Diese Website verwendet Cookies. Cookies gewährleisten den vollen Funktionsumfang unseres Angebots, ermöglichen die Personalisierung von Inhalten und können für die Ausspielung von Werbung oder zu Analysezwecken gesetzt werden. Lesen Sie auch unsere Datenschutz-Erklärung

Kontroverse um Robert Lewandowski

Regisseur wider Willen

DORTMUND Das 0:2 gegen Leverkusen zum Liga-Start hatte BVB-Trainer Jürgen Klopp (43) am Sonntagabend ohnehin schon die Laune verhagelt. Und dann fuhr ihm während der anschließenden Pressekonferenz zu allem Überfluss ein polnischer Journalist mit kritischen Anmerkungen zu seinen taktischen Planspielen in die Parade.

von Von Sascha Fligge

, 22.08.2010
Kontroverse um Robert Lewandowski

Fußball Bundesliga 16. Spieltag: FC Bayern München - FC Ingolstadt am 12.12.2015 in der Allianz Arena in München (Bayern). Robert Lewandowski (l) von München und Pascal Groß von Ingolstadt kämpfen um den Ball. Foto: Andreas Gebert/dpa (Wichtiger Hinweis: Aufgrund der Akkreditierungsbestimmungen der DFL ist die Publikation und Weiterverwertung im Internet und in Online-Medien während des Spiels auf insgesamt fünfzehn Bilder pro Spiel begrenzt.) +++(c) dpa - Bildfunk+++

Warum er denn 4,5-Millionen-Euro-Neuzugang Robert Lewandowski (22) auf einer Position einsetze, die ihm gar nicht liegt – nämlich im offensiven Mittelfeld – fragte der Medienvertreter aus dem Nachbarland und legte seine persönlich Meinung gleich nach: „Robert käme auf einer Linie mit Lucas Barrios viel besser zur Geltung. Er ist doch ein reiner Stürmer!“

Klopp ging das Nachhaken sichtlich auf den Keks. „Because we don‘t change our system for one player“, entgegnete er angelsächsisch und ziemlich angefressen: „Wir ändern unser Spielsystem nicht wegen eines einzigen Akteurs!“ Besagtes System ist ein 4-2-3-1, in dem Lucas Barrios (25) die einzige echte Spitze ist und der Job des zweiten Angreifers nicht vorgesehen. Das führt aktuell dazu, dass Lewandowski, der im vergangenen Jahr mit 18 Treffern für Lech Posen Torschützenkönig der Ekstraklasa geworden war, entweder auf der Bank sitzen muss oder als Einwechselspieler die Funktion eines verkappten Regisseurs im Kern des offensiven Mittelfelds zu übernehmen hat. Kritiker behaupten, für diesen Job fehle es Lewandowski schlicht an jener Explosivität, die der Ägypter Mohamed Zidan (28, zurzeit nach einem Kreuzbandriss in der Rehabilitation) besitzt.

Jürgen Klopp verlor während der Pressekonferenz kurzzeitig die Contenance. „Auf welcher Position hat Lewandowski denn im Duell der polnischen Nationalmannschaft mit Kamerun gespielt?“, fragte er den polnischen Journalisten. „Auf der eines Stürmers“, entgegnete der Medienmann, was Klopp zum letzten Wort in der Sache Lewandowski verleitete: „Und Polen hat doch 0:3 verloren, oder?“ Hatte es in der Tat. Ob dem BVB gegen am Sonntag übermächtige Leverkusener die Umstellung auf ein Zwei-Spitzen-System mit Lewandowski neben dem schwachen Barrios größere Erfolgsaussichten beschert hätten, ist eine Frage, die niemand beantworten kann. Einen Versuch wert gewesen wäre es allerdings, zumal Klopp selbst stets betont hatte, „zwischen einem 4-2-3-1 und dem 4-4-2, so wie wir es spielen würden“, gäbe es nur „marginale Unterschiede“.

Die Einwechslung Lewandowskis als Mittelfeldspieler (63., Kapitän Sebastian Kehl musste weichen) sorgte nach 25 kraftvolleren Minuten der Borussia zu Beginn der zweiten Hälfte jedenfalls für einen spürbaren Druck-Abfall. Der zuvor im Zentrum phasenweise brillierende Japaner Shinji Kagawa (21) bekam außen kaum noch Bälle, seinem polnischen Kollegen fehlte in der Zentrale erneut jegliche Bindung zum Spiel. „Ihr in Polen“, sagte Jürgen Klopp während der Pressekonferenz, „wisst gar nicht, wie gut der Junge sein kann“. In Dortmund wartet man auch noch auf Erkenntnis. Vielleicht kommt sie ja, wenn Robert Lewandowski in naher Zukunft einmal tun darf, was er zweifellos am besten kann – stürmen.

Lesen Sie jetzt