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Lucas Barrios ist Borussias Topstürmer

Erfolg mit Haken

DORTMUND Er gilt beim BVB als unverkäuflich. Jedenfalls so lange, bis jemand gewillt ist, 20 Millionen Euro für Lucas Barrios auf den Tisch zu legen. So sah der Fall jedenfalls vor einer WM ohne Barrios-Tor aus.

von Von Sascha Fligge

, 01.08.2010
Lucas Barrios ist Borussias Topstürmer

Stürmer Lucas Barrios geht in seine zweite Saison beim BVB. Die erste war außerordentlich erfolgreich

Es begab sich im April, nach Borussia Dortmunds 3:2-Sieg beim 1. FC Nürnberg. Ein türkischer Journalist – sichtlich angetan vom dreifachen Torschützen Lucas Barrios (25) – fragte dessen Trainer Jürgen Klopp (43), was er denn zu tun gedenke, wenn Besiktas Istanbul im Sommer einen „Blankoscheck“ für den „südamerikanischen Wunderstürmer“ anböte. Klopp zupfte sich damals kurz das T-Shirt zurecht und entgegnete: „Sie können sich ja gar nicht vorstellen, wie viele Nullen man in so einen Blankoscheck eintragen kann!“ Barrios, dessen Vertrag in Dortmund erst am 30. Juni 2014 auslaufen wird, gilt beim BVB als unverkäuflich. Jedenfalls so lange, bis jemand gewillt ist, mindestens 20 Millionen Euro auf den Tisch zu legen. Dass dieser Fall eintreten wird, ist nach einer WM ohne Barrios-Tor aus dem Spiel heraus allerdings eher unwahrscheinlich.

Der Bundesliga-Toptorschütze hat auf der größten aller Fußball-Bühnen keine Werbung in eigener Sache betrieben. Er selbst sieht das natürlich anders. „Ich war dabei, als Paraguay mit der Viertelfinal-Niederlage ein historischer Triumph geglückt ist. Dass ich kein Tor erzielt habe, spielt keine große Rolle.“ Dass er drei Tage vor Dortmunds Pflichtspielstart (14. August, DFB-Pokal) im mehr als 10 000 Kilometer entfernten Asuncion mit seinen Kollegen für das WM-Auftreten gefeiert werden soll, ist Barrios kein Dorn im Auge. Er selbst mag den Verband (im Gegensatz zu seinem Arbeitgeber) auch nicht bitten, fernbleiben zu dürfen. „Es gibt kein entweder Nationalteam oder Verein. Ich versuche, meine Berufungen positiv zu sehen. Die Umstände empfinde ich eher als positiven Stress. Davor habe ich keine Angst“, sagt er. Und zur unüberhörbaren Ankündigung Klopps, er könne nicht mit Barrios planen, falls der die 25-Stunden-Flug-Ochsentour binnen weniger Tage gleich zweimal auf sich nehme: „Dann wird eben ein anderer spielen!“

Die Abstellungs-Debatte ist fast tragisch, denn Klopp sieht in Barrios den Fixpunkt des BVB-Offensivspiels. „Wir haben die Möglichkeit, ihn aufzustellen“, betonte der Trainer unlängst, „und dann schauen wir, wen wir drum herum stellen können.“ Barrios sagt, es sei „eine Ehre, wenn der Trainer so denkt“. Vielleicht ist er aber auch nur die logische Konsequenz einer außergewöhnlichen Saison des Stürmers. 2009/2010 traf der „Panther“ nach einer Eingewöhnungsphase (sieben Einsätze, kein Tor) in der Bundesliga 19 Mal und bereitete fünf weitere Treffer vor. Acht Mal erzielte er das wichtige 1:0, 35 Prozent aller BVB-Treffer gingen auf sein Konto. Nur Nürnbergs Albert Bunjaku (26) hatte einen noch größeren Anteil an den Erfolgserlebnissen seiner Mannschaft (37,5 Prozent).

Das alles sei nicht ohne Wirkung geblieben, meint Barrios, die Ellenbogen auf den Tisch gestützt, das Oberarm-Tattoo – in Stacheldraht eingeflochtene Fußbälle – gut sichtbar. „Es gab vor der WM viele Angebote von großen Klubs“, betont er. Schachtjor Donezk und Zenit St. Petersburg sollen vorgefühlt haben. Über den Status von Unterhändler-Gesprächen, so heißt es in Dortmund, sei man aber nie hinausgekommen. In der kommenden Saison wird der Paraguayo wohl ohne die Unterstützung seines BVB-Schattens Nelson Valdez („Ich bin traurig, dass er gehen soll“) daran arbeiten müssen, sich noch deutlicher im internationalen Schaufenster zu positionieren. 59 Fouls hat Barrios in der vergangenen Spielzeit begangen, die meisten aller Dortmunder Profis. „Das beweist doch“, sagt er, „dass ich auf dem Feld viel arbeite.“ Besiktas Istanbul ist es sicher nur noch nicht aufgefallen… 

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