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Doll: "Ich hoffe, ich habe Zeit"

DORTMUND Oben, im Aufenthaltsraum des BVB-Trainingszentrums in Dortmund-Brackel, stecken Mentaltrainer Jürgen Lohr und der auf die Ersatzbank verbannte Kapitän Christian Wörns die Köpfe zusammen. Sie reden. Reden. Und reden.

von Von Sascha Fligge

, 26.11.2007
Doll: "Ich hoffe, ich habe Zeit"

Versucht bislang vergeblich zu ordnen: Trainer Thomas Doll.

Dabei scheint gerade das Reden nicht viel zu bringen: Drei Teamsitzungen hatte es alleine während der vergangenen Woche gegeben, am Freitag sprach KGaA-Boss Hans-Joachim Watzke persönlich zu seinen zarten Pflänzlein. Stets wurde ausgiebig geredet. Doch dann fuhren Dortmunds Profis zum Drittletzten nach Nürnberg und spielten trotz der Rederei eine „scheiß erste Halbzeit“ (so Trainer Thomas Doll), die an Passivität und Ängstlichkeit nicht zu überbieten war: Nur 15 Minuten verbrachten sie in der gegnerischen Hälfte. Nach 90 Minuten stand eine einzige Torchance zu Buche.

Ex-Trainer Matthias Sammer, Halbzeit-Experte beim Bezahlsender Premiere und mit dem BVB 2002 Deutscher Meister, gab zu: „Ich bin echt sprachlos!“ Schließlich zerlegte er die Doll-Elf verbal aber doch noch in ihre Einzelteile. Das fällt leicht, denn sie wirkt ja ohnehin seit geraumer Zeit wie ein Porsche, der mit Karacho dermaßen gegen die Wand gedonnert wurde, dass nur noch eine schrottreife Seifenkiste von ihm übrig geblieben ist. „Wir sind kein Team“, analysiert Doll, „und das habe ich der Mannschaft auch ausdrücklich gesagt. Dieses Jeder-ist-für-den-anderen-da, das fehlt mir vielleicht ein bisschen.“ Vielleicht ein bisschen wohlgemerkt. Klingt niedlich.

Watzke spricht Klartext

Die Situation ist allerdings ernst. Auch für Doll selbst, dessen Vertragsverlängerung über 2008 hinaus genau wie die des Sportdirektors Michael Zorc jedoch „nicht von den Ergebnissen der letzten drei Spiele des Jahres abhängig sein wird“ (so Hans-Joachim Watzke am Montag Abend). Doll, der einstige Hoffnungsträger, ist mitsamt seinem hochgerüsteten Stab in Fankreisen längst Zielscheibe scharfer Kritik. Das wirkt angesichts der frustrierenden fußballerischen Bilanz nur branchenüblich. „Damit kann ich umgehen“, sagt er: „Ich fühle mich jetzt nicht wie ein Kind, dem das Spielzeug weggenommen worden ist.“ Kabinenintern hat sich an Doll noch keine signifikante Diskussion entzündet, hier ist er überwiegend beliebt.

Dass der BVB auch nach dem 14. Spieltag noch ein taktisches System sucht, weil Doll das anfänglich favorisierte 4-4-2 mit Raute aufgab, „denn dafür braucht man eine Nummer 10, die wir nicht haben“, ist unter den Spielern kein Thema. Dass der Trainer häufig inkonsequent wirkt, etwa wenn er – wie zuletzt – Innenverteidiger Martin Amedick erst Monate lang grundlos verschmäht, und dann genau jenen Amedick in Nürnberg auf der für ihn ungewohnten rechten Abwehrseite bringt, ebenso wenig.

"Wir Spieler verbocken es"

„Der Trainer“, betont Torhüter Roman Weidenfeller, „ist bei uns doch die ärmste Sau. Wir Spieler verbocken es, wir bringen nicht unsere Leistung. Und da nehme ich mich überhaupt nicht aus. Die Mannschaft ist jetzt wieder da, wo sie zu diesem Zeitpunkt schon seit Jahren steht.“ Und das ungeachtet der als chronische Entschuldigung missbrauchten finanziellen Situation der Borussia. Denn unter den gigantischen Zwängen des Sanierungsprozesses sah der BVB nach 14 Spieltagen in den vergangenen drei Jahren (19 Punkte; 21 Punkte; 17 Punkte) immer noch besser aus als gegenwärtig (15 Zähler).

Vor einem Jahr musste Trainer Bert van Marwijk nach dem 17. Spieltag noch als Tabellen-Neunter (22 Punkte) die Segel streichen. Allerdings nicht nur wegen der sportlichen Talfahrt.

Wie unter Narkose

Warum der durch Millionen-Investments verstärkte und von Nationalspielern aller Herren Länder durchsetzte BVB in der Liga dennoch wie unter dem Einfluss eines Narkotikums Fußball spielt? „In diese Thematik“, sagt Doll kryptisch, „müssen wir tiefgründiger reingehen. Wir müssen uns fragen, warum das in Dortmund seit Jahren schon nicht läuft. Vielleicht kann das ja auch mal einen anderen Grund haben als immer nur den Trainer...“

Er selbst glaubt, den „heiligen Gral“ längst gefunden zu haben, denkt, „dass ich den Grund kenne“. Verraten will Doll ihn aber nicht. „Nur intern“, betont der Trainer. „Ich mache mir darüber nochmal Gedanken. Ich hoffe, dass ich die Zeit habe.“

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