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Das Interview

Großaktionär Bernd Geske: "Ich verkaufe nicht"

DORTMUND Bernd Geske (46) hat einen zweistelligen Millionen-Betrag in Borussia Dortmund investiert. Er besitzt 11,5 Prozent aller Aktien und baut seinen Bestand ständig aus. Würde Geske verkaufen, könnte er einen Millionen-Gewinn realisieren. Nur: Der Fußballfan denkt gar nicht dran.

Großaktionär Bernd Geske: "Ich verkaufe nicht"

Für Bernd Geske sind die BVB-Aktien kein klassisches Finanz-Investment: Sie sind Ausdruck seiner Leidenschaft für diesen Klub.

Herr Geske, Sie sind nicht nur BVB-Fan, sondern auch der größte Anteilseigner des einzigen börsennotierten deutschen Fußballklubs. Wie viel Geld haben Sie Ihre Aktien eigentlich gekostet? Bernd Geske: Ich habe seit dem Börsenstart im Oktober 2000 ja immer wieder nachgekauft und bin seit November 2003 ein Großaktionär. Damals bedeutete das, dass ich mehr als fünf Prozent aller Aktien halten musste – inzwischen sind für diesen Status nur noch drei Prozent nötig. Der Durchschnittspreis, den ich pro Aktie gezahlt habe, liegt jedenfalls irgendwo zwischen 1,80 und 1,85 Euro.Das heißt, Sie sind mit dem schwarzgelben Posten in Ihrem Portfolio in der Gewinnzone?Geske: Ja, absolut! Sie können sich das ja leicht ausrechnen. Zurzeit verfüge ich über 11,5 Prozent aller BVB-Aktien, das sind 7,061909 Millionen Wertpapiere – und die letzten vier Ziffern sind mir wichtig! Wie gesagt: Im Durchschnitt habe ich 1,80 bis 1,85 Euro für jede Aktie gezahlt. Der günstigste Kurs lag, glaube ich, mal bei 83 Cent. Und heute notiert das Papier bei 2,20 Euro.Sie kaufen und kaufen und kaufen. Alleine in den sechs Wochen zwischen dem 15. Juli und dem 31. August haben Sie 18 Mal zugeschlagen und insgesamt 422 319 BVB-Aktien für 1 048 998 Euro erworben. Nur, weil Sie ein gutes Geschäft vermuten?Geske: Nein. Borussia Dortmund ist einfach mein Verein, ich bin seit Anfang der 90er-Jahre Fan, verpasse so gut wie kein Spiel. Ich bin nicht der Typ Anleger, dem es um Spekulationen geht. Ich komme aus einem Familienunternehmen und sehe mein Engagement beim BVB weniger als Wertanlage, mehr als eine Art unternehmerische Beteiligung. Es ist ein Ausdruck meines klaren Bekenntnisses zum Klub. Ein klassischer Aktionär bin ich sicher nicht. Klassische Aktionäre verkaufen ihre Aktien auch mal, um Gewinne zu realisieren. Ich verkaufe nicht, ich lege zu.Wann werden Sie aufhören zu kaufen?Geske: Das ist nicht absehbar. Wenn mir Liquidität zur Verfügung steht, erhöhe ich meinen Aktienbestand. Das habe ich immer so gehalten. Wissen Sie, mein Opa hat einst ein Unternehmen der Nahrungs- und Genussmittelbranche im Kölner Raum gegründet, das heute noch besteht. Wir sind sieben Jungs, ich bin der zweitjüngste. Aus dem operativen Geschäft halte ich mich heraus, aber mein Gesellschafter-Dasein ist eines meiner zwei Standbeine. Das zweite ist der BVB – und beide nehmen inzwischen etwa den gleichen Stellenwert ein.Einer Ihrer Großaktionärs-Vorgänger beim BVB, der charismatische Hedge-Fonds-Manager Florian Homm, hat aktiv Klubpolitik betrieben. War das auch Ihre Intention, als Sie im April 2010 zur Nummer 1 unter den Anteilsschein-Inhabern aufstiegen?Geske: Nein, das würde ich mir nie anmaßen! Ich glaube zwar, dass ich das Fußballbusiness verstehe und gut beurteilen kann, aber ein Anteilseigner, der den Verantwortlichen ins operative Geschäft hereinredet, ist für meinen Geschmack ein schlechter Anteilseigner. Ich bin seit 2005 BVB-Aufsichtsrat, ich fühle mich stets gut informiert. Und ich bin ein großer Fan der handelnden Personen beim BVB. Von Hans-Joachim Watzke bis zu Dr. Reinhard Rauball und Trainer Jürgen Klopp. Es gibt keinen Grund, ihnen zu misstrauen.Am Sonntag tritt Borussia Dortmund in Hannover an. Glauben Sie, dass der geglückte Champions-League-Start den BVB auch wieder in die Bundesliga-Spur hieven kann?Geske: Mittelfristig auf jeden Fall. Ein hochklassiges, dominantes Spiel wie das gegen Arsenal muss doch einen riesigen Schub geben. Bitter ist nur, dass unsere Doppel-Sechs ausfällt. Dennoch bin ich sehr optimistisch gestimmt.In Ihrer Eigenschaft als Fan sollen Sie eine VIP-Band-Marotte entwickelt haben. Stimmt das?Geske: Wenn Sie es so nennen wollen. Ich schaue gerade mal an mein Handgelenk. Da sehe ich das VIP-Raum-Bändchen vom Nürnberg-Heimspiel der vergangenen Saison – das nehme ich nicht ab, weil wir damals Meister geworden sind. Und dann ist da noch das Band der Frankfurt-Partie – weil uns anschließend die Meisterschale überreicht wurde. Normalerweise trage ich zusätzlich das Band des letzten Spiels – und zwar bis zum nächsten.Sind Sie Besitzer von BVB-Devotionalien?Geske: Ja. In unserer Küche steht der BVB-Toaster (röstet das Klublogo auf den Toast, die Redaktion). Vor jeder Saison lege ich mir auch das aktuelle Heim- bzw. Auswärtstrikot zu. Und immer, wenn ich Verträge unterschreiben soll, zücke ich meinen BVB-Kugelschreiber. Der kostet fünf Euro. Eine gute Investition.  

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