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"Er will wachrütteln"

DORTMUND Am Donnerstag berichteten wir exklusiv in dieser Zeitung: Florian Kringe (25) steht auf dem Wunschzettel des SV Werder Bremen. Unser Redakteur Thomas Rellmann sprach mit dem BVB-Mittelfeldspieler.

von Von Thomas Rellmann

, 08.11.2007
"Er will wachrütteln"

Bleibt in Dortmund: Florian Kringe

Herr Kringe, wie verwurzelt sind Sie in Dortmund? Kringe: Mittlerweile sehr. Ich bin mit 13 hierher gekommen. Der BVB ist der Verein, bei dem ich die längste Zeit verbracht habe.   Klar, dass man die Stadt und den Klub kennt und schätzt.

Ihr Vertrag läuft aus, Borussia möchte verlängern, andere Klubs wie Werder Bremen signalisieren Interesse. Gibt es die Ambition, schnell international zu spielen? Kringe: Natürlich. Über kurz oder lang kann der BVB da auch wieder hinkommen. Es hat ein erstes Gespräch mit dem Verein gegeben, das ist der Stand der Dinge.

            Ist hier mehr möglich als das Mittelmaß der Vorjahre? Kringe: Das hoffen wir alle. Es liegen schwierige wirtschaftliche Zeiten hinter uns, da kann es nicht von 0 auf 100 gehen. Aber jetzt sind die Weichen gestellt, und wir müssen sportlich den Turnaround hinbekommen.

Bert van Marwijk hat sie mal als kommenden Nationalspieler bezeichnet. Ist dieses Ziel noch präsent? Kringe: Absolut. Diese Hoffnung habe ich noch nicht aufgegeben. Mir ist natürlich klar, dass viele der jungen Wilden mir die internationale Erfahrung voraus haben – das muss man so sagen. Ich will mich über gute Leistungen aber weiter empfehlen.

Fühlen Sie sich als Gewinner einer bisher eher enttäuschenden Saison beim BVB? Kringe: Ich begreife mich als Teil der Mannschaft. Allerdings spiele ich schon ziemlich konstant.

Zum Saisonstart waren Sie als bis dato uneingeschränkte Stammkraft nur Reservist. Kringe: Da war ich schon überrascht. Aber das hat bei mir ein „Jetzt-erst-Recht-Gefühl“ ausgelöst.

Kommt es Ihnen zu Gute, dass Sie im halblinken Mittelfeld inzwischen eine feste Position gefunden haben und kein Allrounder sein müssen? Kringe: Auf jeden Fall. Wir haben das Thema auch intern besprochen. Es ist nicht gut, ständig zu springen.

Wären Sie böse, wenn Sie mal wieder als Außenverteidiger aushelfen müssten? Kringe: Ich denke, ich kann das ja spielen. Aber ich habe auch klar gesagt, dass wir für diese Positionen gute Alternativen benötigen, um nicht ständig rotieren zu müssen.

Mit drei Treffern sind Sie zweitbester BVB-Schütze. Wie kam‘s zu dieser Wandlung? Kringe: Tja, vielleicht ist das eine Kopfsache. Torgefahr ausgestrahlt habe ich ja schon immer. Wichtig ist, dass ich jetzt am Ball und vor dem Tor Ruhe ausstrahle.

Sie sind in der vierten Saison in Serie beim BVB. Wie erklären Sie sich, dass es in dieser Zeit eigentlich nie zu einem gewissen Grad an Konstanz gereicht hat? Kringe: Wir sind ja selbst auf der Suche nach einer Erklärung. Anfangs, nach dem wirtschaflichen GAU, waren wir eine ganz junge Truppe, die sich entwickeln musste. Aber jetzt wird es Zeit, den nächsten Schritt zu machen.

Vielen Fans und Experten fehlt die spielerische Linie. Sie kommen neuerdings auf einer spielmacherähnlichen Position zum Einsatz... Kringe: Ich bin bestimmt kein klassischer Zehner, ich muss ja auch defensive Arbeit verrichten. Aber bisher hat es ganz gut geklappt auf der Halbposition.

Es ist auffällig, dass der BVB Werder und die Bayern beherrscht, gegen kleinere Gegner aber enttäuscht. Kopfsache? Einstellungssache? Kringe:  Kopfsache. Gegen die Großen stehen wir unter Strom, sind unterbewusst stärker konzentriert. Eigentlich darf da kein Unterschied zwischen Bayern oder Cottbus sein. Laufbereitschaft und Aggressivität sind Dinge, die mit der Einstellung zu tun haben. Im Kopf geht es tiefer. Wir müssen dahin kommen, dass jeder Einzelne beim Anpfiff alles andere, was auch immer es ist, ausblendet.

Thomas Doll hat mit Veränderungen und der Tribüne gedroht. Fruchtet so etwas? Kringe: Naja, es ist zumindest verständlich, dass er sowas macht. Dahinter steckt, dass er wachrütteln will. Das ist ein guter Ansatz, damit sich jeder hinterfragt, ob er alles für den Erfolg tut.

 Worin liegen die Vorteile des neuen 4-1-4-1-Systems, wo die der Mittelfeldraute? Ist es überhaupt leicht, so häufig die Ausrichtung zu ändern? Kringe: Schwer zu sagen. Wir studieren beides im Training mit hoher Intensität ein. Wir haben mit beiden Systemen gute und schlechte Spiele gemacht. Ich persönlich habe bei der 4-1-4-1-Variante eine offensivere Rolle.

Doll, Röber, van Marwijk – alle Trainer loben Sie fürs hohe Engagement. Taugen Sie auch zum Fanliebling? Kringe: Das kann man so nicht sagen. Ich weiß, dass meine Art Fußball zu spielen, hier wertgeschätzt wird. Und jeder Fan würde gerne mit mir tauschen. Da ist es nicht zuviel verlangt, sich nach den Spielen zu bedanken.  

  • BVB-Trainer Thomas Doll erhöhte am Donnerstag abermals den Druck auf seine Versager: „Es kann nicht sein, dass der kleinste Windhauch kommt – zum Beispiel ein Pfostenschuss – und meine Spieler werden prompt alle umgeweht. Ich erwarte, dass sie dagegen halten!“ Der Trainer kündigte an: „Einige, die bei der 1:2-Niederlage in Hannover in der Startelf standen, werden am Samstag gegen Frankfurt auf der Bank sitzen.“
  • Sebastian Kehl wird sein Comeback voraussichtlich nicht in der Startelf geben. Doll: „Ich habe lange überlegt. Es ist besser, ihn 30, 35 Minuten spielen zu lassen und seine Einsatzzeit dann sukzessive zu erhöhen.“

        

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