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"Ich habe mich erschreckt"

DORTMUND Wenn es beim BVB einen Top-Einkauf gibt, dann ist er es: Mladen Petric (26), kroatischer Nationalspieler mit schweizer Pass. Er ist ein Typ. Er trifft. Er sagt, was er denkt. Und er denkt viel. Sascha Fligge sprach mit ihm.

"Ich habe mich erschreckt"

Persönlich erfolgreich, frustriert im Team: Mladen Petric.

Herr Petric, Sie sollen mit Trainer Thomas Doll über Ihre Position auf dem Platz gestritten haben. Tatsache? Mladen Petric: Nein. Das Gespräch mit dem Trainer war sachlich und normal. Er ist nicht laut geworden. Aber was soll’s: Eine Zeitung will sogar gewusst haben, ich hätte mich mit dem Sportdirektor gefetzt. Auch das ist Unsinn.

Es heißt, Sie hätten bei Vertragsverhandlungen im Sommer gesagt, Sie würden gerne den Regisseur geben – in Dortmund hielt man Ihnen dann aber vor, Sie hätten in Interviews betont, ausschließlich Stürmer zu sein. Petric: Aber ich bin ja nicht vor jede Kamera gestiefelt und habe gesagt: „Hey, ich bin der Stürmer. Im Mittelfeld kann ich gar nicht spielen.“ Doch wenn mich jemand fragt, auf welcher Position ich mich am wohlsten fühle, kann ich nicht lügen. Ich war in meiner Karriere nun einmal überwiegend Stürmer.

Trotzdem sah der BVB in Ihnen einen „Zehner“. Das wussten Sie doch, oder? Petric:  Ich hätte die Rolle ja angenommen. Aber dann ging zu Beginn der Saison bei allen alles schief. Da hat ja keiner seine Normalform gebracht. Das war kollektives Versagen. Auch bei mir. Und schon am zweiten Spieltag, auf Schalke, hat der Trainer mich im Sturm aufgestellt.

Das Experiment mit Ihnen im zentralen offensiven Mittelfeld ist also gescheitert? Petric: Zurzeit macht der Trainer jedenfalls nicht den Eindruck, als wolle er mich dort wieder aufstellen.

Im Angriff sind Sie auch effektiver. Sechs Treffer in der Liga, zwei im Pokal. Tut es weh, trotz des persönlichen Erfolges mit ansehen zu müssen, wie das Team im Niemandsland verödet? Petric: Ja. In der Meisterschaft sind wir nicht titelfähig. Im DFB-Pokal eventuell schon. Da kann alles passieren. Aber wichtig ist die Liga. Da hängt einiges nun davon ab, wie sich der Verein entwickelt – und was eventuell auf dem Transfermarkt passiert.

Sie sind nicht in der Position, um zu sagen: Im Winter müssen neue Leute her! Petric: Wie kommen Sie darauf? Ich bin durchaus in der Position. Klar, wir Spieler sollten uns auf das fokussieren, was wir auf dem Platz machen. Doch um ambitioniert oben in der Tabelle mitspielen zu können, hätte ich nichts gegen Verstärkungen im Winter. Aber ganz klar: Das ist allein Sache der Verantwortlichen im Verein.

In welchen Bereichen der Mannschaft wünschen Sie sich mehr Qualität? Petric: Sehen Sie, in der Position, öffentlich detaillierte Forderungen aufzustellen, bin ich in der Tat nicht. Außerdem wäre jede Antwort automatisch Kritik an Mitspielern. Das will ich nicht.

Aber intern machen Sie darauf aufmerksam, wo aus Ihrer Sicht Defizite liegen? Petric: Ich habe meine Meinung zu dem Thema. Wer sie hören will, der bekommt sie auch zu hören. Die eine oder andere Verstärkung würde uns weiterbringen.

Sie gelten als rotzfrech? Petric: Ich habe Ecken und Kanten. Aber ich bin nie einer gewesen, der für Skandale steht. Ich will privat nur Ruhe. Da ist meine Frau – und das reicht mir voll und ganz. Gut, früher hat man mir vorgeworfen, dass ich auf dem Platz nicht immer alles gebe. Dass ich zu locker wirke. Vielleicht wurde mir diese Lockerheit negativ ausgelegt.

Also nur ein wenig arrogant? Petric: Es gibt eine positive Form von Arroganz. Ein starkes Selbstbewusstsein. Die Überzeugung von eigenen Fähigkeiten. In dieser positiven Hinsicht bin ich arrogant.

In drei Ligaspielen haben Sie getroffen – immer doppelt. Und Sie hatten schon in der Schweiz einen Hang zum „Doppelpack“. Was genau passiert mit Ihnen eigentlich nach dem ersten Tor? Petric (überlegt lange): Wie soll ich das ausdrücken? Da wird Adrenalin frei. Und die innere Überzeugung, dass ich etwas kann, die wächst und wächst. Ich traue mir dann noch mehr zu.

Es hilft aber nichts. Der BVB rangiert auf Platz 13. Zeichnen starke Spiele wie gegen Bremen (3:0) oder München (0:0) ein verzerrtes Bild? Petric: Nein. Wir haben wiederholt gezeigt, auf welchem Niveau wir spielen können. Das Potenzial ist da. Es fehlt einfach die Konstanz.

Die fehlt allerdings seit fünf Jahren. Warum? Petric: Ein Punkt ist: Viele Spieler sind jung, da ist das normal.

Kovac, Wörns, Klimowicz – das sind keine Teenies... Petric: Brzenska, Blaszczykowski, Kruska, Valdez, das sind auch keine Routiniers.

Dortmunds Ziel ist das Erreichen des UEFA-Cups. Sie alle haben in diesem Geschäft kaum Zeit, sich in Ruhe zu entwickeln. Und jetzt? Petric: Jetzt wüsste ich auch gerne, wie wir uns von heute auf morgen ändern können. Aber ich weiß es eben nicht. Außerdem hat unsere Achterbahnfahrt nicht nur mit Sport zu tun.

Sondern? Petric: Auch mit der Atmosphäre rund um den Verein.

Was meinen Sie? Petric: Nicht falsch verstehen. Ich fühle mich sehr wohl hier, aber die Stimmung im Umfeld ist extrem negativ. So habe ich das noch nirgendwo erlebt. Ich habe mich anfangs richtig erschreckt.

Worüber? Petric: Oft habe ich das Gefühl: Das Positive wird bewusst ausgespart, jeder wartet darauf, den BVB zerreißen zu können. Als hätten manche Kreise keinen Spaß daran, Erfolge zu sehen. Gerade die Medien. Diese negative Stimmung im Umfeld, aber auch im Verein, belastet uns.

Wie zeigt sich das? Petric: Die Jungs gehen nicht auf den Platz und sagen: Hier hat der Gegner nichts zu holen. Den hauen wir weg!

Was sagen sie sich denn? Petric: Manche fürchten: Wenn wir heute verlieren, gibt es ein Riesendrama

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