten BVB-Fans wieder einmal für einen Auswärtssieg feiern lassen. Es war bereits der siebte in Serie - eine wahrhaft meisterliche Quote! -----------------------------------------------------------------

 

Lesen Sie jetzt