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BVB gegen Union Berlin

Kommentar zum Chaos beim Pokalspiel

DORTMUND Dortmund spielt in der Bundesliga, im DFB-Pokal und in der Champions League. Organisatorisch ist die Meister-Metropole mit Messezentrum und Stadionanschluss eher Provinz. Ein Kommentar über ein Pokalspiel mit sehr vielen friedlichen Fans und einem Wasserwerfer, dessen Motor lief, ohne dass es dafür einen Anlass gab.

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Die Einlasskontrollen an der Nordtribüne funktionierten nicht reibungslos. Es gab Pannen. Die Union-Fans reagierten mit Geduld, der Schiedsrichter mit einem verspäteten Anpfiff.

Ein Wasserwerfer auf dem Stadionvorplatz.

Vermieteter, aber nicht ausgelasteter Parkplatz an der Bundesstraße 1. Fans durften ihn nicht nutzen.

FC-Union-Fans nach Spielschluss auf dem Weg in die U-Bahn. Wegen der Fantrennung war für BVB-Fans kein Platz.

Erwischt: Diese Fans konnten eine Fantrennung umgehen und tranken, an einem Tisch sitzend, Bier und Fanta.

Pyrotechnik im Gästeblock der FC-Union-Fans: Das soll schön sein?

Dichte Wartereihen vor den Einlasskontrollen am Stadioneingang.

Dortmund im DFB-Pokal gegen FC Union Berlin. „Die Eisernen“ kommen. Normal ist, dass die Dortmunder mit mindestens 50.000 Fans zum Finale nach Berlin fahren. Selbst ohne Karte. Am 26. Oktober 2016 war alles anders. 12.000 Berliner fuhren von der Spree an die Ruhr und stürzten sich vom Hauptstadt-Chaos in einen westfälischen Eintopf, in dem zu viele Köche herumgerührt haben müssen.

Wir Dortmunder hätten den Berlinern erklären müssen, dass wir drei zwischen 18.02 und 18.35 Uhr am Hauptbahnhof ankommende Sonderzüge mit über 2000 Fans nicht unverzüglich mit der U-Bahn zum Stadion karren können. Schon gar nicht, wenn ein ganz wackerer Eiserner im Tunnel die Notbremse zieht. Größere Abstände zwischen der Ankunft der Züge hätten nicht nur den Nahverkehr zwischen Hauptbahnhof und Stadion entzerrt, sondern später auch Druck und Wartezeiten bei den Stadionkontrollen verhindert.

Fan-Stau vor der Nordtribüne. Die Union-Fans reagierten mit großer Geduld, der Schiedsrichter mit einem verspäteten Anpfiff. Fotos: Peter Bandermann

Man kann das logistisch produzierte Deeskalation nennen. Dass die späte Anreise von Fans in letzter Minute zu großem Gedränge auf dem Stadionvorplatz führt, ist allerdings keine neue Einschätzung. Das war bei Dynamo Dresden so, bei Galatasaray Istanbul, bei Derbys und beim FC Union. Und es gibt keinen Grund, so weiterzumachen wie bisher.

Es war nicht ein auf Sabotage ausgelegtes Fan-Verhalten, dass die Westfalenmetropole Dortmund an die Grenzen führte. Es war Dortmund selbst. Diese Stadt schleuste Gäste und eigene Fans durch eine völlig überzogene Sicherheitsarchitektur, deren Statik so sehr auf Gewalt und Randale ausgelegt war, dass sie den Menschenmassen im Weg stand. Statt die Fans klug über die Straßen und Schienen zu leiten, wurden die Berliner als Ergebnis mangelhafter Koordination zu Pulks verdichtet, was wegen langer Wartezeiten an Bahnhöfen und vor den Stadionkontrollen zu langen und nicht nachvollziehbaren Wartezeiten führte. Wir müssen hoffen und den Fußballgott anbeten, dass das beim Derby am Samstag (29. Oktober) besser läuft.

Es war bemerkenswert, mit welcher Geduld der Großteil der Berliner auf die Blockaden reagierte. Vielleicht beeindruckte sie ja der auf dem Stadionvorplatz abgestellte Wasserwerfer der Polizei, die auf alles vorbereitet war. Aber nicht auf so viele friedliche Fans. Der von der Polizei betriebene Aufwand stand an diesem Pokalabend in keinem Verhältnis zum Verhalten dieser Fans.

Ein Wasserwerfer auf dem Stadionvorplatz.

Wie die Wanderprediger preisen Polizei und Stadt Dortmund den öffentlichen Nahverkehr an, um die Straßen zu entlasten. Es ist an Ironie nicht zu überbieten, dass der Stadionsprecher wenige Minuten nach dem Abpfiff den Fans mitteilte, dass in Dortmund der U-Bahn-Verkehr um 0.15 Uhr eingestellt wird. Leere Dienstwagen rauschten durch die Haltestellen, vorbei an wartenden BVB-Fans. Für die Union-Anhänger wurde eine Ausnahme gemacht, damit sie die im Hauptbahnhof bereitstehende Sonderzüge erreichen konnten und nicht zu Fuß durch die Innenstadt ziehen mussten.

Fans durften leeren Parkplatz nicht nutzen

Auch die Anfahrt mit dem PKW glich einem Chaos, das niemand auflösen wollte. Ein Messerveranstalter hatte den Parkplatz an der Westfalenhalle komplett gemietet, aber nur zur Hälfte belegt – die Ordner durften keinen Fan durchlassen, nicht einmal gegen Geld. Die Fans fuhren an leeren Parkplätzen vorbei. In der Folge bildete sich auf der rechten Spur der B1 ein langer Stau. Rechtzeitige Information durch das Tiefbauamt oder die Polizei? Nö. Vor allem auswärtige Gäste hatten es schwer, sich zu orientieren. Beschweren wir uns also nicht über Falschparker im Kreuz- und Klinikviertel, die den Anstoß nicht verpassen wollen, wenn wir als Meister-Metropole nicht in der Lage sind, belastbare Leitsysteme anzuwenden.

Vermieteter, aber nicht ausgelasteter Parkplatz an der Bundesstraße 1. Fans durften ihn nicht nutzen. 

Keine Sorge, es geht noch dilettantischer. Mit 7,3 Millionen Euro baute die Bahn vor über zehn Jahren, zur Fußball-Weltmeisterschaft 2006, den DB-Haltepunkt „Signal Iduna Park“ aus, damit längere und breitere Bahnsteige die aus Sonderzügen aussteigenden Fans fassen können. Krass: Zwei Sonderzüge sollten sogar hintereinander stehen können. Nun hat sich die Bahn das anders überlegt: Sonderzüge würden dort den Regionalbahnverkehr zu sehr beeinträchtigen, am Hauptbahnhof könne die Bahn besser disponieren. Die Folgen durch die Überlastung des U-Bahn-Verkehrs: siehe oben. Statt die Berlin-Fans vor und nach dem Spiel über diese Station in unmittelbarer Stadionnähe zu leiten, wurden sie durch den U-Bahn-Pfropfen gepresst. Was wegen der strikten – und überflüssigen – Fantrennung dazu führte, dass BVB-Fans nach Spielschluss die U-Bahnen nicht mehr nutzen durften. Obwohl sie mit dem Kauf einer Eintrittskarte fürs Stadion das Nahverkehr-Ticket mitbezahlt haben. Ist geschenkt, denn wir sind in Dortmund und nicht in einer Weltstadt.

FC-Union-Fans nach Spielschluss auf dem Weg in die U-Bahn. Wegen der Fantrennung war für BVB-Fans kein Platz.

Nicht nur nebenbei bemerkt: Dass Sonderzüge mit Gästefans nicht immer den Haltepunkt Signal Iduna Park anfahren, hat auch damit zu tun, dass Auswärtige über die Wege gehen müssen, die zur Südtribüne führen. Dortmunder Fans schleudern da gern mal Flaschen in die Menschenmengen, weil sie beim Anblick fremder Farben so etwas wie Hass empfinden. Auch sie tragen mit diesem Verhalten zum Sicherheits-Wahn mit all seinen negativen Folgen bei.

Die Fantrennung umgangen und ein Bier getrunken. Einfach so.

Fantrennung. Auch so ein Wort. Die Polizei hatte schon vor dem Spiel friedliche Fans von anderen friedlichen Fans getrennt. Wo das nicht vermeidbar war, standen Schwarzgelbe und Rote mit- und nebeneinander, so, als fänden sie sich nett. Sie fotografierten sich und brachten gegenseitige Sympathien durch gemeinsames Biertrinken oder Umarmungen zum Ausdruck. Auf dem Alten Markt wurden zwei BVB- und drei FC-Union-Fans dabei beobachtet, wie sie, gemeinsam an einem Tisch sitzend, Hövels, Brinkhoffs und eine Fanta tranken.

Erwischt: Union- und BVB-Fans konnten die Fantrennung umgehen und tranken gemeinsam Bier und Fanta.

Im DFB-Museum erdreisteten sich offensive Union-Fans, BVB-Defensivspieler Sven Bender um Autogramme zu bitten. Auf der Strobelallee gingen zwei Störer so weit, dass sie sich, schon wieder in den Armen liegend, auf dem Stadionvorplatz vor einem Wasserwerfer fotografierten. Wenn das alle so machen würden, gäbe es schon wieder eine Menschenmenge. Der Wasserwerfer stand übrigens die ganze Zeit mit laufendem Motor da. Nicht gut für die Ökobilanz dieses Großeinsatzes, aber irgendeine Existenzberechtigung musste das Monstrum ja haben. Zur Not Sollvorgaben beim Dieselkraftstoffverbrauch.

Pyrotechnik soll also schön sein

Ja, es gab sie, die Vollpfosten, die Polizisten mit Pyrotechnik beworfen und verletzt haben. Die im Stadion Pyrotechnik zündeten. Hoffentlich trifft sie eine harte Strafe. Diese „Fans“ repräsentieren niemals im deutschen Fußball die Mehrheit der friedlichen Fans. Die Berliner begegneten den Dortmundern nicht feindschaftlich, sondern freundschaftlich. Berliner und Dortmunder – die mögen sich. Was wir bei jedem Pokalfinale zu spüren bekommen. Doch Fantrennung, der Wasserwerfer und Kontrollen haben das Einschleusen von Pyrotechnik nicht verhindert. Weil die Gegenstände so klein sind, dass sie dort versteckt werden können, wo kein Ordner hin fassen möchte. Weil es dort ekelig ist. Die Pyrotechnik im Stadion hat dem FC Union nicht zu einem Sieg verholfen. Von einer besseren Stimmung im Stadion kann auch keine Rede sein, denn Bengalos und dichter Rauch behindern die Sicht. Die große Mehrheit der Fans will Fußball sehen. Alles andere an Silvester.

Pyrotechnik im Union-Gästeblock: Rauch und rotes Licht.

Die Pyromanen müssen wissen, dass ihr Verhalten Teil eines Teufelskreises ist, der im deutschen Fußball einen Irrsinn ausgelöst hat, der, am Beispiel Dortmund gut erkennbar, nicht mehr Sicherheit, sondern Chaos und Beeinträchtigung nach sich zieht.

Fußball ist unser Leben. Es könnte ein schönes Leben sein, wenn es nur um Fußball ginge.

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