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Hummels: "Auf diese Situation gerne verzichtet"

Im Gespräch

WARSCHAU Das d’Artagnan-Lächeln war verschwunden, der Blick nachdenklich: Mit hängenden Schultern und gesenktem Kopf stampfte Mats Hummels nach der Pleite gegen Italien durch die endlos lange Mixed Zone im Warschauer EM-Stadion. Anders als viele seiner Kollegen hielt er zwischendurch an, stellte sich den Fragen der Journalisten – und äußerte sich selbstkritisch.

von von Matthias Dersch

, 29.06.2012
Hummels: "Auf diese Situation gerne verzichtet"

Zerknirscht: Trotz der bitteren Niederlage gegen Italien beantwortet Mats Hummels die Fragen unseres EM-Reporters.

Im Endeffekt waren es Kleinigkeiten, die entscheiden waren. Italien hat die ersten beiden Chancen direkt genutzt. Doch auch wir hatten unsere Möglichkeiten. Etwa durch mich kurz nach den Anpfiff oder durch Sami Khedira direkt vor dem 0:2. Daran sieht man, dass  Italien einen Tick besser war. Wir müssen da auch nicht über Glück reden. Trotzdem war nicht alles falsch, was wir gemacht haben. Wir haben nur leider in den ersten 45 Minuten nicht zu 100 Prozent unsere Leistung abgerufen. Das hat gegen diesen Gegner gereicht, um nach Hause fahren zu müssen.

Er war im Grunde derselbe wie in den 15 Spielen zuvor, die wir alle gewinnen konnten. Das ist es ja: Vieles bei uns ist richtig, aber leider nicht alles. Wir wollten Italien gar nicht erst in diese schnellen Kontersituationen kommen lassen. Und wir wollten versuchen, die Schnittstellenpässe, die Andrea Pirlo so gern spielt, zu verteidigen. Das haben wir eigentlich auch ganz gut gemacht, trotzdem fiel aus so einer Situation das 0:2. Das war umso ärgerlicher, weil wir wussten, dass Mario Balotelli auf solche Momente lauert.

Wir wussten, dass sie so spielen würden. Sie waren sehr rigoros in der Defensive. Da ist es auch immer die Frage, was der Schiedsrichter laufen lässt. Es ist ihnen zugutegekommen, dass diesmal viel durchging. Wir haben uns davon aber auch nicht komplett überrumpeln lassen. Wir hatten selbst super Chancen, vor allem nach der Pause.

Antonio Cassano hat den Ball zwischen den Beinen liegen. Ich sehe das, will den Ball wegspitzeln, kriege ihn aber nur drei Zentimeter weg. Er dreht sich, flankt. Klar, den Zweikampf muss ich gewinnen.

Ja, aber auch die Führungsspieler haben das Wort ergriffen und uns gepusht. Philipp Lahm und Bastian Schweinsteiger zum Beispiel. Wir haben dann ein ganz anderes Gesicht gezeigt. Ich glaube, dieses Gesicht hätte uns zum Finale verholfen, wenn wir es von der ersten Minute an gezeigt hätten.

Natürlich waren wir alle enttäuschend. Aber es war nicht so, dass ein großes Drama ausgebrochen wäre. Wir wissen, dass wir auch in zwei Jahren und in vier Jahren noch enorme Qualität auf den Platz bringen werden. Trotzdem ist es für die Jungs, die schon länger dabei sind, umso enttäuschender, weil es schon so oft so knapp war. Wir hoffen, dass wir es irgendwann anders darstellen können. Aber bis dahin ist es noch ein langer, harter Weg.

Nein, das glaube ich nicht. Es ist wichtig, überhaupt zu sehen, dass man diese Qualität hat. Andere Mannschaften wären froh, wenn sie viermal hintereinander in ein Halbfinale eingezogen wären. Wir sind jetzt zwar zum vierten Mal knapp gescheitert. Aber das ist ja kein schlechtes Ergebnis – wenn auch weniger, als wir wollten.

Für mich wäre es ein gutes Turnier gewesen, wenn wir uns für das Finale qualifiziert hätten und ich nicht Mitschuld daran gehabt hätte, dass wir gegen Italien in Rückstand geraten. Es gibt immer gute und schlechte Situationen, aber auf diese eine schlechte hätte ich gerne verzichtet.

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