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Klopp: "Wir sind lebendig"

ESSEN Der Tag war wie eine Zeitreise in den Ruhrpottfußball der 80er-Jahre. Vor dem Stadion an der Essener Hafenstraße stank es intensiv nach Bier, die VIP‘s der Neuzeit musste man mit der Lupe suchen. Und drinnen, in der Arena alter Prägung, dröhnte die völlig veraltete Lautsprecher-Anlage so laut, dass jedes Wort in den Gehörgängen nachvibrierte.

Klopp: "Wir sind lebendig"

Sah nach wenigen Sekunden Rot: Bajram Sadrijaj (li.).

Auf dem Rasen war das Duell zwischen dem „David“ Rot-Weiss Essen und „Goliath“ Borussia Dortmund am Samstag erst in der 70. Minute entschieden. Durch Tore von Tamas Hajnal (14.), Florian Kringe (60.) und Nelson Valdez (70.) fuhr der Pokalfinalist dieses Jahres letztlich zwar ungefährdet den Sieg ein. Allerdings verdeckte die überzeugende zweite Hälfte den Blick auf eine erste, die vor allem im Aufbau, aber auch in puncto Aggressivität und Spielintelligenz auf den Außenbahnen, sehr unvollendet wirkte. Mit einem Sonntagsschuss aus 32 Metern hatte Essens Kapitän Stefan Lorenz zwischenzeitlich zum 1:1 ausgeglichen (18.). Sascha Mölders besaß kurz darauf gar die Chance zur Essener Führung, nachdem der starke Pagano ihm den Ball in die Nahtstelle des Abwehrzentrums gezirkelt hatte. „Die Mannschaft ist lebendig. Ich finde, es war heute ein guter Schritt“, sagte Borussias Trainer Jürgen Klopp nach seiner gelungen Pflichtspiel-Premiere und resümierte: „Wir wollten heute weiterkommen und nicht unser Limit erkennen. Immerhin haben wir gegen einen disziplinierten und taktisch stark geschulten Gegner verdient gewonnen.“

Dass die Borussen die letzte Viertelstunde nach der Roten Karte für den erst Sekunden zuvor eingewechselten Bajram Sadrijaj (72.) in Unterzahl überstehen mussten, nahm Klopp auf seine Kappe. „Das ist zu 70 Prozent meine Schuld. Ich hatte Bajram vor seiner Einwechslung mit Verweis auf eine misslungene Aktion von Giovanni Federico gesagt, er müsse kompromisslos in die Zweikämpfe gehen, wenn Essen über außen kommt. Als es dann so weit war, habe ich „Jetzt“ gerufen, und er hat das wohl leicht überinterpretiert. Ich muss an meiner Wortwahl arbeiten“, sagte Klopp. Das Wichtigste: Nach Sadrijajs böser „Sense“ konnte Essens Dennis Bührer unverletzt weiterspielen. Herauszuheben aus einem BVB-Team, das noch großen Verbesserungsbedarf im Mittelfeld-Positionsspiel hat, war die Leistung von „Regisseur“ Tamas Hajnal. Ungarns Fußballer des Jahres war am Samstag beim Viertligisten RWE der Motor des Dortmunder Spiels: Das 1:0 erzielte er selbst, das dritte Tor leitete er mit einem feinen Pass ein. „Tamas ist ein Klasse-Fußballer, der Tore schießt und vorbereitet. Er hat den Kollegen vom ersten Tag an gezeigt, dass er ihnen helfen kann“, lobte Klopp. Den Blick vor den Realitäten verlor der 41-Jährige aber nicht. Als ein Reporter Klopp fragte, was ihm nicht gefallen habe, antwortete er: „Haben Sie so viel Zeit?“

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