BVB und Schalke vor dem Revierderby

Ein Blick in beide Lager vor dem Duell der Scheinriesen

Dortmund/Gelsenkirchen Vom Jahrhundert-Derby bis zum Spitzenspiel: Das Duell zwischen BVB gegen S04 elektrisiert auch in dieser Saison. Ein Blick in beide Lager.

Ein Blick in beide Lager vor dem Duell der Scheinriesen

Das 4:4 aus dem Hinspiel haben beide Mannschaften noch im Kopf. Am Sonntag kommt es nicht nur zum Duell um die Vorherrschaft im Revier, auch die Vizemeisterschaft steht auf dem Spiel. Foto: dpa

Duell der Scheinriesen: Schalkes 52 Punkte hätten nach 29 Spieltagen zuletzt 2003 für Platz zwei gereicht. Auch der BVB profitiert von der schwächelnden Konkurrenz und hätte mit den jetzt 51 Zählern in den vergangenen 20 Jahren stets um den Einzug nach Europa bangen müssen. Und doch: Am Sonntag (15.30 Uhr/Sky) kämpfen die Erzrivalen um die Vorherrschaft im Revier und die Vizemeisterschaft.

Welche Stimmung herrscht in beiden Lagern?

„Das ist kein Spiel wie jedes andere. Ein Derby ist immer etwas Besonderes. Die Anspannung ist deutlich zu spüren“, sagt Schalkes Torjäger Guido Burgstaller. Mit zehn Toren und vier Assists steht er an der Spitze der Schalker Torschützenliste in dieser Saison.

Der Stürmer hat sich zu einem Publikumsliebling auf Schalke entwickelt und weiß, worauf es ankommt. „Alle sind heiß und freuen sich auf das Derby. Wenn wir das abrufen können, was wir in den vergangenen Wochen gezeigt haben, bin ich positiv gestimmt.“ Dieses Duell könne zusätzliche Prozente bei jedem Spieler herauskitzeln.

Peter Stöger hat den im Herbst taumelnden BVB längst auf Kurs gebracht, fünf Punkte Vorsprung sind es aktuell auf Platz fünf. Seit er die Schwarzgelben trainiert, verlor der BVB nur ein Ligaspiel, rangiert in der „Stöger-Tabelle“ seit dem 16. Spieltag auf Platz zwei (29 Zähler), erst dahinter folgt Schalke (26).

Das Ziel Champions League ist zum Greifen nahe, beim Training am Dienstag herrschte heitere Stimmung. „Es ist eine gute Ausgangsposition, aber keine, wo wir uns ausruhen dürfen“, meint der BVB-Trainer.

Nach der Pleite in München habe sich die Mannschaft vorgenommen, die Saison konzentriert weiterzuspielen. Vor allem die zweite Hälfte beim 3:0 gegen den VfB Stuttgart, die fußballerisch überzeugte, stimmt zuversichtlich.

Wie hat sich die Lage im Klub seit dem 4:4 im Jahrhundert-Derby verändert?

„Wir sind sehr heiß, vor allen Dingen, wenn man das Hinspiel noch in Erinnerung hat“, sagte BVB-Sportdirektor Michael Zorc. 4:4 nach 4:0, „das war irgendwie unerklärlich, aber symptomatisch für unsere Saison.“ Nuri Sahin, mit Unterbechungen seit 2001 Schwarzgelber, mochte über das Hinspiel nicht mehr reden. Der BVB steckte da tief in der Krise, hatte nur einen Sieg aus neun Spielen geholt, zwei Wochen später musste Trainer Peter Bosz gehen. Trotzdem ist die Ausgangslage gut wie lange nicht. Sahin: „Wenn wir gewinnen, hätten wir Schalke überholt.“

Das Unentschieden vom 25. November 2017 gab den Königsblauen einen zusätzlichen Schub. Es war ein Charaktertest, den die Blau-Weißen mit Glanz und Gloria bestanden. Bis zum Jahresende blieben die Schalker in der Liga ungeschlagen und überwinterten auch im DFB-Pokal. Insgesamt waren es elf Bundesligapartien in Folge ohne Niederlage. Die Erfolgsserie begann am 29. September gegen Leverkusen (1:1) und endete erst am 13. Januar 2018 in Leipzig (1:3). Schalke spielt zwar selten schön, aber punktet konstant – die Mannschaft ist gefestigt.



Welche Spieler bereiten noch Sorgen mit Blick auf Sonntag?

Vor dem Spiel der Spiele ist die Schalker Personallage relativ entspannt. Nur Stammspieler Matija Nastasic fehlt nach seiner fünften Gelben Karte gesperrt. Leichte Sorgenfalten gibt es bei Trainer Domenico Tedesco bei Breel Embolo und Amine Harit, die am Dienstag nicht am Mannschaftstraining teilnahmen.

Embolo absolvierte wegen Oberschenkelproblemen eine Einheit im Kraftraum, Harit hatte in Hamburg einen Schlag abbekommen, stand aber am Mittwoch schon wieder auf dem Platz. Die Trainingspause sei eine reine Vorsichtsmaßnahme. Bastian Oczipka (Adduktorenprobleme) mischte schon am Dienstag wieder mit.

Bei Borussia Dortmund trainierten Marcel Schmelzer und André Schürrle (Hüftprellung) problemlos wieder mit, auch Manuel Akanji (grippaler Infekt) dürfte bis zum Wochenende spielfähig sein. Andrey Yarmolenko, am Wochenende erstmals wieder im Kader nach seiner Sehnenverletzung, gilt als willkommene Alternative im Sturm.